Tour de France: John Degenkolb muss Tour aufgeben

Kaum hat die Tour de France begonnen, da ist sie für John Degenkolb (Lotto Soudal) auch schon wieder vorbei: Der 31-Jährige kam wie viele andere Fahrer auf der 1. Etappe rund um Nizza zu Fall und kämpfte sich anschließend ins Ziel, verpasste allerdings das Zeitlimit. Im offiziellen Tagesklassement wurde der Klassikerspezialist deshalb mit "hors délai" gewertet, was das Tour-Aus bedeutet.

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Am letzten Ort der Cote d'Azur, an dem John Degenkolb am Sonntagmorgen sein wollte, rang der deutsche Radprofi mit leerem Blick um die richtigen Worten. "Ich bin echt ziemlich kaputt, sowohl im Kopf als auch natürlich körperlich", sagte Degenkolb mit leiser Stimme an einem Gate des Flughafens Nizza.
Eigentlich hätte er sich zu diesem Zeitpunkt auf die zweite Etappe der 107. Tour de France vorbereiten wollen. Stattdessen trat Degenkolb völlig geknickt die unfreiwillige Heimreise an - der Tiefpunkt einer ohnehin schwierigen Saison. "Ich bin wirklich sehr enttäuscht, nach dem ersten Tag schon wieder nach Hause zu fliegen", sagte Degenkolb in der in den Sozialen Medien veröffentlichten Videobotschaft.

Tour de France: Ex-Weltmeister Gilbert muss ebenfalls aufgeben

Auf den nach einem Regenguss teils spiegelglatten Straßen rund um Nizza war der 31-Jährige am Samstag 65 km vor dem Ziel zu Fall gekommen. Beide Knie schlug er sich beim heftigen Aufprall blutig auf. "Ich bin niemand, der über ein bisschen Schmerz jammert", sagte Degenkolb, "aber ich konnte es kaum aushalten."
Er tat es dennoch. Der Klassikerjäger quälte sich "irgendwie" ins Ziel, das er angesichts der gesundheitlichen Probleme allerdings knapp außerhalb des Zeitlimits erreichte. Die Jury kannte keine Gnade und strich den Degenkolb aus dem Rennen. "Das ist das Ende vom Lied", sagte Degenkolb.
Ans Weitermachen wäre aber ohnehin nicht zu denken gewesen. Vor allem sein rechtes Knie wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. "Es ist stark geschwollen", sagte Degenkolb, der von Flüssigkeit im Schleimbeutel berichtete. Immerhin von Brüchen blieb der Profi von Lotto-Soudal verschont - im Gegensatz zu seinem belgischen Teamkollegen Philippe Gilbert. Der Ex-Weltmeister trat mit einer Fraktur der Kniescheibe zur zweiten Etappe am Sonntag ebenfalls nicht mehr an. "Was für eine Enttäuschung für uns", sagte Gilbert.

Nach Tour-Aus: Degenkolb blickt bereits nach vorne

Bei Degenkolb richtete sich der Blick noch am späten Samstagabend nach vorn. Es sei noch zu früh, eine konkrete Aussage über die Ausfallzeit zu treffen. "Aber es kommen noch einige Rennen in diesem Jahr. Ich werde mich so schnell es geht erholen und hoffentlich bald wieder auf dem Rad sitzen", sagte er.
Degenkolb war vor allem als Sprinthelfer für den Australier Caleb Ewan eingeplant. Für das belgische Team Lotto-Soudal ist in Frankreich noch Roger Kluge im Einsatz. Nach Degenkolbs Aus nahmen noch elf deutsche Fahrer die zweite Etappe in Angriff.

Auch Pinot, Greipel und Politt stürzen

Neben dem Paris-Roubaix-Sieger von 2015 kamen auf der 1. Etappe viele weitere Fahrer zu Fall. Unter anderem stürzte wenige Kilometer vor dem Ziel der französische Mitfavorit Thibaut Pinot (Groupama-FDJ). Er wird am Sonntag aber am Start stehen.
Genauso wie Sprinter André Greipel und Allrounder Nils Politt. Die beiden Israel-Start-Up-Nation-Profis können ebenfalls trotz ihrer Stürze weiterfahren. Greipel wurde mit vier Stichen am Bein genäht. Politt zog Blessuren am Rücken davon. Von Brüchen blieben beide Radprofis aber verschont.
Den Sieg auf dem ersten Tour-Abschnitt holte sich Alexander Kristoff aus Norwegen (UAE Team Emirates). Damit sicherte sich Kristoff auch das erste Gelbe Trikot.
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(mit SID)
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