Hintergrund ist, dass Van Aert Vertragsbruch begangen hat, um im Jahr 2019 bei Jumbo-Visma in der WorldTour anzuheuern, anstatt seinen Kontrakt bei Veranda Willems – Crelan zu erfüllen. Der belgische Zweitdivisionär brach nach Van Aerts Abgang auseinander.
Seinerzeit unternahm die UCI gegen den Wechsel des Belgiers nichts, behielt sich aber die Möglichkeit offen, disziplinarische Schritte einzuleiten, wenn sich herausstellt, dass der Transfer nicht rechtens war. Wie Nuyens-Anwalt Desmet nun gegenüber Het Laatste Nieuws und "cyclingnews.com" bekräftigte, sei durch den Rechtsspruch vor dem belgischen Arbeitsgericht im Juni klar, dass genau das eben der Fall sei: dass der Transfer nicht rechtens war.
Deshalb habe man die UCI inzwischen dreimal schriftlich zum Handeln aufgefordert – ohne eine Antwort vom Weltverband bekommen zu haben. Deshalb gehe man nun an die Öffentlichkeit.
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"Nach dem Urteil im Juni haben wir zunächst die anderen Parteien (Team Jumbo - Visma und Van Aerts Manager Jef Van den Bosch) kontaktiert und um eine Einigung gebeten – andernfalls, sagten wir, müssten wir zur UCI gehen", sagte Desmet gegenüber "cyclingnews.com".
"Jumbo – Visma hat sich geweigert, eine Einigung zu erzielen. Aber sie sind mit ihm einen Vertrag eingegangen, im vollen Bewusstsein, dass er Vertragsbruch begangen haben könnte. Also sind sie ein Risiko eingegangen. Zwei Jahre später hat das Gericht nun entschieden, dass es tatsächlich ein gesetzeswidriger Vertragsbruch war. Sie sind das Risiko eingegangen und jetzt sollten sie eine Kompensation bezahlen, wie es die UCI-Regularien vorsehen," so Desmet weiter.

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Van Aert-Lager setzt auf Berufung

Im Verfahren vor dem Arbeitsgericht nämlich kämpfte Sniper Cycling gegen Van Aert – diese beiden Parteien hatten den vermeintlichen Vertragsbruch auszufechten. Nach belgischem Arbeitsrecht hatte Sniper Cycling mit dem neuen Arbeitgeber Jumbo – Visma nichts zu schaffen.
Nach UCI-Regularien aber müsste das neue Team ebenfalls eine Strafe zahlen, wenn die UCI-Disziplinarkommission tätig wird und sich dem Urteil des belgischen Gerichts anschließt, dass Van Aert nicht hätte wechseln dürfen.

Wout Van Aert (l.) und Nick Nuyens bei der damaligen Vorstellung beim Team Verandas Willems - Crelan

Fotocredit: Imago

Allerdings ist Van Aert nach dem Urteilsspruch im Juni in Berufung gegangen. Eine Entscheidung vor höherer Instanz steht also noch aus, und Van Aerts Anwalt Walter Van Steenbrugge erklärte gegenüber Sporza daher nun: "Wir sind von dem Gesagten oder Geschriebenen im Wesentlichen nicht beeindruckt. Warum sollte die UCI eingreifen? Wir waren immer sehr transparent." Desmet beachte außerdem nicht, dass es noch das Berufungsverfahren gebe und wolle Van Aert nur schaden.

Gefahr für "Business-Modell des Radsports"

Desmet betonte aber auch, dass es ihm und Nuyens weniger um eine weitere Strafe für Van Aert – laut UCI-Regularien wäre eine bis zu viermonatige Sperre plus weiterer Geldstrafe denkbar - als vielmehr um eine Bestrafung für Jumbo – Visma und auch Van Aerts Manager Jef Van den Bosch gehe. "Wir zielen nicht auf eine Sperre für Wout Van Aert. Unserer Meinung nach hat er wörtlich und bildlich bezahlt dafür, aber sein neues Team nicht, und auch nicht sein Manager. Sie kommen ohne jede Konsequenz davon, und das ist wirklich nicht akzeptabel", so Desmet, der auch zum Seitenhieb gegen die UCI ausholte:
"Es ist nicht normal, dass die UCI nicht reagiert. Es geht um einen wichtigen Fahrer und ein wichtiges Team", suggerierte er eine mögliche Sonderbehandlung und einen Schutz des Weltverbandes für Van Aert und Jumbo – Visma. "Aber mein Klient hat kein Team mehr, weil seine Sponsoren gegangen sind, als Wout Van Aert ging. Für andere Teams ist das ein sehr wichtiger Präzedenzfall. Jedes andere Team sollte Angst haben, weil jeder Fahrer einfach seinen Vertrag brechen kann, ohne dass etwas passiert. Ich verstehe nicht, warum sich die UCI da zurückhält. Da geht es um das Business-Modell des Radsports."
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