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Niedriger Cortisol-Wert bei Björn Thurau: Team führt Entzündung als Grund an
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Publiziert 13/06/2016 um 13:09 GMT+2 Uhr
Björn Thurau war auffällig gefahren beim Critérium du Dauphiné. Der Frankfurter hatte sich bei einem der großen Härtetests für die Tour de France mehrfach in Spitzengruppen gezeigt, war letztlich aber immer wieder eingefangen worden. "Ich glaube, wenn ich irgendwann mal einen Ausreißversuch erfolgreich beenden will, muss ich es bis zu meiner Rente versuchen", schrieb er dazu bei Twitter.
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Zum Schlussabschnitt am Sonntag durfte der 27-Jährige dann nicht mehr antreten. Der Sohn des deutschen Ex-Stars Dietrich Thurau und sein italienischer Mannschaftskollege Enrico Gasparotto (34) waren nach freiwilligen Tests der Team-Vereinigung MPCC aus dem Rennen genommen und mit einer Schutzsperre von mindestens acht Tagen belegt worden. Der Grund: ein zu niedriger Cortisol-Wert.
Thuraus belgische Equipe Wanty-Groupe Gobert, für die er seit Jahresbeginn fährt, begründete den Wert mit der ärztlichen Behandlung einer Entzündung. "Es könnte bei Thurau eine Knieverletzung sein", sagte Wanty-Sportdirektor Hilaire Van der Schueren der belgischen Zeitung Het Nieuwsblad.
Niedrige Cortisol-Werte bedeuten nicht zwangsläufig einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Vorschriften. Sie können auch eine Folge von Ermüdung, Krankheit, einer Infektion oder Verletzung sein. Die selbst auferlegten Regeln der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) sind diesbezüglich strenger als die des Weltverbandes UCI oder der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. Offiziell sanktioniert wird aber nur auf Basis dieser Kodizes.
Auch die Schutzsperre ist also ein freiwilliger Bann, dem sich Thuraus Team theoretisch hätte widersetzen können - so wie vor knapp einem Jahr das Team Astana. Kurz vor der Tour de France 2015 hatte der Niederländer Lars Boom aus der kasachischen Equipe einen zu niedrigen Cortisol-Wert aufgewiesen, er machte ein Asthmamittel dafür verantwortlich. Nach MPCC-Regeln hätte Boom nicht bei der Tour starten dürfen, Astana verweigerte sich dem jedoch. Im September 2015 wurde die nicht gerade bestens beleumundete Mannschaft von der Vereinigung ausgeschlossen.
Die MPCC hat allerdings seit geraumer Zeit einen schweren Stand innerhalb des Radsports. Nur noch 38 Prozent der World-Tour-Teams gehören ihr laut eigener Homepage aktuell an, dazu 73 Prozent der Mannschaften aus der zweithöchsten Kategorie, zu der auch Wanty-Groupe Gobert zählt, sowie weitere kleinere Teams und auch nationale Verbände.
Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) etwa trat erst im November 2015 bei und führte den Astana-Ausschluss als Grund hierfür an. "Die MPCC hat damit gezeigt, dass sie auch in der Praxis konsequent handelt. Unser Ziel, das Eintreten für einen sauberen Radsport, deckt sich seit langem", hatte BDR-Generalsekretär Martin Wolf damals betont. Auch Wanty, das im Frühjahr durch den Unfalltod ihres Fahrers Antoine Demoitié hart getroffen wurde, drückte im Lichte der beiden Vorfälle seine Loyalität mit der MPCC deutlich aus.
Thurau und Amstel-Gold-Race-Sieger Gasparotto werden in den kommenden Tagen ärztlich überwacht. Sobald ihre Cortisol-Werte im Normbereich liegen, dürfen sie wieder an den Start gehen. Bei der Tour jedoch nicht - für die Große Schleife erhielt Thuraus Rennstall keine Einladung.
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