DOSB-Präsident Alfons Hörmann war "weiterhin davon überzeugt, dass seine öffentliche Entschuldigung für die von ihm getätigte rassistische Äußerung aufrichtig ist".
Mit seiner "Entgleisung" habe "Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen. Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar", sagte Hörmann.
Die Entscheidung sei nach einem Gespräch im Kreise der gesamten Delegationsleitung und Moster am Donnerstagvormittag getroffen worden, wie Hörmann bei einer Medienrunde am olympischen Dorf erklärte. "Entscheidungen von der Tragweite trifft man nicht einfach mal schnell und einfach aus der ersten Emotion. Da gilt's zumindest nach unserem Verständnis, die notwendige Ruhe und Professionalität an den Tag zu legen", sagte Hörmann.
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Kritik, die Entscheidung sei zu spät getroffen worden, nahm der 60-Jährige zur Kenntnis. "Ich denke, die Entscheidung am heutigen Tag ist genauso klar, wichtig und richtig, wie sie es gestern Abend gewesen wäre", sagte Hörmann.

"Kameltreiber"-Entgleisung: DOSB-Präsident Hörmann bezieht Stellung

IOC übt Druck auf DOSB aus

Nun aber verließ Moster Japan am Donnerstag. Vorausgegangen war ein brisanter Austausch zwischen IOC und DOSB. Man habe am Donnerstagmorgen schriftlich den Kontakt zur deutschen Delegation aufgenommen, sagte ein IOC-Sprecher dem "SID". Dabei sei um die Klärung des Sachverhalts bis zum Nachmittag gebeten worden. Abhängig von der Antwort sei das Einsetzen einer Disziplinarkommission in Erwägung gezogen worden.
Man sei aufgrund der Zusammenarbeit über die vergangenen Tage, Wochen oder zum Teil Monate und Jahre zudem davon überzeugt, dass Moster "alles andere als ein Rassist ist. Diese Form einer rassistischen Formulierung, aus unserem Verständnis Entgleisung, ist eben nicht akzeptabel und widerspricht den Werten des olympischen Geistes und dem, was wir im Team D leben. Deshalb kam es heute zu dieser klaren Weichenstellung", sagte Hörmann.

UCI spricht Suspendierung aus

Mittlerweile hat auch der Weltradsportverband UCI auf die rassistischen Äußerungen Mosters reagiert. Wie die UCI in einem Statement mitteilte, ist der Funktionär bis auf weiteres suspendiert.
Die Äußerungen von Moster stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung des Artikels 12.4.017 der Regularien dar.
Rudolf Scharping, Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR), hatte eine derartige Konsequenz bereits im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk" erwartet: "Ich kann mir vorstellen, darüber haben wir auch mit der UCI gesprochen, dass es eine gewisse Zeit der Suspendierung geben kann, was internationale Sportereignisse angeht."

Exklusiv: DOSB-Präsident Hörmann erklärt Maßnahme gegen Moster

Moster am Donnerstag vorzeitig nach Hause zu schicken, nannte Scharping eine "gute Entscheidung seitens des DOSB". Der BDR-Präsident nahm Moster aber auch in Schutz, dieser sei ein leistungsstarker Sportdirektor beim BDR und ein Mensch, der sich niemals fremdenfeindlich oder rassistisch geäußert habe.
Mosters verbale Entgleisung sei "völlig inakzeptabel, aber man muss sie auch im Kontext bewerten sowohl des Menschen, seines Lebensweges als auch der Umstände, die in Tokio ganz besondere waren", sagte der ehemalige Verteidigungsminister.

Vorfall ereignete sich beim Einzelzeitfahren

Moster hatte während des Zeitfahrens am Mittwoch den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten "hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm" angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen.
Für Moster hat der Skandal möglicherweise weitere Folgen. Der BDR kündigte "sehr zeitnah" ein Gespräch über die "inakzeptablen Äußerungen" an. Auch die Politik hat sich eingeschaltet. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag, forderte Konsequenzen. Dass Moster aus Steuermitteln finanziert werde, sei "nach dem rassistischen Ausfall nicht länger akzeptabel", schrieb die SPD-Politikerin bei Twitter.

Rassistische Entgleisung von Sportdirektor Moster: "Hol die Kameltreiber!"

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