John Degenkolb hofft auf Comeback zum Saisonende: "Steiniger Weg" nach komplizierten Brüchen von Flandern-Crash
VonFelix Mattis
Update 30/05/2025 um 10:09 GMT+2 Uhr
John Degenkolb befindet sich nach seinem schweren Sturz bei der Flandern-Rundfahrt, wo er sich Anfang April zahlreiche Knochen in seinem rechten Arm gebrochen hat, auf einem "langen, steinigen Weg" zurück ins Peloton. Das schilderte der 36-Jährige bei seinem Besuch bei Eurosport während des Giro d'Italia, wo er zu Gast im Velo Club war und auch mit der Online-Redaktion gesprochen hat.
Degenkolb: "Alles was kaputtgehen konnte, ist leider kaputtgegangen"
Quelle: Eurosport
"Das Traum-Szenario wäre, wenn ich soweit fit werde, dass ich am Ende der Saison wieder Radrennen fahren kann", sagte Degenkolb, der sich am 6. April sowohl im Handgelenk als auch im Unterarm und im Ellenbogen mehrere komplizierte Frakturen zugezogen hatte und sich auch das Schlüsselbein brach.
Ein Comeback zur Tour de France (05.-27. Juli live auf Eurosport und discovery+) ist ohnehin ausgeschlossen, aber auch die Vuelta a España (23. August - 14. September) scheint optimistisch. "Für meinen Kopf und meine Motivation schließe ich das aktuell noch nicht aus", meinte der Oberurseler zwar mit Blick auf die Spanien-Rundfahrt, fügte aber auch an:
"Ob es die Vuelta ist oder ein anderes Rennen, ist mir im Endeffekt völlig egal. Ich will einfach nochmal Rennen fahren, damit ich auf einem stabilen Niveau in den Winter komme und mich über den Winter auf die nächste Saison vorbereiten kann."
Das ganz große Ziel ist, 2026 bei den Frühjahrsklassikern für die große Liebe Paris-Roubaix wieder konkurrenzfähig zu sein. "Momentan geht es aber nur darum, dass die Hand im nächsten Frühjahr bereit ist, das Pavé auszuhalten. Das ist eine Mammutaufgabe."
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Lange Reha für Degenkolb: "Nach Karriere ist mein Leben nicht vorbei"
Quelle: Eurosport
Die Kopfsteinpflasterabschnitte von Roubaix stellen gerade die Unterarme und Hände der Radprofis auf eine besondere Probe. Doch nicht nur deshalb liegt der Fokus des 36-Jährigen, der vor zehn Jahren sowohl Mailand - Sanremo als auch Paris - Roubaix gewann, auf völliger Genesung, ohne etwas zu überstürzen.
"Ich bin 15 Jahre Radprofi gewesen und mit dem Tag, an dem ich meine Karriere beende, ist mein Leben ja nicht vorbei. Ich will weiter mit meinen Kindern klettern können und meine Zeit genießen. Deshalb ist die Priorität Nr. 1, dass die Hand wieder funktioniert und ich keine bleibenden Schäden davontrage", sagte Degenkolb Eurosport.de und erklärte, dass er auch 53 Tage nach dem Sturz längst noch nicht ins richtige Radtraining eingestiegen sei.
"Habe sofort gespürt: Im Unterarm ist etwas nicht richtig"
"Ich bin fünf Mal pro Woche im Rehabetrieb und mache dort viel Physiotherapie, viel Ergotherapie. Jede Woche werden die Einheiten länger, mittlerweile jeden Tag zwei bis drei, manchmal sogar vier Stunden", so Degenkolb im Velo Club von Eurosport, wo er auch seine ersten Gedanken nach dem Massencrash in Belgien wiedergab:
"Es war das erste Mal in 15 Jahren Profikarriere, dass ich mir bei einem Sturz im Rennen etwas gebrochen habe. Und ich habe sofort gespürt: Im Unterarm ist etwas nicht richtig, in der Schulter ist etwas nicht richtig. Man hat ja den inneren Instinkt als Rennfahrer, sofort aufzuspringen und sich nach seinem Fahrrad umzusehen, um weiterzufahren. Daran war diesmal überhaupt nicht zu denken."
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Degenkolb kämpft um Comeback: "Großes Ziel, wieder Rennen zu fahren"
Quelle: Eurosport
Auch wenn es Degenkolbs erste Knochenbrüche nach einem Rennunfall sind, hat er schon eine lange Verletzungspause hinter sich. Im Januar 2016 kollidierten er und seine Trainingsgruppe im Trainingslager im spanischen Calpe frontal mit einem Auto. Auch damals brach er sich den Arm und kämpfte monatelang mit den Folgen für seinen ebenfalls gebrochenen Daumen.
Die relativ glatte Unterarmfraktur von damals sei aber viel weniger kompliziert gewesen, als jetzt, betonte er. Trotzdem helfe die Erfahrung nun beim Bewältigen der mentalen Herausforderungen.
Zusammenarbeit mit selbem Physiotherapeuten wie 2016
"Ich weiß, dass es zum einen lange dauert, zum anderen aber auch nicht nur in eine Richtung geht und immer besser wird, sondern dass es auch mal zwei Tage schlechter sein kann. Damit umzugehen, da hilft mir das von damals. Man braucht Geduld, die richtige Einstellung und auch die richtigen Leute um sich herum, die einem Kraft und Unterstützung geben", so Degenkolb, der auch mit demselben Physiotherapeuten in Frankfurt zusammenarbeitet, wie 2016. "Wir beide kennen den gemeinsamen Weg und haben keine Angst, ihn nochmal zu gehen - auch wenn er noch sehr steinig wird."
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Degenkolb zum Denz-Etappensieg: "Mentale Glanzleistung"
Quelle: Eurosport
Am Ende dieses Weges soll wieder die Teilnahme an Paris - Roubaix stehen, das er 2015 gewann und das er sich zum zehnjährigen Jubiläum seines größten Sieges eine Woche nach seinem Flandern-Schock im Krankenhaus anschauen musste - mit seiner Familie bei ihm und unter Schmerzen. Das sei motivierend gewesen, sagte er: "Ich hatte mich mit der Situation schon abgefunden und mich mit Radsport auseinanderzusetzen, hilft mir."
Aufgeben kommt nicht infrage
Dort im Krankenhaus hätte Degenkolb auch sagen können: "Ich bin 36, ich habe eine Familie - ich höre hier und jetzt auf mit dem Radsport." Doch Degenkolb liebt seinen Beruf noch zu sehr. Aufzugeben, das kommt nicht infrage.
"Es ist für mich sehr motivierend, dass ich nie zu dem Punkt gekommen bin, dass ich gesagt habe: 'Ich glaub' das war's!' Sondern für mich ist das große Ziel, wieder in den Rennbetrieb zurückzukommen. Das ist mein großer Wunsch, mein großes Ziel. Nächstes Jahr bei Paris - Roubaix werde ich hoffentlich wieder am Start stehen - spätestens."
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