Wie hoch pokert Jonas Vingegaard beim Giro d'Italia? Eurosport-Experte Rolf Aldag sieht "Mut zur Lücke" beim Visma-Star

Nachdem Jonas Vingegaard die Übernahme des Rosa Trikots im Einzelzeitfahren des Giro d'Italia verpasst und auf einige seiner direkten Kontrahenten sogar Zeit verloren hatte, war die Rede von einer enttäuschenden Vorstellung des dänischen Top-Favoriten. Eurosport-Experte Rolf Aldag sieht bei den bisherigen Leistungen des zweifachen Tour-Siegers aber noch eine andere Ursache.

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"Ich glaube übers Einzelzeitfahren werden sie nochmal nachdenken, was sie da anders machen können. Aber der Gesamteindruck ist, dass er nicht bei 110 Prozent ist, sondern den Giro eher mit 95 Prozent gewinnen will", meinte der 57-Jährige tags drauf im Live-Kommentar zur 11. Etappe.
Er erklärte: "Das macht vielleicht auch Sinn, wenn man wirklich sagt: Die Tour bleibt unser großes Ziel. Ich denke, sie glauben weiterhin daran, dass sie die Tour gewinnen können, und fahren hier beim Giro auch mit Mut zur Lücke, mit Mut zum Risiko und sagen: Wir sind bei 95 Prozent."
Tatsächlich hatte Vingegaard selbst im Januar erklärt, dass er sich vom Giro auch Leistungsaufbau in Richtung Tour de France erhoffe.
Das würde zu Aldags Einschätzung passen. "Ich hatte den großen Wunsch, den Giro zu fahren und wir glauben auch fest daran, dass ich sogar noch besser bei der Tour sein kann, wenn ich den Giro vorher gefahren bin", zitierte Eurosport-Partner radsport-news.com den Dänen damals.
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Giro der Traum, Tour das Ziel?

Das ganze fußte auf einer Leistungsanalyse der Vorsaison, als Vingegaard sowohl Tour als auch Vuelta fuhr.
"Und wir haben gesehen, dass ich zumindest nicht schlechter werde, sondern eher das Gegenteil. Auf der anderen Seite kann man anführen, dass ich bei der Vuelta beide Male (2023 & 2025, d. Red.) krank geworden bin. Trotzdem glaube ich aber, dass ich nach dem Giro bei der Tour de France stärker sein könnte", erklärte der Däne.
Für Vingegaard war es persönlich wichtig, die Italien-Rundfahrt in diesem Jahr anzugehen, weil sie ihm nach dem Vuelta-Sieg 2025 noch fehlt, um in den Klub der großen Fahrer aufzusteigen, die alle drei dreiwöchigen Landesrundfahrten gewonnen haben.

Schlechtes Zeitfahren? Wirklich?

Gleichzeitig ist aber für sein Team Visma-Lease a Bike wichtig, dass der Däne beim großen Saison-Highlight im Juli, der Tour de France, in Bestform am Start steht.
Wie bei Tadej Pogacars Double 2024 ist der Giro zwar das erste große Rundfahrtziel der Saison, gleichzeitig aber auch "nur" ein Meilenstein auf dem Weg zur Grande Boucle in Frankreich.
Vor diesem Hintergrund erscheint dann auch Vingegaards Zeitfahren von Massa, das nicht so stark war, wie einige erwartet hatten, nicht mehr ganz so schlecht - was es, im Vergleich zu anderen flachen Vingegaard-Einzelzeitfahren der letzten Jahre übrigens ohnehin nicht wahr.
Letztendlich ist Vingegaard nach zehn Etappen bei dieser Italien-Rundfahrt 27 Sekunden hinter dem Rosa Trikot von Überraschungs-Leader Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) immerhin Gesamtzweiter und liegt dank seiner souveränen Siege bei den beiden Bergankünften am Blockhaus und am Corno alla Scale voll auf Kurs Giro-Sieg - bereits mindestens 1:30 Minuten vor allen anderen Mitfavoriten.
Man könnte auch sagen: Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss - und nicht jedes Pferd muss, wie Pogacar 2024, dabei sechs Giro-Etappen gewinnen.
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Vingegaard mit Spezialanzug im Zeitfahren

Quelle: Eurosport


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