Lidl-Trek macht in Sachen Grand-Tour-Ambitionen ernst - Österreicher Felix Gall als fehlendes Puzzleteil verpflichtet

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Seit drei Jahren ist Lidl Hauptsponsor beim deutschen Team Lidl-Trek. Mit dem Einstieg des Discounter-Giganten stiegen auch die Ambitionen des einstmals US-amerikanischen, inzwischen unter deutscher Lizenz fahrenden Teams. Mit der Verpflichtung von Felix Gall und Gregor Mühlberger soll nun der nächste, finale Schritt Realität werden. Doch die Konkurrenz ist stark.

Vuelta-Highlights: Stars, Stürze und Seriensieger

Quelle: Eurosport

"Wir sind auf einer Mission, das schnellste Straßenrad-Team der Welt zu werden", heißt es in der Beschreibung der Mannschaft auf der eigenen Website. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren in diese Richtung bewegt, am Ziel angekommen sind die Verantwortlichen noch nicht. UAE Emirates und Visma-Lease a Bike stehen diesem großen Ziel bislang im Weg. Red Bull-Bora-hansgrohe konkurriert immer mehr um den Platz an der Sonne.
Vergangenes Jahr war Lidl-Trek im Teamranking der UCI Dritter hinter den beiden Superteams, in diesem Jahr ist es bislang Platz fünf - Red Bull und das ebenfalls ambitionierte Decathlon-Team haben sich davorgeschoben.
Von letztgenannter Equipe sicherte man sich nun die Dienste eines der Haupt-Punktelieferanten für die Weltrangliste: Felix Gall stößt gemeinsam mit seinem Adjutanten Gregor Mühlberger zur deutschen Mannschaft.
Platz eins im Teamranking wäre das eine; dem Ziel des "schnellsten Teams" ist man mit Jonathan Milan und Mads Pedersen - beide dominierten die Punktewertungen der Grand Tours in den vergangenen Jahren - schon sehr nahe. Aber es geht um etwas anderes: den Sieg bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt, genauer gesagt der Tour de France.

Lidl-Trek feilt am großen Coup

Dafür baute Lidl-Trek in den vergangenen Jahren nicht nur den Kader sukzessive um, sondern auch die Führungsetage. In diesem Jahr übernahm Andy Schleck, Tour-Sieger 2010, den Posten als Manager von Luca Guercilena.
Seit dem 1. September ist Grischa Niermann (vormals Visma) offiziell als "Chief Sporting Officer" an Bord. Erfolgstrainer Dan Lorang kam von Red Bull. Das alles geschah unter dem Motto: Ein neues Kapitel beginnt.
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Einer ist schon da, wo der andere noch hinmöchte: Enric Mas (l.) und Felix Gall auf dem Podium der Vuelta.

Fotocredit: Getty Images

Gall soll dieser neuen Führungsetage nun die Beine geben, um eine Grand Tour zu gewinnen. "Wir glauben, dass von Felix noch mehr kommen kann. Wir wollen an die Grenzen dessen gehen, was wir erreichen können", sagte Schleck zur Verpflichtung des Österreichers.
"Für Gall und Mühlberger ist es der logische nächste Schritt", sagte Eurosport-Experte Jens Voigt auf exklusive Nachfrage. "Gall war bei zwei Grand Tours dieses Jahr auf dem Podium, es gibt nicht viele Fahrer, die das schaffen. Da ist es verständlich dass die beiden ihren Horizont erweitern und etwas Neues wagen wollen. Zumal Lidl-Trek über ein sehr hohes Budget verfügt und somit neben der sportlichen Perspektive auch einen netten finanziellen Bonus liefern kann."

Gall setzt sich ehrgeizige Ziele

Gall gab sich nach seinem zweiten Platz beim Giro d'Italia und seinem dritten Platz bei der Vuelta vorsichtig ambitioniert, was seine nächsten Ziele sein könnten. "Vor einem Jahr war das Ziel auf dem Podium bei einer Grand Tour zu stehen", sagte er auf der Pressekonferenz nach der Spanien-Rundfahrt.
"Das wirkte schon ziemlich ambitioniert. Wir haben geglaubt, dass es möglich ist, aber nur wenn alles wirklich gut läuft. Dieses Jahr habe ich einen weiteren Schritt gemacht, also wäre ein Sieg bei einer Grand Tour vielleicht der nächste logische Schritt, aber das ist ein sehr großer und man kann das nicht erzwingen", so der 28 Jahre alte Österreicher.
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Gall: "Ziel war ein Grand-Tour-Podium und jetzt sind es zwei"

Quelle: Eurosport

Gall weckte durch seine Auftritte beim Giro mit seinem auslaufenden Vertrag Begehrlichkeiten in der WorldTour. Dass er sich Lidl-Trek anschließt, dürfte auch mit Aussichten auf eine Kapitänsrolle bei der Tour de France zusammenhängen. Die war bei Decathlon mit dem kometenhaften Aufstieg von Paul Seixas, mit 19 neun Jahre jünger als Gall, vom Tisch.

Ciccone, Skjelmose, Ayuso - der große Wurf war (noch) nicht dabei

Auch bei der deutschen Equipe versammelt sich inzwischen eine ungewöhnlich breite Menge an Klassement-Fahrern - alle mit Ambitionen auf die Kapitänsrolle: Giulio Ciccone und Mattias Skjelmose sind die Arrivierten, die schon zu Trek-Segafredo-Zeiten im Team waren. Der Italiener konnte über drei Wochen bisher noch nicht vorne mitfahren. Skjelmose gewann die kleinere Tour de Suisse (2023), wurde Fünfter bei der Vuelta (2024) und Sechster bei der Tour (2026).
Zur aktuellen Saison wurde Juan Ayuso von UAE verpflichtet - eine große Investition, weil man ihn aus einem laufendem Vertrag bei der Equipe aus den Emiraten rauskaufte. Der Spanier ist mit erst 23 Jahren bereits hochdekoriert, stand 2022 mit gerade mal 20 Jahren als Dritter auf dem Podium der Vuelta, gewann einige einwöchige Rundfahrten - schaffte den großen Durchbruch bisher aber auch noch nicht.
Andere Jungstars wie Seixas und Ex-Teamkollege Isaac Del Toro liefen ihm ein wenig den Rang ab, bei der Tour 2026 landete er hinter Skjelmose auf Platz sieben. Die Lidl-Doppelspitze verbrachte eine recht anonyme Rundfahrt. Dieses Jahr stieß auch Derek Gee-West zum Team, er landete bei Grand Tours schon dreimal in den Top Ten. Den guten fünften Platz beim Giro konnte er bei der Tour de France nicht bestätigen (25.).
"Gall kommt jetzt in ein Team, in dem einige Fahrer von seinem Kaliber schon unterwegs sind", analysierte Voigt. "Auf Basis der Ergebnisse von diesem Jahr wäre es der logische Schluss, dass Felix sofort der Kapitän der Mannschaft sein sollte. Das wird Ayuso oder Skjelmose nicht gefallen, das wird interessant, wie das im kommenden Jahr aufgeteilt wird."

Dilemma in Zeiten der Überfahrer und Superteams

Die Auflistung zeigt das Dilemma: Im Team befinden sich viele starke Klassementfahrer, aber eben bislang keiner, der gezeigt hat, eine solche Rundfahrt gewinnen zu können.
In einer Welt mit Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard teilt Lidl-Trek diese Problematik mit fast allen Teams in der WorldTour.
Die einzige Möglichkeit ist, so viele Kandidaten aus der zweiten Rehe im Kader zu haben. Diesen Weg geht die deutsche Equipe - ebenso wie Red Bull-Bora-hansgrohe mit Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Decathlon verbleibt die Hoffnung auf Seixas (der allerdings heiß von den Top-Teams umworben wird).
Wenn alle Teile richtig fallen, ist ein Grand-Tour-Erfolg auch für diese Teams möglich. "Wenn alle fit bleiben, kann auch Lidl-Trek im kommenden Jahr eine große Rolle spielen", sagte Voigt. "Die Konkurrenz ist groß, es bleibt auf jeden Fall spannend. Lidl hat sich mehr Bergfahrerqualitäten in die Mannschaft geholt, aber sie müssen gegen die Superstars antreten. Einen Grand-Tour-Sieg für das Team halte ich für nicht sehr wahrscheinlich, ein Podium ist aber möglich."
Jüngst gab es aber eben doch ein Beispiel für einen überraschenden Grand-Tour-Erfolg: "Enric Mas war viermal auf dem Podium bevor er seine erste Grand Tour gewann", sagte Gall nach der Vuelta: "Es kann also eine Weile dauern, in dieser Position zu sein."
Der Triumph von Mas war nicht nur ein Sieg für ihn und den spanischen Radsport, sondern auch ein Hoffnungsschimmer für alle, die im Schatten der großen Dominatoren stehen.
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Die spanische Hymne erklingt bei der Heimrundfahrt für Mas

Quelle: Eurosport


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