Olympia 2024 in Paris: Erfüllt sich Stefan Küng seinen Medaillenwunsch? "Zu 120 Prozent bereit" für Einzelzeitfahren

Um 17:17 Uhr ist es für Stefan Küng so weit: Dann rollt die Schweizer Zeitfahr-Hoffnung bei den Olympischen Spielen in Paris von der Startrampe. Seit Jahren gehört der Routinier zu den Besten seiner Paradedisziplin, der ganz große Erfolg allerdings blieb dem Groupama-FDJ-Profi bislang verwehrt. Nun will Küng endlich eine Olympia-Medaille ergattern - weiß dabei aber mit dem großen Druck umzugehen.

Stefan Küng hat eine Olympia-Medaille im Visier

Fotocredit: Getty Images

"Ich bin jetzt 30 und habe privat und als Sportler schon viel erlebt. Das gibt mir eine gewisse Gelassenheit", sagte der Radsportler im "Blick"-Interview: "Ich kann, muss aber keine Medaille gewinnen. Sicher ist, dass ich alles geben werde - ich bin zu 120 Prozent bereit."
Wie sein Namensvetter Stefan Bissegger hat Küng durchaus Chancen, für die Eidgenossen aufs Podium zu fahren. Wenngleich beide nicht als absolute Top-Favoriten in Paris gehandelt werden.
Als Maß aller Dinge nämlich gelten für die meisten Beobachter drei andere: Europameister Joshua Tarling (Großbritannien), der zweimalige Weltmeister Filippo Ganna (Italien) sowie der amtierende Träger des Regenbogentrikots, Remco Evenepoel (Belgien).
"Ich habe alle schon geschlagen", hebt Küng zwar hervor. Doch bei den ganz großen Rennen, das weiß auch her, reichte es bislang nicht für ganz oben.

Küngs Pechsträhne

Auch deshalb ist Küngs Motivation riesig. Die Vorbereitung auf Olympia aber ließ zu wünschen übrig.
"Vor der Tour de Suisse wurde ich krank. Bei der Tour de France musste ich aussteigen und war krank", sagte Küng. Sogar mit seiner knapp 28.000 Euro teuren Zeitfahrmaschine hakte es auf der siebten Etappe der Frankreich-Rundfahrt: Bei der ersten Zwischenzeit noch klar schnellster Fahrer, sprang dem Schweizer später die Kette runter. Der mögliche Etappensieg? Passé.
 "Ganz ehrlich, ich hadere schon etwas", betonte Küng mit Blick auf die vergangenen Wochen: "Aber wer weiß, vielleicht habe ich nun weniger Druck und alles geht auf."
Sollte Küng jedoch nicht wie erhofft zu seiner Form rechtzeitig zurückfinden, könnte sich Paris 2024 in seine bisherige olympische Pechsträhne einreihen.

Vier Zehntelsekunden fehlen

Sowohl für Rio de Janeiro 2016 als auch in Tokio 2021 verlief nämlich nichts nach Plan für Küng.
"Kurz vor Rio hatte ich bei der Schweizer Zeitfahrmeisterschaft die Chance, Fabian Cancellara zu schlagen - er war immer mein Vorbild, und es war klar, dass er bald zurücktreten würde", erinnert sich Küng.
Also habe er Vollgas gegeben und alles riskiert - mit Folgen. "Prompt brach ich mir das Schlüsselbein und das Becken", berichtet der 30-Jährige: "Die Konsequenz war, dass ich bei meiner Mutter auf dem Sofa lag, statt mit dem Bahnvierer um Edelmetall zu kämpfen."
Fünf Jahre später, bei den coronabedingt verschobenen Spielen in Tokio, war Küng dann immerhin mittendrin im Geschehen. Im Zeitfahren aber fehlten ihm vier Zehntelsekunden auf Bronze.

Kritik am reduzierten Starterfeld

Nun, in Paris, startet Küng zwei weitere Anläufe auf die Medaillen. Denn auch im Straßenrennen ist er mit von der Partie.
Dass das Männer-Fahrerfeld dabei auf 90 Teilnehmer reduziert wurde, hält Küng allerdings nicht zwingend für einen Vorteil. "Das ist einfach schade, weil der Wettkampf nicht mehr repräsentativ für unseren Sport ist", kritisiert er vielmehr.
Einerseits, weil "circa 20 bis 30 Fahrer kein World-Tour-Niveau haben" dürften. Und andererseits, weil den Teams viele Helfer fehlen würden, so Küng, "die sonst dafür sorgen, dass nicht Glück oder Pech darüber entscheidet, wer am Ende gewinnt".
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Evenepoel nach Zeitfahren in Tränen: "Verstehe ich auch nicht ganz"

Quelle: Eurosport


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