Tour de France Femmes: Teamchef Philip Roodhooft schlägt Alarm - finanzielle Schere bei Frauen größer als bei Männern
Publiziert 06/08/2026 um 08:40 GMT+2 Uhr
Der Radsport der Frauen boomt wie nie zuvor - sportlich und beim Zuschauerinteresse. Doch hinter diesem Aufschwung sieht Philip Roodhooft eine Entwicklung, die den Teams zunehmend Sorgen bereitet. Der Sportdirektor von Fenix-Premier Tech warnt vor einer gefährlichen finanziellen Schieflage, weil die Ausgaben deutlich schneller steigen als die wirtschaftlichen Möglichkeiten vieler Rennställe.
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Quelle: Eurosport
Dabei könnte die Bühne kaum größer sein. Die Tour de France Femmes (live im Stream bei HBO Max) lockte in Frankreich am ersten Wochenende laut "Puremedias" knapp zwei Millionen Zuschauer vor die Bildschirme und erreichte dort 80 Prozent der Einschaltquoten der Männer-Rundfahrt.
Für Roodhooft zeigt das, wie sehr der Frauenradsport in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat.
"In den vergangenen beiden Austragungen sind die Zuschauerzahlen weiter gestiegen. Vor allem im vergangenen Jahr waren die Menschenmengen riesig, weil mit Pauline Ferrand-Prévot auch eine französische Anwärterin auf den Gesamtsieg dabei war. Seitdem sind Atmosphäre und Begeisterung mit denen bei den Männern vergleichbar", erklärte er im Interview mit "Nieuwsblad".
Abseits der Strecke sei die Entwicklung jedoch deutlich komplizierter. Während einige Teams inzwischen erhebliche Summen investieren, hätten andere Mühe, überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben. "Einerseits gibt es Teams, die inzwischen zu klein für die Tour geworden sind und noch immer mit einem Wohnmobil anreisen. Andererseits investieren einige Mannschaften massiv", so Roodhooft weiter.
Roodhoft: "Schere größer als bei den Männern"
Vor allem finanzstarke WorldTour-Teams hätten den Frauenradsport längst als sportliches Prestigeprojekt entdeckt. "Früher brauchte man ein Frauenteam, um politisch korrekt zu sein. Heute wollen diese Teams wirklich erfolgreich sein", sagte Roodhooft.
Neben den großen Doppelstrukturen wie Lidl-Trek oder UAE Team Emirates hätten auch klassische Frauenteams wie FDJ, Canyon-SRAM oder SD Worx inzwischen enorme Budgets. "In dieser Hinsicht ist die Schere sogar größer als bei den Männern."
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Die Tour de France Femmes zieht viele Zuschauer an - die finanzielle Frage bleibt dennoch
Fotocredit: Getty Images
Sein eigenes Team profitiere davon, dass Infrastruktur gemeinsam mit der Männermannschaft genutzt werden könne. "Wir haben beispielsweise in Eisbäder investiert. Die wurden während der Tour der Männer genutzt und stehen nun den Frauen zur Verfügung. Muss man all diese Investitionen in Logistik und Performance ausschließlich für ein Frauenteam tätigen, wird das sehr teuer."
Nach Ansicht des Teamchefs wächst der Sport derzeit schneller, als es seine wirtschaftliche Basis zulässt. "Die Investitionen sind für den aktuellen Rennkalender zu hoch geworden. Es werden Gehälter gezahlt, die jeder Logik widersprechen", warnte Roodhooft.
Frauen mit deutlich weniger Renntagen
Als Ursache sieht er unter anderem den begrenzten Rennkalender. Aus seiner Sicht gibt es bislang zu wenige Veranstaltungen, die Sponsoren und Teams tatsächlich die nötige mediale Reichweite bieten.
"Es gibt zwei große Rundfahrten - den Giro und die Tour - sowie etwa zehn wichtige Eintagesrennen. Insgesamt umfasst die Saison der Frauen lediglich 25 bis 30 kommerziell interessante Renntage. Eine Grand Tour der Männer dauert 21 Tage, bei den Frauen sind es nur neun. Nur neun."
Darüber hinaus fehle es an genügend Fahrerinnen auf höchstem Niveau. "Es gibt nicht ausreichend Talente, um alle Plätze zu besetzen. Dadurch werden gute Fahrerinnen überbezahlt. Dem muss aber auch etwas gegenüberstehen. Noch immer gibt es zu viele Rennen, die zu wenig mediale Aufmerksamkeit erzeugen, um diese Investitionen in den Frauenradsport zu rechtfertigen."
Für die Zukunft wünscht sich Roodhooft deshalb nicht nur mehr finanzielle Stabilität, sondern auch ein weiteres Wachstum des Sports. "Wir brauchen mehr talentierte Fahrerinnen, einen breiteren Rennkalender, mehr Konkurrenz bei den Sprintankünften und wir würden uns auch über noch mehr belgische Talente freuen. Dass man damit kein Geld verdienen kann, darf kein Argument mehr sein."
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