Lüttich-Bastogne-Lüttich: Wählte Paul Seixas gegen Tadej Pogacar die falsche Taktik? Das sagt Experte Jens Voigt

Vierter Sieg im fünften Rennen 2026: Tadej Pogacar hat auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich wieder gezeigt, dass aktuell viel zusammenkommen muss, um ihn zu schlagen. Komplett chancenlos war die Konkurrenz diesmal aber nicht. Paul Seixas lieferte dem Weltmeister einen aufopferungsvollen Kampf, Remco Evenepoel witterte bereits früh seine Chance. Wäre für die beiden sogar noch mehr drin gewesen?

Highlights: Seixas liefert Dominator Pogacar einen harten Fight

Quelle: Eurosport

Es war das Duell, auf das die Radsport-Welt seit Wochen hingefiebert hatte: Tadej Pogacar, der Weltmeister, der zwölfmalige Monument-Sieger gegen Supertalent Paul Seixas, der mit Gala-Vorstellungen im Baskenland und beim Flèche Wallonne die Hoffnungen der französischen Radsport-Fans auf die ganz großen Siege geschürt hatte.
Und tatsächlich schaffte es der 19-Jährige an der Redoute an Pogacars Hinterrad zu bleiben. Anders als bei der Strade Bianche Anfang März, als er bereits 79 Kilometer vor dem Ziel hatte abreißen lassen müssen.
Auf dem Weg Richtung Lüttich baute das Duo den Vorsprung auf die Verfolger sogar noch weiter aus. Auch, weil Seixas keine Sekunde daran dachte, Pogacar alleine im Wind arbeiten zu lassen, um Kraft zu sparen, sondern sich gleichberechtigt an der Führungsarbeit beteiligte. Ein taktischer Fehler?
"Nein", meint Eurosport-Experte Jens Voigt: "Seixas ist 19 Jahre alt, das war seine erste Teilnahme bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. Er hat sich wahrscheinlich gedacht, ich werde lieber sicher Zweiter, anstatt Pogacar zu sagen: 'Ich fahre nicht mit dir'. Dann attackiert er dich, bis du abgehängt bist oder hört selbst auf zu fahren. Und dann werden sie vielleicht wieder eingeholt und es kann sein, dass sie Neunter und Zwölfter werden. Deshalb hat er sich gesagt: 'Ich fahre mit, zeige Anstand und Charakter – und am Ende schauen wir, wie weit mich das bringt.'"
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Pogacar kann Seixas nicht abschütteln - Evenepoel hat Probleme

Quelle: Eurosport

Seixas geht bis ans Limit

Den Sieg brachte ihm diese Taktik zwar nicht ein – Pogacar zog an der Côte de la Roche-aux-Faucons doch noch davon und triumphierte zum insgesamt vierten Mal in Lüttich – über den zweiten Platz und damit das erste Podium bei einem Monument durfte der junge Ausnahmeathlet aber jubeln. Am Ende rollte Seixas 45 Sekunden nach dem Weltmeister über die Ziellinie.
"Ich trete immer an, um Rennen zu gewinnen. Aber wir wissen alle, wie dominant Tadej in den vergangenen Jahren war", sagte Seixas auf der Pressekonferenz nach dem Rennen: "Dass ich ihm heute folgen konnte, ist schon ein Erfolg."
Seixas gestand, bereits nach der Redoute, die das Duo in neuer Rekordzeit bezwang, am Limit gewesen zu sein: "Ich war völlig erschöpft."
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"Jetzt geht die Lücke auf": Pogacar lässt Seixas stehen

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Seixas will "keine Spielchen spielen"

Eine Taktik am Hinterrad des Weltmeisters kam für den Decathlon-Profi trotzdem nicht infrage. "Ich wollte keine Spielchen spielen und riskieren, ihn zu nerven, sodass die anderen wieder rankommen. Es war einfach die Power, die am Ende gefehlt hat."
Erfolgreicher war van der Poel bei der Ronde mit seiner Herangehensweise übrigens auch nicht. Auch der Niederländer wurde von Pogacar am Oude Kwaremont abgestellt und am Ende "nur" Zweiter.
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Pogacar nach Sieg: "Hatte Sprint mit Seixas schon im Hinterkopf"

Quelle: Eurosport

Evenepoel kann unverhoffte Chance nicht nutzen

Remco Evenepoel, der sich nach seinem Triumph beim Amstel Gold Race ebenfalls Chancen auf den Sieg ausgerechnet hatte, konnte dem Duo bereits an der Redoute nicht mehr folgen, sicherte sich im Sprint der Verfolger aber immerhin noch den letzten verbliebenen Platz auf dem Podium.
Dabei hatte das Rennen aus seiner Sicht so vielversprechend begonnen. Durch einen Sturz begünstigt hatte sich eine über 50 Fahrer starke Gruppe direkt nach dem Start vom Feld lösen und einen Vorsprung von über vier Minuten herausfahren können.
Überraschend Teil der Ausreißer: Mitfavorit Evenepoel. Eine unerwartete Chance, die der Belgier jedoch nicht zu seinen Gunsten nutzen konnte, was allerdings nicht unbedingt an ihm lag.
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82 km vor dem Ziel: Peloton holt letzten Ausreißer ein

Quelle: Eurosport

"Die Rennsituation gab es nicht her", analysiert Voigt im Interview mit Eurosport.de: "Er hatte mit Nico Denz einen sehr starken, loyalen Fahrer dabei. Aber auch der kann nicht 50 Leute über 200 Kilometer ins Ziel schleppen. Mit Egan Bernal war zwar ein weiterer starker Fahrer in der Gruppe, aber der hatte als Teamkollege auch nur Laurens De Plus dabei. Diejenigen, die also verzweifelt versucht haben, die Gruppe ins Laufen zu bringen, waren numerisch in der Unterzahl."
Die Folge: Uneinigkeit. Spätestens als Denz am Col de Haussire 130 Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen musste, fiel die Gruppe auseinander. 94 Kilometer vor dem Ziel wurden die letzten Ausreißer vom Feld eingesammelt.
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Highlights: Vollering lässt an der Redoute alle Rivalinnen stehen

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