Kittel wirkt bei seiner Rückkehr zur Tour de France (die 1. Etappe heute ab 12:50 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) entspannt, aufgeräumt und austrainiert. Kein Vergleich zu dem Kittel, den er genau vor einem Jahr abgab. Damals war seine Saison durch einen Virusinfekt nie in Fahrt gekommen, eine Form nicht vorhanden und sein Tour-Aus die Folge. Eine Phase, die er später als die schwierigste seiner bisherigen Karriere beschrieb.

Das Kraftpaket suchte den Neustart und verließ nach fünf Jahren sein Team Giant-Alpecin, um sich der belgischen Equipe Etixx-QuickStep anzuschließen.

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Zwischenbilanz dieses Schrittes: zehn Saisonsiege, zwei davon beim Giro d’Italia und einen Tag im Rosa Trikot. Der 28-Jährige ist wieder dort, wo er vor 2015 war: an der Spitze der Sprinterzunft. Läuft es normal, ist Kittel in dieser Saison fast nicht zu schlagen.

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Gelbes Trikot bei der Rückkehr zur Tour de France?

Nach einem Jahr Abstinenz winkt ihm nach 2013 und 2014 zum dritten Mal in seiner Karriere ein Intermezzo im Gelben Trikot bei der Tour de France. Die 1. Etappe wurde von den Organisatoren als Flachetappe nach Utah Beach verpackt - eine Steilvorlage für einen Kittel in Topverfassung. Anders als bei seinen anderen beiden Auftaktsiegen in Bastia und Harrogate gilt er in diesem Jahr aber allgemein als absoluter Topfavorit und im Mittelpunkt des Interesses, auch wenn ihn bei den deutschen Meisterschaften André Greipel bezwingen konnte.

Marcel Kittel - Tour de France 2014

Fotocredit: Eurosport

Eine Favoritenrolle, die Kittel jedoch bewusst ablehnt. "Jetzt bin ich endlich wieder bei der Tour und es sollte ein guter Auftakt sein. Aber ich werde mich jetzt nicht verrückt machen, sondern versuchen, entspannt wie die letzten Male zu bleiben. Diese Rolle will ich so in der Form nicht annehmen, weil auch viele andere gute Rennfahrer am Start sind, die genauso gute Chancen haben ", so der Arnstädter.

Er bleibt seiner Linie der Jahre 2013 und 2014 treu. Seine Zielsetzung lautet auch für diese Tour nur ein Etappensieg, weil es "kein überzogenes, sondern ein realistisches Ziel ist." Chancen für die Sprinter sieht er aber insgesamt auf fünf oder sechs Teilstücken. Anders als in den Jahren bei Giant dürfte allerdings unter seinem neuen anspruchsvollen Arbeitgeber Patrick Lefevere der teaminterne Druck für ihn höher liegen - auch wenn Kittel dem nicht ganz zustimmen will:

Natürlich ist da eine Erwartungshaltung, besonders was die Tour und Etappensiege angeht. Aber um mal ehrlich zu sein, das war in den Jahren vorher für mich persönlich nicht anders. Das ist das täglich Brot eines Sprinters, mit dieser Erwartung umgehen zu können, die auch anzunehmen und gerecht zu werden.

Kittel gibt aber auch zu, dass er mit Etixx-QuickStep nun besonders im Fokus steht.

Duell der deutschen Topsprinter bei der Tour

Für ihn ist der Ausgang der Tour aber auch vom Start abhängig. "Wenn man die erste Etappe geholt hat und die Mannschaft merkt, es geht und wir fahren richtig um den Sieg mit, dann ist das ein Schub", glaubt Kittel. Er spricht aus Erfahrung: 2013 und 2014 folgten nach seinen Auftaktsiegen jeweils drei weitere Tageserfolge im Verlauf der Tour. Den wichtigen frühen Erfolg und das begehrte "Maillot Jaune" dürfte ihm aber insbesondere sein Landsmann Greipel streitig machen wollen.

"Er ist stark, ich aber auch, es wird ein offener Kampf. Für mich ist auch die Stärke des Teams in der Sprintvorbereitung entscheidend und da sehe ich im Moment nur zwei Mannschaften, die das normalerweise richtig gut hinbekommen - mein Team und Lotto Soudal." Es könnte am Ende auch eine Tour werden, die als Duell der beiden deutschen Ausnahme-Sprinter in Erinnerung bleibt.

Bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt entschied Greipel das Kräftemessen für sich. Für den Rostocker der dritte nationaler Titel und für Kittel eine herbe Enttäuschung. Im Massensprint bleibt für ihn nur Platz drei hinter Greipel und dem jungen Max Walscheid (Giant-Alpecin).

Ausgerechnet im letzten Rennen vor der Tour bekam seine beinahe blütenweiße Saisonausbeute damit einen weiteren Fleck. "Ich war am Ende eingebaut, musste rollen lassen und etwas bremsen, dann um die anderen herumfahren und neu antreten", schildert er hinterher.

Für die Tour blieb er daher zuversichtlich: "Ich habe Vertrauen in meine Vorbereitung, in meine Mannschaft und in mich selbst." Denn läuft es normal, war Kittel bislang in dieser Saison eben nicht zu schlagen. Darauf wird er auch zum Auftakt der Tour in Utah Beach setzen. Und für den weiteren Verlauf der Rundfahrt.

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