Tour-Massensturz: Zuschauerin fleht vor Gericht um Verzeihung für folgenschwere Pappschild-Aktion auf der 1. Etappe

Emotionaler Auftritt vor Gericht: Die Zuschauerin, die bei der Tour de France mit ihrem Pappschild einen Massensturz auslöste, hat die Radprofis um Verzeihung gebeten. Beim Auftakt des Prozesses im bretonischen Brest zeigte sich die Französin reumütig, immer wieder den Tränen nahe und geschüttelt von ihren Gefühlen äußerte sie sich zu der folgenschweren Szene auf der 1. Tour-Etappe am 26. Juni.

Eine Zuschauerin löst einen Massensturz aus

Fotocredit: Eurosport

Mit ihrer in die TV-Kamera gestreckten Grußbotschaft an ihre deutschen Großeltern ("Allez Opi-Omi") hatte die 31-Jährige zuerst Tony Martin und dadurch in einer Kettenreaktion Dutzende weitere Fahrer zu Fall gebracht - mit fatalen Folgen.
"Sie sind mit über 40 km/h gestürzt und haben zwanzig Minuten gebraucht, um weiterzufahren. Die Fahrer waren übel zugerichtet, hatten Schürfwunden, Brüche", erinnerte der Anwalt der als Nebenkläger auftretenden internationalen und französischen Profigewerkschaften UNCP bzw. CPA, Romuald Palao.
Szenen, die auch die Unfallverursacherin tief erschütterten. "Es war nicht meine Absicht, sie zu verletzen, ihre Karrieren zu zerstören", versicherte sie. "Ich liebe den Sport und weiß, welche Entbehrungen er fordert."
"Alles ging derart schnell", schilderte sie die Situation, "ich dachte, ich sei nicht so nah an der Straße und habe dann meinem Drang nachgegeben, das Schild in die Kamera zu halten." Sie betonte aber, sich im Anschluss an den Sturz nicht aus dem Staub gemacht zu haben, berichtet die Lokalzeitung "Le Télégramme" aus dem Gerichtssaal: "Ich weiß, dass ich eine Dummheit gemacht habe. Ich habe abgewartet, bis alle wieder unterwegs waren und habe dann die Straße wieder überquert."
Warum aber habe sie dann über drei Tage gewartet, bevor sie sich den Behörden stellte, fragte der Vorsitzende Richter nach. "Die ersten beiden Tage war ich vor Scham und Angst angesichts des Medienwirbels völlig am Boden", gestand die Frau. Ihr Verteidiger sprach angesichts von Hasskommentaren und Drohungen in den Sozialen Medien von einer "Lynchjagd". Auch aus diesem Grund hatte er den Ausschluss der Öffentlichkeit bei dem Verfahren beantragt, was das Gericht jedoch ablehnte.

"Affäre muss eine pädagogische Wirkung haben"

In der Gesamtschau sah Staatsanwältin Solenn Briand letztlich vom maximalen Strafmaß (1 Jahr Haft und bis zu 15.000 Euro Geldbuße) ab und forderte, auch mit Blick auf die labile Persönlichkeit der Angeklagten, eine "Verwarnungsstarfe von vier Monaten auf Bewährung", während CPA und UNCP jeweils einen symbolischen Euro an Schadenersatz verlangten.
"Diese Affäre muss eine pädagogische Wirkung haben, damit sich so ein Vorfall nicht wiederholt", unterstrich Palao, der Anerkennung für die aufrichtige Entschuldigung der Angeklagten bei den Fahrern äußerte.
Das Urteil soll am 9. Dezember gesprochen werden.
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Unglaubliche Szene: Zuschauerin löst mit Schild Massensturz aus

Quelle: Eurosport

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