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So packend wird die Tour: Fallen und Highlights im Kampf um Gelb

So packend wird die Tour: Fallen und Highlights im Kampf um Gelb

05/07/2019 um 22:40Aktualisiert 16/07/2019 um 15:57

Die Strecke der Tour de France ist schwer wie selten: Fünf Bergankünfte, viele Pässe auf über 2000m Höhe und nicht nur in den Alpen und Pyrenäen müssen Kletterkünste gezeigt werden. Wo im Parcours Fallen für die Favoriten lauern, wann die Königsetappe auf dem Programm steht und welche Abstände in den Zeitfahren zu erwarten sind - der Strecken-Check von Eurosport.de bringt Euch auf Stand.

1. Tour-Woche: Fiese Finals und mächtig Mittelgebirge

Echte Zeitabstände gibt's dann im Mannschaftszeitfahren durch Brüssel (2. Etappe) - es wird richtig schnell auf den langen Geraden. Die besten Teams dürften Rennställen mit Schwächen in dieser Disziplin bis zu anderthalb Minuten annehmen: ein echtes Handicap für alle Anwärter auf einen Spitzenplatz im Gesamtklassement, deren Mannschaften auf diesen 27,6km nicht vorne mithalten können.

Ein Dreierpack an Mittelgebirgsetappen gibt den Kletterern schon vor Alpen und Pyrenäen beste Chancen zur Attacke, wer da noch Formrückstand aufweist, dürfte es bitter büßen: Die 5. Etappe nach Colmar mit zwei Anstiegen der 2. Kategorie ist die Vorspeise, die erste Bergankunft der Tour de France 2019 am nächsten Tag der größte Brocken der Auftakt-Woche: Denn die Planche des Belles Filles ist diesmal um einen weiteren steilen Schlusskilometer verlängert worden.

Tour 2012: Planche des Belles Filles

Tour 2012: Planche des Belles FillesGetty Images

Die sieben Kilometer bei fast 9% Durchschnittssteigung (mit Rampen von 20%) werden dafür sorgen, dass die Top Ten im Ziel nicht wie bei den ersten drei Ankünften der Tour 2012, 2014 und 2017 dort innerhalb einer Minute bleiben werden.

Tour de France 2019: Das Profil der 8. Etappe

Daneben sind auch die Finals etlicher weiterer Etappen mit Anstiegen auf den letzten Kilometern gewürzt (3., 4. und 9. Etappe), die Chancen für Offensiven bieten - und schließlich könnte auch der Seitenwind für Bewegung sorgen, besonders auf der 3. Etappe.

2. Tour-Woche: Zeitfahren und Pyrenäen-Prüfungen

Nach dem ersten Ruhetag und zwei Abschnitten für Sprinter oder Ausreißer (aber Achtung auf mögliche Windkanten auf der 11. Etappe) geht es in die Pyrenäen. Doch der Aufgalopp auf der 12. Etappe wird den Favoriten eher zur Gewöhnung an den Rhythmus dienen, denn der letzte Gipfel ist noch zu weit vom Ziel entfernt, um dort erfolgreich angreifen zu können. Zumal es auch gilt, Kräfte für das folgende einzige Einzelzeitfahren zu sparen:

Auf den 27,2 Kilometern um Pau droht reinen Kletterern ein Zeitverlust von bis zu zwei Minuten auf die besten Zeitfahrer, wobei das Profil diese 13. Etappe tricky macht: Die erste Hälfte hat es mit ihren Anstiegen in sich, während danach die kraftvollen Rolleure zum Zug kommen. Die richtige Kräfteeinteilung und die Wahl der optimalen Übersetzung werden die große Herausforderung sein.

Adam Yates

Adam YatesGetty Images

Mit zwei Bergankünften geht es dann in den Pyrenäen zur Sache. Die 14. Etappe zum Tourmalet ist kurz, der Anstieg mit seinen 19km aber schier endlos - auch wenn es die "leichtere" Seite des berühmten Passes ist. Alles wird auf einen Schlagabtausch auf den letzten, steilsten Passagen herauslaufen - denn am Col du Soulor zuvor machen Attacken mit Blick auf das Gesamtklassement wenig Sinn: zu viele Kilometer bleiben den Helfern zwischen den Anstiegen, um ihre Kapitäne wieder heranzuführen.

Interessanter ist da das Profil der 15. Etappe mit ihren drei Anstiegen der 1. Kategorie in engerer Abfolge. Insgesamt über 4600 Höhenmeter warten auf die Fahrer und die Anstiege haben es in sich, auch wenn sie nicht besonders weit hinauf führen: Die Mur de Péguère ist in ihrem letzten Drittel durchgängig über 10% steil, während der Schlussanstieg Prat d'Albis seine schwersten Passagen in der unteren Hälfte hat: Das favorisiert dort frühe Attacken - und vor dem zweiten Ruhetag werden die Spitzenfahrer an die Reserven gehen.

Tour de France 2019: Das Profil der 15. Etappe

3. Tour-Woche: Höhenrausch in den Alpen

Wieder können sich die Stars nach dem Ruhetag auf einer Flachetappe einrollen, doch schon die 17. Etappe hat danach wieder ihre Tücken. Auf dem Weg nach Osten droht der Mistral mit seinen Böen, das Feld zu zerpflücken; hingegen ist die letzte Bergwertung kurz vor dem Ziel in Gap nicht schwer genug für einen entscheidenden Vorstoß.

Ganz im Unterschied zu dem folgenden Dreierpack in den Alpen. Los geht's mit der Königsetappe, dem mit Abstand längsten und höchsten Teilstück im Hochgebirge bei der Tour 2019. Über sechs Stunden Schwerstarbeit mit drei schweren Anstiegen, allesamt auf über 2000m (Col de Vars, Col d'Izoard, Col du Galibier) und eine anspruchsvolle Abfahrt zum Ziel nach Valloire - noch Fragen?

Feature Galibier

Feature GalibierGetty Images

Zwei Bergankünfte am Ende von kurzen Tagesabschnitten sorgen dann für den Showdown um die Gesamtwertung der Tour de France 2019. Wieder geht es sehr hoch hinaus und für alle Top-Ten-Anwärter an die allerletzten Reserven. Die 19. Etappe führt das Feld über den Col d'Iseran (2770m), dessen 13km kurz vor der Passhöhe nochmals über 10% steil werden.

Der Schlussanstieg nach Tignes ist mit 7km nicht besonders lang, die schwersten Passagen stehen gleich zu Beginn an, der letzte Kilometer in 2100m Höhe ist fast flach - ein Sprint um die Zeitgutschriften im Ziel möglich.

Tour de France 2019: Das Profil der 20. Etappe

Das große Finale auf der 20. Etappe am vorletzten Tour-Tag zwingt die Profis zu einer letzten Kraftanstrengung bis nach Val Thorens auf 2365m. Die Helfer der Teamkapitäne sind dabei besonders gefordert, denn fast vom Start weg geht es hinauf zum Cormet de Roselend (1. Kategorie), gefolgt von einer teilweise kniffligen Abfahrt.

Der Schlussanstieg mit seinen über 30 Kilometern ist unrhythmisch mit etlichen flacheren Passagen und als Zufahrtsstraße zum Skiort gut ausgebaut. Rampen für Attacken bieten sich kaum, das Tempo wird hoch sein und sehr viel vom richtigen Timing eines Angriffs abhängen - und der Frage, welcher Topfahrer im Finale noch einen Teamkollegen als Tempomacher in einer Verfolgung zur Verfügung hat.

Am Ziel des letzten der 30. Berge der drei höchsten Kategorien wird dann das Podium der Tour de France 2019 feststehen. Eins scheint sicher: Der Sieger wird kaum einen Vorsprung wie Eddy Merckx vor 50 Jahren haben (17:54 Minuten), vielleicht wird es sogar so knapp wie für Greg Lemond vor 30 Jahren (acht Sekunden).

Video - Tour 2019: Die Strecke in der 3D-Animation

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