Sportlich läuft es für Florian Sénéchal in diesen Tagen äußerst gut. Bei der BinckBank-Tour überzeugte er mit einem siebten Platz, bei Gent-Wevelgem überzeugte er als starker Zweiter und auch bei der anstehenden Flandern-Rundfahrt rechnet sich der Deceuninck-Quick-Step-Fahrer gute Chancen aus.

Doch die durch Corona verspätet angelaufene Saison begann für Sénéchal mit einem echten Schock-Moment. Der Franzose musste den Horror-Sturz seines Teamkollegen Fabio Jakobsen miterleben, war als erster Helfer an der Unfallstelle. Und wie er im Interview mit der "L'Équipe" berichtete, beschäftigen ihn die Ereignisse immer noch. "Ich erinnere mich, dass ich aus der Ferne sehen wollte, ob Fabio gewonnen hatte, aber ich sah nur Hindernisse, die in alle Richtungen flogen."

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Als er die Ziellinie überquerte, habe er Jakobsen nicht entdecken können, dann aber habe er ihn alleine auf der Zielgerade liegen sehen und neben ihm einen bewusstlosen Fotografen. "Ich ging direkt zu ihm, niemand kümmerte sich um ihn, alle waren um den Fotografen herum, der das Bewusstsein verloren hatte", erklärte Sénéchal: "Fabio verlor Blut, sehr viel Blut. Ich verstand sofort, dass er erstickte. Mein erster Reflex war, seinen Kopf zu nehmen und ihn sanft hochzuheben, damit das Blut nicht in sein Gehirn, seinen Verdauungstrakt oder seine Lungen gelangt. Er kam ein wenig zur Besinnung, er spuckte Blut aus, aber er schien immer stabiler zu werden."

Sénéchal benötigte therapeutische Hilfe

Die schrecklichen Bilder gehen Sénéchal nicht mehr aus dem Kopf, wie er zugab: "Das Schrecklichste für mich war, dass ich ihn nicht erkannt habe, sein Gesicht war völlig zerstört. Ich habe versucht, ihm in die Augen zu schauen." Bis nach einigen Minuten die Sanitäter kamen, kümmerte sich Sénéchal um seinen Teamkollegen. "Ich weiß immer noch nicht, wie ich so reagieren konnte, ich habe keine Ausbildung als Helfer, aber ich tat es fast instinktiv."

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Nach dem schrecklichen Vorfall, bei dem Jakobsen ins künstliche Koma versetzt werden musste, benötigte Sénéchal Hilfe, um die traumatischen Ereignisse zu verarbeiten. "Das ganze Team hat mir sehr geholfen, denn ich war wirklich traumatisiert von dem, was ich durchgemacht habe. Und vor allem, Fabio in diesem Zustand zu sehen, mit diesem Gesicht, das kein Gesicht mehr war. Es war, als hätte er eine Granate ins Gesicht bekommen", sagte Sénéchal und erklärte: "Ich wurde danach von einem Psychologen betreut. Das hat mir sehr geholfen".

Jakobsen, der zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt werden musste und diverse Operationen zur Gesichtsrekonstruktion benötigt, dankte Sénéchal im Anschluss und schrieb: "Danke, dass du mein Leben gerettet hast."

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Beide Rennfahrer verspüren seit diesem Moment eine besondere Bindung. "Wir standen uns bereits recht nahe, aber heute ist unsere Beziehung noch enger", erklärte Sénéchal: "Ich werde nie vergessen, was ich an diesem Tag an seiner Seite erlebt habe. Dem Tode nahe".

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