Jérôme Chiotti geht UAE-Teamchef Mauro Gianetti nach umstrittenem Interview an: "Im eigenen Team zu allem fähig"
VonNiklas Bien
Update 31/07/2026 um 09:53 GMT+2 Uhr
Mauro Gianetti, Chef von Tadej Pogacars UAE Team Emirates-XRG, hat sich während der Tour de France zu den verschiedenen Dopingvorwürfen gegen sich als aktiver Fahrer und später als Verantwortlicher geäußert. Gerade bei letzterem wähnte sich der Schweizer im Gespräch mit der "L'Équipe" als "Opfer". Eine Sichtweise, die den ehemaligen Mountainbike- und Radprofi Jérôme Chiotti auf die Palme brachte.
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Quelle: Eurosport
"Habt ihr den Satz 'Ich war ein Opfer‘ aus seinem Interview gesehen?", leitete der Franzose seinen meinungsstarken Post auf Facebook ein: "Alle Sportdirektoren - und ich betone: ALLE - und alle Journalisten kennen die Wahrheit. Und doch wird nichts ans Licht kommen, weil 'es keine Beweise gibt.'"
Dieser "Dreckskerl", wie Chiotti den Radsportmanager nannte, habe es tatsächlich gewagt, sich als Opfer hinzustellen.
Das tat Gianetti im Gespräch mit der "L'Équipe", angesprochen auf die Dopingfälle der Topfahrer Riccardo Ricco, Leonardo Piepoli und Juan José Cobo aus dem Team Saunier Duval im Jahr 2008, das er von 2004 bis 2008 als Teamchef verantwortet hatte.
"Der Typ, der bei der Française des Jeux fast gestorben wäre und einen seiner Teamkollegen in den Tod gerissen hätte, ist in der Lage zu behaupten, dass er nie EPO genommen habe und nicht gewusst habe, dass seine Fahrer (die er selbst eingestellt hatte!!!) im höchst umstrittenen Team Saunier Duval gedopt waren", fuhr der 54-Jährige fort.
Gianetti "zu allem fähig"
Chiotti spielte neben den Ungereimtheiten im Team Saunier Duval auf die Tour de Romandie 1998 an, als der damalige Radprofi Gianetti plötzlich ins Krankenhaus gebracht werden musste und drei Tage im Koma lag.
Es wird vermutet, dass der plötzliche Zusammenbruch mit der riskanten Dopingsubstanz PFC zu tun hat. Allerdings: Gianetti wurde nie positiv getestet, nie verurteilt oder gesperrt.
Im Interview mit der L'Équipe wollte der Schweizer zu dieser "persönlichen Frage" keine Stellung nehmen.
"Wenn man in der Lage ist, so etwas einem Journalisten direkt ins Gesicht zu sagen, dann ist man innerhalb des eigenen Teams zu allem fähig", betonte Chiotti: "Man ist durchaus in der Lage, bei allem, was hinter den Kulissen vor sich geht, ein Auge zuzudrücken."
Große Zweifel an UAE Team Emirates-XRG
Chiotti hatte im Jahr 2000 selbst zugegeben, gedopt zu haben, und seinen Weltmeistertitel im Mountainbike von 1996 zurückgegeben.
Gianettis Interview verändert für den Franzosen auch den Blick auf dessen UAE Team Emirates-XRG.

Jérôme Chiotti war auf dem Mountainbike erfolgreich
Fotocredit: Getty Images
"Wenn ich zuvor zu 99 Prozent an dem medizinischen Programm von UAE gezweifelt habe, sind es nach diesem miserablen Interview nun 100 Prozent", sagte Chiotti: "Der Radsport wird das nicht überstehen, schon gar nicht mit einem Typen wie ihm an der Spitze des weltbesten Teams."
Auch an dieser Stelle gilt aber festzuhalten: Trotz zahlreicher Dopingkontrollen wurde bei Pogacar und seinen Teamkollegen kein Verstoß festgestellt.
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