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Tour de France Femmes - Marlen Reusser fordert Maßnahmen vom Weltverband UCI gegen Magersuch: "Das ist absurd"
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Publiziert 28/07/2022 um 15:45 GMT+2 Uhr
Marlen Reusser gilt als das Aushängeschild des Schweizer Radsports. Trotz ihrer Erfolge behält die 30-Jährige aber ihren klaren Blick und tritt Missständen offen und kritisch gegenüber. Im Gespräch mit dem Schweizer "Blick" lenkte die ausgebildete Ärztin den Fokus nun auf die Magersucht im Profibereich. Angesichts der damit einhergehenden Gefahren forderte sie strengere Regeln seitens der UCI.
Marlen Reusser - Tour de France Femmes
Fotocredit: Imago
Je leichter man ist, desto schneller geht es den Berg hoch. So könnte man die Gewichtsthematik im Radsport zusammenfassen. "Aber wo ist die Grenze?", fragt sich Reusser.
Bereits vor zwei Jahren machte die Olympia-Zweite von Tokio auf derartige Missstände im Radsport aufmerksam. Damals machte sich die Schweizerin Sorgen um eine Teamkollegin, welche in ihren Augen ein gefährliches Untergewicht erreicht habe. "Es war offensichtlich. Sie war wirklich sehr mager", erklärte Reusser. "Neben der psychischen Belastung, dünn sein zu wollen, droht bei Magersucht auch Osteoporose."
Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Knochendichte abnimmt. Die Folge: Die Knochen werden porös und brechen leichter. Darüber hinaus bestünde bei Stürzen die Gefahr eines deutlich erhöhten Blutverlusts, der mitunter auch tödlich enden könnte.
"Bei einem Radrennen ist eine gute Gesundheit Voraussetzung. Wenn eine Person, die körperlich und psychisch krank ist, trotzdem teilnimmt, ist das absurd", unterstrich Reusser, welche am Mittwoch die 4. Etappe der Tour de France für sich entscheiden konnte.
Magersucht im Radsport: Reusser im Austausch mit der UCI
Darum hat sich die Vizeweltmeisterin von 2020 in einem Brief an den Weltverband UCI gewandt. Darin forderte sie ein Startverbot für jene Athleten und Athletinnen, welche eine bestimmte Untergrenze beim Body-Mass-Index erreicht haben.
Auf die Eigenverantwortung der Fahrerinnen und Teams zu setzen sei bislang keine Möglichkeit. "Das funktioniert nicht, denn eine Hand schüttelt die andere. Alle in einem Team wollen den maximalen Erfolg. Und Teamärzte würden diesen möglicherweise gefährden, sollten sie ein Startverbot erteilen", hielt sie die Problematik fest.
"Es muss von der UCI mit einer Regel vorgeschrieben werden - bislang gibt es pro Jahr nur eine Untersuchung und zwei Labortests. Doch diese zielen nicht darauf ab, ob jemand zu leicht ist oder Essstörungen hat. Es fehlt also die richtige Herangehensweise", weiß Reusser selbst.
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Marlen Reusser sicherte sich im olympischen Einzelzeitfahren von Tokio die Silbermedaille
Fotocredit: Getty Images
Eine Grenze festzulegen sei aber alles andere als einfach. "Das herauszulesen, ist nicht einfach. Mir ist wichtig, dass Fahrerinnen, die magersüchtig oder auch psychisch krank sind, aus dem Verkehr gezogen werden. Dann hat das übertriebene Abnehmen auch keinen Reiz mehr", führte sie weiter aus.
Noch steht ihr Treffen mit dem UCI-Präsident David Lappartient aber noch aus. "Ich bin dran, einen passenden Termin zu finden." Im persönlichen Gespräch will sie erneut ihr Anliegen deponieren. "Magersucht oder vor allem eine zu geringe Energieversorgung ist ein Problem."
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