Tour de France: Chris Froome findet seinen Frieden mit der Frankreich-Rundfahrt

Christopher Froome kehrt zwei Jahre nach seinem schweren Trainingsunfall zur Tour de France zurück. Der Brite wird wohl hinterher statt vorneweg fahren - und womöglich erstmals ehrliche Sympathie erfahren. "Ich kann es kaum erwarten", sagte der viermalige Sieger des wichtigsten Radrennens der Welt vor dem Auftakt am Samstag in Brest: "Seit meinem Unfall ist es eine beschwerliche Reise gewsen."

Chris Froome in Les Gets

Fotocredit: Getty Images

Chris Froome genoss die großartige Schinderei mit einem seeligen Lächeln auf den Lippen: Neun Stunden, 240 Kilometer und 5200 Höhenmeter lang kletterte der einstige Herrscher aller Rundfahrten kurz vor der Tour de France auf einsamer Trainingsfahrt durch die Alpen rund um Annecy. "Ich liebe diesen Teil Frankreichs", sagte der 36-Jährige. Dass der Brite statt im Rollstuhl wieder im Sattel sitzt und es noch einmal zur Tour geschafft hat, ist für ihn ein wundervolles Geschenk.
"Seit meinem Unfall ist es eine beschwerliche Reise gewesen. Aber das hier war immer meine größte Motivation."
Das sportliche Leben des erfolgreichsten Radsportlers der Zehnerjahre lässt sich getrost in die Zeit vor und nach dem 12. Juni 2019 einteilen. Jenem Tag, an dem Froome seine Karriere wortwörtlich an die Wand fuhr. Einrollen für das Zeitfahren der Dauphine wollte er sich, dann lief die Nase, Froome nahm die Hände vom Lenker - und flog beim Putzversuch dank einer Windböe mit Tempo 60 ins Gemäuer.
Die Folgen waren dramatisch: Teils offene Brüche am Oberschenkel, am Brustbein und den Halswirbeln. Intensivstation. "Ich bin froh, am Leben zu sein", sagte er später. Froome war wochenlang ans Bett gefesselt, saß zeitweise im Rollstuhl, musste das Gehen neu lernen.

Schwieriger Weg zurück zur Tour

Froome aber schaffte es wieder aufs Rad, feierte im Februar 2020 sein Comeback. Der Traum vom fünften Tour-Sieg lebte. Nur: Der Körper ist nicht mehr der alte, Froome meilenweit vom einstigen Ausnahme-Können entfernt. Für die Tour-Teilnahme 2020 reichte es nicht, die folgende Vuelta beendete auf Platz 98.
Auch im Israel-Start-up!-Nation-Team, bei dem der langjährige Sky/Ineos-Kapitän eine neue, langfristig angelegte und fürstlich entlohnte Beschäftigung gefunden hat, fährt er hoffnungslos hinterher. Dass Froome für die Tour nominiert wurde, hat kaum sportliche Berechtigung, es ist - wie bei Teamkollege Andre Greipel - hauptsächliche Verneigung vor der Lebensleistung.
"Ich habe unermüdlich gearbeitet. Wenn schon nicht als Leader, will ich doch dem Team mit meiner Erfahrung helfen", sagte Froome mit Blick auf die angedachte Edelhelfer-Rolle. 2022 aber soll der dann 37-jährige Froome wieder als Leader um den Tour-Sieg fahren, in einem Alter, in dem noch nie jemand das Rennen gewonnen hat.
"Dafür haben wir ihn geholt. Er ist keine Werbefigur für uns, sondern ein Champion", sagt ISN-Miteigentümer Sylvan Adams bemerkenswert unerschütterlich: "Es gibt keinen Plan B. Wir glauben an Chris." Jenseits des Teams teilt kaum jemand diesen Glauben.
Wenn aber dieser furchtbare Crash etwas Gutes gehabt hat, dann, dass er die öffentliche Sicht auf Froome geändert hat. Zu seinen Hochzeiten war er ein eiskalter Technokrat, respektiert, nie geliebt, mitunter - wie nach der Asthmamittel-Affäre - angefeindet. Wenn Froome nun aus der persönlichen Hölle zur Tour zurückkehrt, wird er nicht mehr vorneweg, sondern hinterherfahren. Und dürfte Sympathie und Zuneigung erfahren. Vielleicht wird dies seine schönste Tour de France.
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(SID)
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Quelle: Eurosport

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