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Kein Tag wie jeder andere (23)
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Publiziert 26/07/2014 um 22:38 GMT+2 Uhr
Die Geschichte der Tour steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Dabei muss man gar nicht ewig in den Geschichtsbüchern zurückblättern. Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich exakt heute jähren und deren Bilder uns oft noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Momente aus deutscher Sicht.
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Fotocredit: Eurosport
Der 27. Juli – kein Tag wie jeder andere:
Eine der großen, epischen Etappen der Tour-Geschichte sieht der 27. Juli 1998. An diesem Montag macht sich das Feld auf die erste Alpen-Etappe. Dieses 15. Teilstück bei übelstem Wetter nimmt Jan Ullrich mit 3:01 Vorsprung auf Marco Pantani in Angriff, drei schwere Pässe stehen auf dem Weg zur Bergankunft in Les Deux Alpes an.
Am Col du Galibier attackiert der Italiener 50 Kilometer vor dem Ziel, Ullrich ist schnell isoliert, hat aber an der Bergwertung nur etwas mehr als eine Minute Rückstand. Doch dann hat er erst auf der Abfahrt Defekt, dann erwischt er einen extremen Hungerast und erreicht das Ziel, eskortiert von Udo Bölts und Bjarne Riis, mit 8:57 Rückstand - die Tour ist verloren.
Exakt ein Jahr zuvor feiert Ullrich den größten Erfolg seiner Laufbahn: Am 27. Juli 1997 gewinnt er als erster Deutscher die Tour. Dass Erik Zabel auf der Schlussetappe den Sieg knapp verpasst, ist nur ein Schönheitsfehler, denn neben Gelb ist auch Grün fest in Telekom-Hand, ebenso wie die Teamwertung. Deutschland begeistert sich für die Tour, von der dunklen Seite will damals noch niemand etwas wissen, gewusst haben oder hören.
Genau zehn Jahre später siegt an einem 27. Juli ein Fahrer auf kuriose Weise, der als Beispiel für sauberen Radsport auch in verseuchtem Umfeld steht. Auf dieser 18. Etappe ist Sandy Casar in einer vierköpfigen Ausreißergruppe weit vor dem Feld unterwegs, das Quartett wird den Sieg in Angoulême unter sich ausmachen.
Doch dann läuft ein Hund über die Straße, Casar kann nicht ausweichen, stürzt, jagt den drei Gegnern hinterher. Und manchmal gibt es eine Art Gerechtigkeit im Sport - der Franzose siegt (Bild ganz oben), Wut und Schmerz sind auf einen Schlag vergessen.
Zum 100. Jubiläum der Tour sorgen zwei Australier 2003 für die knappste Entscheidung aller Zeiten im Kampf um das Grüne Trikot. Acht Mal in der Geschichte trennen zehn Zähler oder weniger die beiden Top-Punktesammler, mehrfach entscheidet die Schlussetappe. Doch so eng wie diesmal ist es nie.
Robbie McEwen geht mit zwei Punkten Vorsprung und in Grün in diese 20. Etappe, doch Baden Cooke gewinnt den ersten Zwischensprint und zieht gleich. Bonussprint Nr. 2 geht an McEwen, der Schlusssprint muss entscheiden. Und da liegt Cooke als Zweiter ganz knapp vorn, macht vier Punkte gut und nimmt McEwen um zwei Punkte auf den Champs Elysees das "maillot vert" noch ab. Ach so, Etappensieger wird übrigens der Franzose Jean-Patrick Nazon.
Schließlich sei an eine Geschichte erinnert, die fast vergessen ist - weil nur wenige Tage nach dem 27. Juli 2002 Raimondas Rumsas und seine Frau Edita mit einem Dopingskandal alles in Schatten stellten, was der Litauer zuvor gezeigt hatte.
Doch im abschließenden Zeitfahren über 50 Kilometer nach Macon hätte Rumsas fast Lance Armstrong eine Niederlage zugefügt. Denn bei der ersten Zwischenzeit liegt Rumsas schon 17 Sekunden vor dem Texaner - doch dann lässt ihn die Technik im Stich: Sein Lenker klappt nach unten weg, alle Schraubereien können das Problem nicht beheben. Kurven werden fast zum Glücksspiel, der Zeitverlust ist massiv. Im Ziel ist Rumsas Zweiter, 53 Sekunden hinter Armstrong, verpasst den ersten litauischen Etappensieg der Geschichte. Tags darauf steht er in Paris als Dritter auf dem Podium, eine Minute fehlt ihm zu Platz zwei von Joseba Beloki.
Doch nur Stunden später wurde seine Ehefrau in Chamonix mit einem Auto voller Medikamente, Spritzen und Transfusionsmaterial gestoppt und eine ganz andere Geschichte beginnt.
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