Tour de France 2026: Drei Dinge, die auffielen - Jasper Philipsen feiert Sieg und Erlösung - Kampf um Grün wird brisant
VonJan Zesewitz
Update 22/07/2026 um 22:05 GMT+2 Uhr
Ruhigere Tage gibt es bei der Tour de France nicht. Die 17. Etappe von Chambery nach Voiron sollte ein Durchatmen vor der Alpen-Trilogie sein, die diese Frankreich-Rundfahrt endgültig entscheiden dürfte. Statt einer "einfachen" Übergangsetappe gab es einen weiteren Highspeed-Tag mit einem erbitterten Kampf um die Ausreißergruppe und vor allem um Punkte fürs Grüne Trikot. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Philipsen mit Befreiungsschlag in Voiron
Quelle: Eurosport
Einen glücklicheren - oder erleichterten - Sieger als Jasper Philipsen hätte es am Ende der 175 Kilometer langen Etappe kaum geben können. Die Tour de France lief bisher gar nicht nach dem Geschmack des belgischen Sprinters, nun konnte er sich rehabilitieren.
Der Weg zu diesem Sprint war ein beschwerlicher. Philipsen gewann keinen Massensprint aus dem Feld, sondern musste sich in einer riesigen Ausreißergruppe durchsetzen.
Zunächst hetzte er Mads Pedersen hinterher, der schon früher auf die Flucht gegangen war und auf den Etappensieg und die volle Punkteausbeute beim Zwischensprint schielte.
Am anderen Ende des Feldes erlebte vor allem Adam Yates einen schwarzen Tag. Erkrankt fiel er zur Mitte der Etappe aus dem Feld zurück und wurde immer weiter durchgereicht. Dank der Hilfe von seinem Teamkollegen Tim Wellens schaffte es der Pogacar-Helfer 26:36 Minuten nach Philipsen im Zeitlimit ins Ziel.
Drei Dinge, die auf der 17. Etappe auffielen:
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Philipsen schlägt erstmals zu! Belgier sprintet in Voiron zum Sieg
Quelle: Eurosport
1. Philipsen erlöst sich nach schweren Tagen
Jasper Philipsen ist ein Mann, der an sich selbst höchste Ansprüche anlegt. Entsprechend unzufrieden war er mit sich nach den ersten 16 Tagen dieser Tour. Fünfter, Fünfter, Vierter, Dritter und Dritter wurde er in den bisherigen Massensprints - zu wenig für einen der wenigen echten Sprint-Kapitäne, einen, der schon zehn Etappensiege bei der Frankreich-Rundfahrt eingefahren hat.
"Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle", sagte der Belgier im Sieger-Interview. "Ich musste bis zur 17. Etappe warten, obwohl ich sehr gut vorbereitet war und in der Form meines Lebens. Die ersten zwölf Tage waren einfach schrecklich. Ich habe mich selbst und mein Gefühl nicht gefunden, so wie ich es mir erhofft habe."
Sein Team Alpecin-PremierTech vertraute weiter auf seinen Sprinter - dabei ist es gleich in vielerlei Hinsicht praktisch, einen Superstar wie Mathieu van der Poel im Team zu haben. Sein Etappensieg auf der 9. Etappe in Ussel nahm Druck von Philipsen. Dazu ist der Niederländer einer der besten Sprint-Anfahrer der Welt und bildet mit seinem Teamkollegen ein eingespieltes Gespann.
In der XXL-Spitzengruppe trafen sich die beiden im Zielsprint dann perfekt - und Philipsen gewann mit mehr als einer Radlänge Vorsprung. "Diesen Sieg möchte ich dem Team widmen, das immer an mich geglaubt hat", sagte er. "Ich war enttäuscht von mir selbst, dass ich keinen Etappensieg holen konnte. Das Team musste mit meiner Wut umgehen und deshalb ist dieser Sieg für alle in der Mannschaft.”
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Philipsen widmet seinem Team den Sieg: "Haben immer an mich geglaubt"
Quelle: Eurosport
2. Pedersen kämpft um jeden Punkt - aber das Grüne Trikot ist längst nicht sicher
"Heute war ein richtiger Scheißtag", kommentierte kurz nach einem erleichterten Philipsen ein ebenso frustrierter Mads Pedersen in das Eurosport-Mikrofon. "Das sollte nicht passieren, und es ist sehr enttäuschend, so viele Punkte zu verlieren."
Freud und Leid liegen bei der Tour nah beieinander. Auch Pedersen und sein Lidl-Trek-Team investierten auf der 17. Etappe enorm viel - und wurden beim späten Zwischensprint nach 143 Kilometern zunächst belohnt. Der Däne führte eine sechsköpfige Ausreißergruppe als Erster über den Strich, der ihm 25 wichtige Punkte im Kampf um Grün einbrachte.
Dahinter rollte aber eine riesige Gruppe heran, mit dabei Sprinter wie Philipsen und Olav Kooij. Pedersen selbst stopfte den ganzen Tag Lücken zwischen einzelnen Fahrern, initiierte, arbeitete, kämpfte. Im Sprint ging ihm die Kraft aus - am Ende wurde es Platz neun. Und statt einen komfortablen Vorsprung vor den Alpen-Etappen in der Punktewertung zu haben, schmolz der Abstand auf sieben Pünktchen zu Philipsen.
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Pedersen büßt Punkte im Zielsprint ein: "Ein richtiger Scheißtag"
Quelle: Eurosport
"Vielleicht hätten wir die große Gruppe fahren lassen sollen, aber es hat auch danach ausgesehen, als ob Decathlon die Lücke zufahren würde für einen Sprint", analysierte Pedersen. "Ich habe die maximale Punkteanzahl am Zwischensprint geholt, die Gruppe wollte nicht zusammenarbeiten, und so war am Ende mein Sprint nicht gut genug. Jasper (Philipsen) war unglaublich stark. Alles in allem ist es ein sehr enttäuschender Tag."
Als besserer Bergfahrer im Duell um Grün hat der Däne noch immer die besseren Karten als sein belgischer Konkurrent, zum ersten Mal das Grüne Trikot nach Paris zu bringen. Philipsen wird mit seinem neugewonnenen Selbstvertrauen aber bis zur Champs-Elysees kämpfen, das kündigte der Etappensieger an. Und Pedersen hat noch mehr harte Arbeit vor sich.
3. Ein harter Tag für UAE
Plötzlich ging gar nichts mehr bei Adam Yates. Der Brite fiel entkräftet 68 Kilometer vor dem Ziel aus dem Hauptfeld zurück und schien die Pedale kaum im Kreis bewegen zu können. Für UAE Emirates-XRG ein erschreckendes Bild.
Yates ist für Tadej Pogacar und Isaac Del Toro der wichtigste Helfer im Hochgebirge, seine Fähigkeiten werden in den Alpen dringend benötigt. So sah man das ungewöhnliche Bild, dass einem Helfer geholfen wurde - Tim Wellens ließ sich zurückfallen und brachte den einstigen Tour-Dritten innerhalb der Karenzzeit ins Ziel.
Es war einer der wenigen Tage bei dieser Tour, die nicht komplett nach Plan für das Team aus den Emiraten lief. Die Equipe hat ein Auge auf die Mannschaftswertung geworfen - und auch da auf dieser Etappe eine herbe Pleite gegen Lidl-Trek einstecken müssen. Die Zeiten der drei besten Fahrer von jedem Team werden auf jedem Teilstück summiert. Lidl hatte drei Fahrer in der Spitzengruppe - UAE nur Nils Politt.
Über 17 Minuten büßten sie daher ein. Ärgerlich, auch wenn das Hauptziel Gelbes Trikot weiterhin gesichert scheint. Für einen Tag der Schwäche war diese Übergangsetappe sicherlich die beste Wahl - während der kommenden drei Teilstücke sollte sich das Team keine Ausfälle leisten. Im besten Fall kann auch Yates dann wieder seinen Anteil am Teamerfolg leisten.
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"Echt bitter": Pogacar-Helfer Yates mit großen Problemen
Quelle: Eurosport
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