Maximilian Schachmann: Sieg bei Paris - Nizza ist ein "richtig großer Schritt"

Unter dem Eindruck der Corona-Krise hat der deutsche Straßenradmeister Maximilian Schachmann die Fernfahrt Paris-Nizza gewonnen. Für den 26-Jährigen war der Sieg ein Durchbruch auf dem Weg zum Rundfahrtspezialisten. Denn trotz der Krise und der Absage der letzten Etappe war das "Rennen zur Sonne" topbesetzt und hat einen hohen Stellenwert. Ein Weg wie bei Emanuel Buchmann scheint möglich.

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Mitten in der Nacht fiel Maximilian Schachmann erschöpft ins Bett. Erst hatte sich der 26-Jährige mit einem Löwenherz den Start-Ziel-Sieg bei Paris-Nizza erkämpft, dann folgte der körperlichen Strapaze eine zehnstündige Autofahrt in seine Wahlheimat am Bodensee. "Einfach nur grandios", fand der geschaffte Berliner im "SID"-Gespräch seinen bisher wichtigsten Karriere-Erfolg gleichwohl, "das war für mich ein richtig großer Schritt."
Der Radprofi aus dem Team Bora-hansgrohe lag im Ziel vollkommen ausgepumpt auf dem Asphalt, nachdem im 16-km-Anstieg nach Valdeblore La Colmiane alle Attacken der Konkurrenz erfolgreich pariert und 18 Sekunden Vorsprung auf den Belgier Tiesj Benoot (Sunweb) übrig geblieben waren. Auf der Schmerzskala seien die finalen Anstrengungen "eine glatte Zehn" gewesen, erzählte Schachmann, "die Beine machen zu, die Muskeln machen zu, es tut weh und nochmal weh."

Erster deutscher Sieger seit Tony Martin

Doch Schachmann stand die Prüfung durch und holte diesen prestigeträchtigen Erfolg beim um einen Tag verkürzten "Rennen zur Sonne" als fünfter Deutscher und erster seit Tony Martin im Jahr 2011. Für ihn war es die Bestätigung, dass seine Rundfahrtambitionen keine unerfüllbaren Träumereien sind und ein Weg wie der von Emanuel Buchmann denkbar ist. "Max hat eine wahnsinnig tolle Woche hinter sich", sagte Bora-Teamchef Ralph Denk dem "SID".
Über diesen sportlich eindrucksvollen Tagen lag freilich der Corona-Schatten. Als überall auf der Welt die Wettkämpfe fast im Minutentakt abgesagt wurden, als auch Frankreich die Maßnahmen stetig verschärfte, strampelte das Peloton noch trotzig Richtung Cote d'Azur. Wie Schachmann das fand? "Andere haben deutlich früher reagiert. Wir aber fahren fröhlich durch Frankreich, das war schon außergewöhnlich. Verantwortungsbewusst war dieses Handeln nicht."

Erstmal kein Kontakt mit älteren Nachbarn

Auch blieb nicht nachvollziehbar, weshalb nach dem Zeitfahren am Mittwoch kein klarer Schnitt erfolgte. "Es stellte sich schon die Frage: Worum geht's hier eigentlich? Warum sind wir noch gefahren? Am Berg standen auch genug Leute", sagte Schachmann, der nun in seiner Schweizer Wahlheimat für sich Konsequenzen zieht: "Ich habe über mir Nachbarn, das sind ältere Leute und denen werde ich jetzt erstmal sagen: bleibt lieber fern."

Schachmanns Ziel bleibt Olympia

So beginnt mit dem großen Sieg für Schachmann die große Ungewissheit - auch der Radsport verharrt vorerst im Stillstand. "Man weiß nicht, was kommt", sagte der Bora-Profi, der ursprünglich als nächstes die Ardennen-Klassiker Ende April und den Giro d'Italia im Mai auf der Agenda hatte. Sein großes Ziel ist Olympia in Tokio: "Ich hatte eine superstressige Woche und gar keine Zeit für irgendwelche Gedanken. Vielleicht ist das in ein paar Tagen anders."
Schachmann wird einstweilen versuchen, sein Fitnesslevel zu halten, um für den Tag gerüstet zu sein, an dem der Betrieb wieder läuft. Bis dahin müssen die Erinnerungen an die vergangene Woche als Motivation genügen, denn trotz etlicher Absagen im Vorfeld schmälern die Umstände die Freude nicht. "Die Teams, die da waren, sind mit dem absoluten A-Kader gefahren", sagte Schachmann, "jede Etappe ist so gefahren worden, als wäre es das letzte Rennen für Monate." Oder gar der kompletten Saison ...
(SID)
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