Sütterlin, der in den Sturz involviert war und die Tour de France danach aufgeben musste, erklärte gegenüber Eurosport, dass er eine irgendwie geartete Strafe für die Unfallverursacherin begrüßen würde.
"Nur dann lernt die Öffentlichkeit daraus, dass man sich so nicht verhalten darf", sagte der Freiburger, der sich am Montagmorgen im Zug zwischen der Bretagne und seiner Heimat befand. Die Untersuchungen im Krankenhaus vor Ort ergaben keine Brüche, aber Sütterlin wurde am Ellenbogen mit drei und am Handgelenk mit zwei Stichen genäht.
"Ich kann das Handgelenk kaum bewegen und werde zuhause auch nochmal zu einem Spezialisten gehen, der das nochmal genauer untersucht und sich auch die Muskulatur noch anschaut", so Sütterlin. Ob er sich an einer Klage beteiligen würde, damit hatte er sich am Montag noch nicht beschäftigt.
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Voigt meinte: "Auch wenn die Beweiskette schlüssig ist, weil die Fahrer durch dort erlittene Verletzungen in den kommenden Wochen bei ihrer Arbeit weniger leistungsfähig sind und dadurch gewisse Ergebnisse nicht erzielen können, die wiederum für Vertragsverhandlungen wichtig wären, glaube ich nicht, dass sich die Fahrer so einen Rechtsstreit antun, um dann vielleicht 5.000 Euro Schadensersatz zu bekommen."

Unglaubliche Szene: Zuschauerin löst mit Schild Massensturz aus

Er merkte aber auch an, dass es der ASO bei der Klage wahrscheinlich auch gar nicht direkt darum gehe, die Frau für den Vorfall tatsächlich hart zu bestrafen. "Niemand erwartet ernsthaft eine Zahlung. Es geht mehr um die Aufmerksamkeit für das Thema", meinte der Ex-Profi. "Die ASO muss einfach ein Zeichen setzen. Das kann man nicht einfach so vorbeiziehen lassen, gerade weil es auch so groß in den Medien war. Deshalb muss man da jetzt auch ein Exempel statuieren und den Fahrern signalisieren, dass man um ihre Sicherheit kämpft."
Dieses Zeichen ist wichtig, da die ASO als Rennveranstalter grundsätzlich natürlich auch selbst für die Streckensicherung mitverantwortlich ist. 200 Kilometer Straßenrennen komplett abzusperren, ist kaum möglich und so lassen sich derartige Vorfälle nie komplett ausschließen. Doch auch der Veranstalter ist nach diesem Unfall angreifbar – und da ist die offensive Herangehensweise mit der aktiven Klage gegen die Unfallverursacherin auch Selbstschutz der ASO.

"Man ist Zuschauer, nicht Teil der Show"

Rund 46 Kilometer vor dem Ziel der 1. Tour de France-Etappe am Samstag hatte eine Zuschauerin ein Pappschild mit der Aufschrift "Allez Opi Omi" in die TV-Kameras gehalten. Dabei stand sie mit dem Rücken zum Peloton und mit einem Fuß auf der Straße. Tony Martin (Jumbo – Visma) konnte ihr nicht mehr ausweichen und es kam zum riesigen Massensturz. Zahlreiche Fahrer wurden verletzt, Jasha Sütterlin (Team DSM) musste das Rennen sogar aufgeben.
"Das ist das, was die Öffentlichkeit lernen muss: Die Fahrer arbeiten da, sie sind an ihrem Arbeitsplatz. Und da kann man nicht einfach reinlaufen und sich selbst inszenieren. Man ist Zuschauer, aber nicht Teil der Show", betonte Voigt. "Und um genau das zu unterstreichen ist es wichtig, dass das Thema jetzt groß ist. Und auch deshalb macht die ASO das mit der Anzeige."
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