Rohan Dennis bleibt nach Tour-Ausstieg alle Antworten schuldig

Der völlig unerwartete Ausstieg von Zeitfahr-Weltmeister Rohan Dennis sorgt weiter für Wirbel bei der Tour de France. Ein spät in der Nacht über seinen Rennstall veröffentlichtes Statement lässt alle Fragen offen. Dennis sei "widerwillig" ausgestiegen, so Bahrain-Merida in einer kurzen Mitteilung, die den Australier zitiert: "Ich bin sehr enttäuscht, das Rennen zu diesem Zeitpunkt zu verlassen."

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Das Einzelzeitfahren heute auf der 13. Tour-Etappe sei "ein großes Ziel für mich und das Team gewesen", so die Mitteilung weiter, "doch angesichts dessen, wie ich mich aktuell fühle, war es die richtige Entscheidung, auszusteigen" so Dennis - der als großer Favorit auf diesen Etappensieg galt.
Dennis war auf der 12. Etappe ohne Erklärung in der Verpflegungszone vom Rad gestiegen und mit einem Begleitfahrzeug des Teams ins Ziel gefahren. Auch dort blieb er den vielen Journalisten auf dem Weg zum Teambus jegliche Aufklärung schuldig.
Begleitet vom Pressesprecher des Rennstalls und von seinem Manager Andrew McQuaid (Sohn des Ex-UCI-Präsidenten Pat McQuaid) verschanzte er sich rund eine Stunde hinter den Scheiben des Busses, verließ diesen aber bevor die Etappe endete und seine Teamkollegen eintrafen.

Zoff zwischen Dennis und Team

Die Mannschaft zeigte sich weiterhin ratlos und in Erklärungsnot, es habe keine Anzeichen für diesen Schritt gegeben und auch keine schwelenden Konflikte, so der Sportliche Leiter Gorazd Stangelj. Das französische Fernsehen hatte aber berichtet, Dennis habe sich mit dem Fahrer seines Mannschaftswagens gestritten, bevor er vom Rad stieg.
Eurosport-Journalistin Orla Chennaoui hatte aber bereits am Morgen der 12. Etappe berichtet, dass es Spannungen zwischen Dennis und seinem Team gegeben habe. Am Freitag präzisiert sie, dass es dabei dem Vernehmen nach um den Zeitfahranzug des Tour-Etappensiegers von 2015 gegangen sei.
Der australische Journalist und intime Szene-Kenner Rupert Guinness lässt in seiner Einschätzung zu dem Eklat durchklingen, dass Dennis in einer Kurzschlussreaktion das Handtuch geworfen haben könnte. In einem Podcast hatte Dennis offen gestanden, er habe allein im Jahr 2018 mehrfach gedacht, er könne jetzt sofort aufhören, sei mit dem Sport fertig und wolle nie wieder Rennen fahren. Doch diese "depressiven Phasen" habe er bislang immer nach einigen Tagen überwunden.

Dennis: Ausstieg wegen Material-Streit?

In jedem Fall berichten anscheinend sowohl aktuelle Teammitglieder als auch frühere Mannschaftskollegen, dass Dennis für Wutausbrüche und überzogene Reaktionen bekannt sei. Ob dies auch der Grund für seinen Ausstieg war, bleibt aber vorerst weiter offen.
Ex-Weltmeister Thor Hushovd erklärte im norwegischen Sender TV2, Ärger über das Material sei der Auslöser gewesen. "Er war mit seinen Laufrädern auf dem Zeitfahrrad so unzufrieden, weil er bis zu 40 Watt, also zehn Prozent, gegenüber den schärfsten Konkurrenten hätte verlieren können. Das ist natürlich enorm", berichtete der TV-Experte von einem Gespräch mit Dennis.
"Ein Fahrer wie er ist so detailbesessen, ich glaube, das war zuviel für ihn", mutmaßte Hushovd. Er bezeichnete Dennis als "Original", er sei daher nicht überrascht, dass der Australier auf solch eine "verrückte Idee" komme.
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