Lombardei-Rundfahrt: Remco Evenepoel wird "Bester vom Rest" - der neue Kampf um Platz zwei hinter Tadej Pogacar

Tadej Pogacar ließ zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel an seiner Überlegenheit. Zum vierten Mal in Folge gewann er die Lombardei-Rundfahrt. Wieder einmal konnte ihm bei seiner Attacke kein Kontrahent folgen, wieder fuhr er lange Zeit solo bis ins Ziel. Der Konkurrenz um Remco Evenepoel bleibt nur die Vormachtstellung des Weltmeisters anzuerkennen und mit dem selbst Erreichten zufrieden zu sein.

Evenepoel ohne Chance gegen Pogacar: Highlights von Il Lombardia

Quelle: Eurosport

"Es fühlt sich wie ein persönlicher Sieg an. Jeder kann sich erinnern, wie es das letzte Mal ausging, als ich von Bergamo nach Como gefahren bin", sagte Evenepoel im Ziel. Mit mehr als drei Minuten Rückstand auf Pogacar erreichte er Como - und wirkte dennoch glücklich.
Vor vier Jahren stürzte er an dieser Strecke schwer, diesmal stand er auf dem Podium. "Der Beste vom Rest zu sein fühlt sich sehr gut an. Ich bin sehr stolz und glücklich, heute Zweiter geworden zu sein", sagte Evenepoel, der im Ziel in den Armen seiner Freundin mit den Tränen rang - zum einen wegen der Erinnerung an den Sturz, zum anderen, weil seine lange Saison zu Ende ging.
Das Rennen selbst hielt für den Doppel-Olympiasieger wenige Überraschungen bereit: "Wir wussten, wie das Rennen heute verlaufen würde und was Pogacar geplant hatte. Der härteste Teil des Anstiegs kommt sechs Kilometer vor dem Gipfel, genau da hat er attackiert."
Evenepoel machte - wie alle anderen Top-Fahrer im Feld, keine Anstalten, dieser Attacke zu folgen. Und das, obwohl er sich als eindeutig zweitbester Fahrer des Tages erwies. "Ich bin einfach mein eigenes Tempo bis nach oben gefahren, um Abstand auf die anderen zu gewinnen und meinen Rückstand gering zu halten."

Pogacar in einer Liga für sich

Seine Begleiter Enric Mas und Lennert van Eetvelt konnte er abschütteln und vor allem in der Abfahrt des Colma de Sormano die Lücke vergrößern. Auch nach vorne wurde der Abstand allerdings kontinuierlich größer.
"Es war ein Zeitfahren bis ins Ziel und ich war ziemlich am Ende am letzten Anstieg. Jeder konnte heute wieder sehen, wer der beste Radfahrer derzeit ist. Ein verdienter Sieger", beschrieb Evenepoel die letzten Kilometer ins Ziel.
In den Aussagen des Belgiers steckte keine Frustration, dass er als bester Zeitfahrer der Welt drei Minuten in einem "eins gegen eins" gegen Pogacar verliert. Kein Groll, dass er in diesem Jahr den Slowenen nie schlagen konnte. Der 24-Jährige freute sich über Platz zwei und sagte, das sei das maximal für ihn erreichbare gewesen.
Die Lombardei-Rundfahrt bietet die letzte Gelegenheit, um eine verkorkste Saison zu retten, sie bietet einen Aussichtspunkt, von dem man auf das vergangene Radsportjahr zurückblicken kann. Giulio Ciccone rettete seine Saison mit dem dritten Platz auf diese Weise.
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Zwei zufriedene Fahrer: Remco Evenepoel und Tadej Pogacar auf dem Podium der Lombardei-Rundfahrt

Fotocredit: Getty Images

Kampfansage in Richtung des "Phänomens"

Die meisten Fahrer sind wohl auch deshalb zufrieden, weil sie die Saison hinter sich gebracht haben und gegen Pogacar ohnehin kein Kraut gewachsen war. Ciccone, van Eetvelt, Ion Izagirre - alle Fahrer in den Top Ten standen lächelnd und mit sich im Reinen vor den Eurosport-Mikrofnen.
Auch Evenepoel: "Ich habe heute eines meiner besten Resultate in Italien eingefahren, es ist ein wenig Pech, dass so ein großartiges Phänomen vor mir war, aber es gibt mir Selbstvertrauen für die Zukunft."
Der Belgier gab auch noch einen Ausblick auf die kommende Saison - und schien zumindest dann den Kampf mit dem "Phänomen" aufs Neue beginnen zu wollen. "Ich muss noch an meinen Kletterkünsten arbeiten. Das war bei der Tour, aber auch heute so, dass Tadej immer noch ein wenig besser ist als ich. Wir werden daran im Winter arbeiten. Im nächsten Jahr will ich um Podien bei den GrandTours, aber auch den berglastigen Klassikern kämpfen."
Für eine spannende Radsport-Saison 2025 wird Evenepoel hoffentlich um den Sieg und nicht nur um Podiumsplatzierungen kämpfen. Auch wenn der Gegner in einer eigenen Liga zu schweben scheint.
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Pogacar im Siegerinterview: "Wollte das 'mental game' gewinnen"

Quelle: Eurosport


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