Jan Ullrich spricht bei Vorstellung seiner Doku offen über Lebenskrise: "Es ging um Leben und Tod"

Der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich hat anlässlich einer neuen Dokumentation offen über seine mittlerweile überstandene Lebenskrise gesprochen. "Vor fünf Jahren hatte ich meinen Riesen-Absturz, da ging es um Leben und Tod, ich habe fast alles verloren, fast auch mein Leben", sagte der ehemalige Rad-Star bei einer Veranstaltung von "Prime Video" am Donnerstag in München.

Jan Ullrich

Fotocredit: Imago

Im Bayerischen Hof wurde die Doku-Serie "Jan Ullrich - Der Gejagte", die ab dem 28. November bei dem Streaming-Anbieter zu sehen sein wird, erstmals in Auszügen vorgestellt.
Ullrich war 2018 schwer abgestürzt und hatte mehrfach mit Eskapaden für Negativschlagzeilen gesorgt. Mittlerweile hat sich der 49-Jährige stabilisiert und ist auch wieder regelmäßig auf dem Rad aktiv. Er habe sich "mit Hilfe von Freunden, von Fachleuten und natürlich von Familie da rausgekämpft", berichtete Ullrich.
Es sei wichtig gewesen, mit der Vergangenheit zurechtzukommen, erklärte der Ex-Profi: "Du musst dich stellen." Das sei am Anfang "wahnsinnig schwer" gewesen: "Es hat auch viele Tränen gegeben."
Er sei "wirklich offen und ehrlich mit allen umgegangen". Ullrich hofft, "dass die Zuschauer, die Fans, die Menschen, die das sehen, mich vielleicht ein bisschen besser kennenlernen" und sich "ein bisschen in mich reinversetzen können".

Ullrich: "Frieden mit der Vergangenheit geschlossen"

Mit der Dokumentation und der Verarbeitung seines Lebens gehe es ihm nun besser, sagte Ullrich: "Ich fühle mich viel leichter, ich habe den Rucksack für mich abwerfen können und habe Frieden mit meiner Vergangenheit geschlossen."
Angesprochen auf die relativ späte Auseinandersetzung mit den vergangenen Ereignissen, meinte Ullrich: "Weil ich jetzt erst bereit war. Der ausschlaggebende Grund war dieser Riesen-Absturz. Ich habe mich da mit letzter Kraft rausgekämpft", so der 49-Jährige.
"Dann habe ich mir gesagt: 'Du musst dein Leben jetzt komplett ändern. Nicht nur den Alkohol weglassen, nicht nur die Drogen weglassen... Sondern du musst mit deiner Vergangenheit zurechtkommen. Ich musste die erst einmal verarbeiten, zuvor habe ich alles verdrängt."
"Ich wollte es mit mir ausmachen und dachte ich bin stark genug", gab er einen tiefen Einblick in die damalige Zeit. "Ich hatte keine Gesprächspartner und konnte nie meine Vergangenheit ertragen. Das hat mich alle Jahre immer wieder mal eingeholt und dann sind mir große Fehler passiert."
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Jan Ullrich im Gelben Trikot der Tour de France 1997 in Paris

Fotocredit: Eurosport

Ullrich taucht in seine Vergangenheit ab

Schließlich habe Ullrich auch dank der Unterstützung einiger Freunde den Entschluss gefasst, sich richtig mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, jeden Stein in seiner Psyche umzudrehen. "Das habe ich dann getan. Am Anfang war es wahnsinnig schwer", so der Vuelta-Sieger von 1999.
"Vor zwei Jahren konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich einmal so darüber in der Öffentlichkeit reden kann. Aber ich habe mich von meinen Freunden überzeugen lassen, dass dies der beste Weg ist, um nicht wieder an jenen Punkt zu kommen, an dem mich die Vergangenheit einholt. Ich muss sie verarbeiten - und dann kam mein persönlicher Jakobsweg", erklärte er.
Dabei ging es darum, dass Ullrich "in die Vergangenheit abtaucht" und an Orte seiner Laufbahn zurückkehrt, "die wichtig waren. Wo ich große Rennen gewonnen, aber auch Fehler gemacht habe".
Sein Leben gleiche "einer Etappe zum Alpe d'Huez, einer Alpen-Etappe. Hoch und runter, immer in der Extreme. Um irgendwann im Leben auch glücklich zu bleiben und den Mittelweg zu finden, musste ich mit mir im Reinen sein."

Ullrich wollte "im Boden versinken"

Dann hat Ullrich den Punkt erreicht, an dem er über die zurückliegenden Geschehnisse sprechen konnte. "Als ich dann den Schritt gemacht habe, mich zu öffnen - ab dem Punkt ging es leichter. Es wurde immer einfacher und bin super froh darüber, dass ich es gemacht habe."
Die Arbeit an der Dokumentation sei eine Mischung aus Hochgefühlen und tiefen Abgründen gewesen. "Dann gibt es natürlich Emotionen hinsichtlich riesiger Fehler, wegen welcher ich mir gewünscht habe, dass der Boden aufgeht und ich darin versinke, weil ich mich so geschämt habe."
"Viele Tränen, schlaflose Nächte und Panikattacken" später blickt Ullrich nun auf einen emotionalen Ritt durch seine Vergangenheit. "Es war der einzige Weg - und es war der richtige Weg."
(mit SID)
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Highlights: Roglic macht in Groves' Schatten Boden gut

Quelle: Eurosport

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