Tour de France 2020: Buchmann, Bernal und Roglic angeschlagen

Vor jeder Tour de France steht die Frage: Wer jubelt am Ende in Paris? 2020 ist die Suche nach dem Champion begleitet von der Frage: Welcher Favorit hat seine Blessuren am besten auskuriert? Titelverteidiger Egan Bernal plagten zuletzt Rückenschmerzen, um Vuelta-Sieger Primoz Roglic kursierten sogar Gerüchte über einen Startverzicht. Auch Deutschlands Hoffnung Emanuel Buchmann war angeschlagen.

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Emanuel Buchmanns Wunden heilen, doch die Zweifel in seinem Kopf bleiben. Körperlich angeschlagen und mit angekratztem Selbstvertrauen nimmt es der deutsche Hoffnungsträger bei der 107. Frankreich-Rundfahrt mit den scheinbar übermächtigen Teams Ineos Grenadiers und Jumbo-Visma auf - und befindet sich mit deren Top-Stars doch in trauriger Gesellschaft.
Denn auch die sind nicht frei von Verletzungssorgen: Titelverteidiger und Ineos-Kapitän Egan Bernal plagten zuletzt Rückenschmerzen, um Vuelta-Sieger und Jumbo-Zugpferd Primoz Roglic kursierten sogar Gerüchte über einen Startverzicht. Bei der von der Coronapandemie stark beeinflussten Tour der vielen Fragezeichen ist die Form der Favoriten eines der großen Rätsel.
Ein "herber Rückschlag" sei sein Sturz bei der Tour-Generalprobe Critérium du Dauphiné gewesen, sagte Buchmann: "Das Ganze hat mich ziemlich zurückgeworfen." Nur mit Hilfe von Betreuern hatte er nach dem Crash aufstehen können. Die Mission Podium schien beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte: "Eigentlich dachte ich, die Tour ist gelaufen."

Schachmann trotz Schlüsselbeinbruch bereit

Das ist sie nicht. Doch kann der Bora-hansgrohe-Kapitän nach langen Physiotherapie-Tagen wirklich wie erhofft um den Sieg mitfahren? "Ich kann die Tour jetzt nur von Tag zu Tagen in Angriff nehmen", sagte Buchmann. Immerhin: Ex-Meister Maximilian Schachmann steht trotz eines Schlüsselbeinbruchs als Helfer ebenso bereit wie der an der Hand verletzte Österreicher Gregor Mühlberger.
Zeit zum Einrollen hat Buchmann nicht. Schon die zweite Etappe über 186 km mit Start und Ziel in Nizza verzeiht keine Schwächen und wird Aufschluss über die Verfassung des deutschen Stars geben. Der kolumbianische Vorjahressieger Bernal, der den internen Machtkampf gegen die Ex-Sieger Chris Froome und Geraint Thomas gewann, hat trotz seiner Blessuren einen Vorteil: Er ist nicht gestürzt - im Gegenteil zu Buchmann und Roglic.
Der Slowene, der bei der Tour auf den viermaligen Zeitfahrweltmeister Tony Martin an seiner Seite zählen kann, hatte sich bis zu seinem Dauphiné-Crash zum Top-Favoriten gemausert. Am Berg war er stärker als Bernal und Buchmann. Wenige Tage vor dem Tour-Start ist er den Status des Top-Kandidaten auf Gelb aber los.

Favoriten-Probleme Vorteil für Pinot?

"Ich dachte eigentlich, dass ich mich besser fühlen würde", sagte er. Dass ihm der Vorjahresdritte Steven Kruijswijk nach einem Sturz als Helfer fehlt, verschlechtert seine Ausgangslage zusätzlich. Buchmann, Roglic und Bernal sind angeschlagen - die Chance für die Rivalen?
Womöglich könnte ein Franzose von den Problemen seiner Gegner profitieren. Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) ist ein herausragender Kletterer und gut in Form. Erreicht er Paris, könnte er für den ersten französischen Tour-Sieg seit Bernard Hinault 1985 sorgen.
Auch andere wittern ihre Chance. Der Kolumbianer Nairo Quintana (Arkea-Samsic) will es allen Zweiflern beweisen, auch auf Youngster Tadej Pogacar (Slowenien/UAE-Team Emirates) wird zu achten sein. Sollte Roglic ausfallen oder schwächeln, könnte bei Jumbo-Visma der Niederländer Tom Dumoulin die Kapitänsrolle übernehmen.
(SID)
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