Mailand - Sanremo: Tadej Pogacars monumentaler Abschied, Tom Pidcocks folgenreicher Fehler - Drei Dinge, die auffielen

Tadej Pogacar ist seinem großen Ziel, alle Monumente des Radsports zu gewinnen, einen riesigen Schritt näher gekommen: Der Slowene knackte mit dem Erfolg bei Mailand - Sanremo die härteste Nuss - und das in spektakulärer Manier. Im längsten Rennen des Jahres entschied eine halbe Radlänge über den Sieg nach 298 Kilometern voller Spektakel - drei Dinge, die beim Klassiker in Italien auffielen.

Highlights: Spektakuläre Show der Stars & Stürze in Serie

Quelle: Eurosport

Ein spannendes Finale bei Mailand - Sanremo 2026 schien vorprogrammiert, schließlich hatten die Topfavoriten Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel ihre absolute Topform im Vorfeld eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch dass die letzte der am Ende über sechseinhalb Rennstunden so ablaufen würde, wie sie es tat, hatte niemand erwartet.
Dass es kein Rennen wie jedes andere gewesen war, konnte jeder im Ziel sofort erkennen: In seinem zerfetzten Rennanzug zeigte Pogacar jede Menge Haut, die Regenbogenstreifen des Weltmeisters waren auf seiner linken Seite von einem Grauschleier überzogen, Zeichen des Highspeed-Sturzes in Imperia. Trotzdem siegte der 27-Jährige im sechsten Anlauf auf der Via Roma und schrieb damit Geschichte,
Drei Dinge, die bei Mailand - Sanremo auffielen:

1. Pogacars monumentaler Abschied

Tadej Pogacar liebt Herausforderungen, gerade deshalb schlägt er sich überhaupt mit einem Rennen wie Mailand - Sanremo herum. Denn der italienische Klassiker ist für Fahrer wie ihn eigentlich viel zu leicht, die Anstiege zu wenig herausfordernd, um Top-Sprinter und reine Klassiker-Spezialisten abzuhängen. Anwärter auf den Tour-Sieg wie er haben in den letzten Jahrzehnten bis auf Vincenzo Nibali 2018 keine Rolle bei der "Primavera" gespielt.
Ein Sieg wäre deshalb in jedem Fall höchst außergewöhnlich gewesen - doch die Manier, in der er Pogacar bei dieser 117. Auflage gelang, war noch viel spektakulärer als erwartet. Sich nach dem Sturz zurück ans Feld zu kämpfen war angesichts der Klasse seiner Teamkollegen noch zu erwarten gewesen, aber dass der Vorjahres-Dritte dann die Cipressa in neuer Rekordzeit hinaufjagte, eher weniger. Pogacar reduzierte mit seinen Attacken die Konkurrenz auf erst zwei, dann einen Fahrer - und hielt hinunter vom Poggio auch Pidcock, den wohl besten Abfahrer des Feldes, in Schach. Im Sprint musste er noch einmal an seine Grenzen gehen, dann war es geschafft.
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Kurz vor der Cipressa! Sturz-Schock um Pogacar

Quelle: Eurosport

Gerade weil in einem nicht für ihn gemachten Rennen fast alles gegen ihn lief, war sein Erfolg so herausragend. Von diesem Coup wird man noch lange sprechen, wenn viele andere seiner Siege lange vergessen sind. Aber auch, weil sein erster auch sein letzter Triumph in Sanremo gewesen sein wird.
"Von nun an werde ich das Rennen vielleicht am TV oder vom Straßenrand verfolgen", erklärte der UAE-Kapitän bei der Pressekonferenz in Sanremo. Zu groß seien die Risiken, welche die Vorbereitung auf die Classicissima erfordere: "Ich habe hier so oft trainiert und jedes Mal setzt man sein Leben aufs Spiel, denn der Verkehr auf den italienischen Straßen ist manchmal etwas kriminell", erinnerte er sich an die vielen Kilometer auf der in der Vorbereitung nicht wie am Renntag abgesperrter Strecke. "Es ist eine große Erleichterung, endlich gewonnen zu haben", gestand Pogacar.
Der Blick geht nun zum letzten ihm noch fehlenden Monument, Paris - Roubaix: Dort drohen die Gefahren im Rennen, wie er im Vorjahr bei seinem Sturz erlebte, ansonsten sind die gepflasterten Feldwege Nordfrankreichs meist völlig verlassen.
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Nur Minuten nach dem Sturz: Pogacar attackiert an der Cipressa

Quelle: Eurosport

2. Pidcocks folgenschweres Zögern

Ein lachender Dritter? Im Duell Pogacar gegen van der Poel? Kaum ein Fan oder Experte wagte vor dem Start daran zu glauben. Und noch Wenigere dachten dabei an Tom Pidcock. Als einziger Fahrer aus dem erweiterten Favoritenkreis war er noch am Mittwoch bei Mailand - Turin in den Rennsattel gestiegen und hatte dort dann auch souverän triumphiert.
Doch dass ausgerechnet der Brite bis auf die Ziellinie mit Pogacar mithalten konnte, war eine große Überraschung - und es wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Denn den greifbar nahen, nur um eine Radlänge entfernten Sieg, vergab der zweifache Mountainbike-Olympiasieger im Bruchteil einer Sekunde.
Eurosport-Experte Philippe Gilbert, seinerseits mehrfacher Monumente-Sieger, analysierte nach dem Rennen die Sprintentscheidung und erkannte bei Pidcock ein folgenschweres Zögern auf der Zielgeraden: Der 26-Jährige war ideal am Hinterrad von Pogacar platziert, doch er wartete mit seinem Antritt einen Moment zu lange und entschied sich dann nicht für die aus seiner Sicht rechte, windgeschützte Seite, sondern versuchte links vorbeizuziehen. "Wenn er in genau diesem Augenblick lossprintet, hat er die Chance, zu gewinnen", ist Gilbert überzeugt.
Auch Pidcock selbst ließ im Ziel durchblicken, dass mehr möglich gewesen wäre. Statt Begeisterung über einen unerwarteten Podestplatz sprach er von "gemischten Gefühlen", die er nun in den nächsten Tagen erst einmal ordnen müsse. Nach 298 Kilometern um weniger als einen halben Meter verloren zu haben dürfte den extrem siegeshungrigen Allrounder noch lange umtreiben.
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Um eine halbe Radlänge! Pogacar siegt im Sprint-Krimi gegen Pidcock

Quelle: Eurosport

3. Van Aert der heimliche Sieger

Der Sturz, die Aufholjagd und der Triumph von Tadej Pogacar waren völlig zu Recht die große Geschichte dieser Auflage des Klassikers. Doch fast unbemerkt davon kürte sich Wout van Aert abseits der Kameras zum heimlichen Sieger des Rennens.
Denn der Belgier war vom Sturz in Imperia noch übler betroffen als Pogacar. Zwar ließ der Visma-Kapitän weniger Haut auf der Straße, doch er verlor weitaus mehr Zeit: Fast eine Minute musste er auf eine neue Rennmaschine warten, bevor er mit seinen Teamkollegen die Jagd aufnehmen konnte. Sein Rennen schien gelaufen, die sowieso nur geringen Chancen des einstigen Sanremo-Siegers dahin.
Zumal seine Form nach Knöchelbruch im Januar und Krankheit im Februar ihn nicht wie sonst zum Mitfavoriten gemacht hatte. Doch der Belgier zeigte Kampfgeist und fightete sich nicht nur zurück in die Verfolgergruppe, sondern attackiert auf den letzten zwei Kilometern nochmals. Belohnt wurde das mit seinem nun dritten dritten Platz in Sanremo.
"Es fühlt sich nie wie ein Sieg an, wenn man Dritter wird", machte van Aert klar, doch er war stolz auf seinen Auftritt: Niemand absolvierte die letzten 35 Kilometer schneller als er. Rechtzeitig für seine größten Saisonziele, die Monumente in Flandern und Roubaix, stimmt die Form endlich. Der 31-Jährige ist voller Tatendrang: "Zum Glück kommen die nächsten Rennen bald!"
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Van Aert mit Mega-Comeback nach Sturz: Vollgas bis aufs Podium

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Milano - Sanremo Donne: Die Highlights des Frauen-Rennens

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