Tadej Pogacar tunkte die Pommes in die Soße, nahm einen tiefen Schluck aus dem Pappbecher und atmete einfach mal durch. Die Strapazen der hammerharten Wochen bei der Tour de France, die immer wiederkehrenden Fragen und Vergleiche - all das schien weit weg, als der Radsport-Wunderknabe kurz vor der Weiterreise zu seiner Krönung nach Paris in einem Schnellrestaurant zwischenstoppte.
"Was für drei anstrengende Wochen das waren", hatte Pogacar kurz zuvor zu Protokoll gegeben, gezeichnet von der Hitze im Südwesten Frankreichs. Beim abschließenden Zeitfahren musste der so junge Alleskönner eigentlich nur noch das Ziel erreichen, um seinen erneuten Gesamtsieg zu sichern. Doch der 22-Jährige investierte noch einmal alles - so wie er es die gesamte Tour getan hatte: "Ich bin so froh, dass es zu Ende geht."
Dann durfte - oder besser musste - der jüngste Doppel-Champion in der Geschichte des prestigeträchtigsten Radrennens der Welt einmal mehr erklären, wie er das geschafft hatte. Diese Tour so zu dominieren, seinen Widersachern im Peloton in dieser Art und Weise die Grenzen aufzuzeigen. Dabei ist die Sache aus Pogacars Sicht ganz simpel.
Tour de France
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"Ich genieße einfach das Radfahren", sagte der Slowene, als er im stickigen Pressezentrum in Libourne als gereifter Champion auf dem Podium die Fragen der Presse beantwortete: "Ich sehe mich nicht selbst als Boss des Pelotons." Von einer neuen Ära hatte der Kapitän des UAE Teams Emirates schon Tage zuvor nicht sprechen wollen.

Tadej Pogacar während des Zeitfahrens auf der 20. Etappe

Fotocredit: Getty Images

Pogacar kann neue Ära prägen

Doch genau das ist es, was selbst Größen des Radsports Pogacar zutrauen. "Er sieht aus wie der neue Kannibale", sagte Eddy Merckx in Anlehnung an seinen eigenen berühmten Spitznamen. Der Belgier hatte zwischen 1969 und 1974 die Tour fünfmal gewonnen. Und wenn nichts passiere, "kann Pogacar die Tour sicherlich mehr als fünf Mal gewinnen".
Ob das tatsächlich eintrifft, muss sich zeigen. Und obwohl Pogacar mit dem größten Vorsprung seit sieben Jahren das Ziel auf den Champs-Elysees erreichte, darf sich der Youngster, der längst zu einem Dominator geworden ist, in Zukunft mit Sicherheit auf mehr Gegenwehr einstellen.
"Tadej ist nicht unschlagbar", bekräftigte etwa Jonas Vingegaard. Der Däne zählt zu den Entdeckungen der diesjährigen Großen Schleife, im Gesamtklassement landete er mit 5:20 Minuten Rückstand auf Rang zwei. Immerhin: Im abschließenden Zeitfahren nahm er Pogacar noch ein paar Sekunden ab, am Mont Ventoux fuhr er dem Mann in Gelb einmal sogar kurzzeitig davon. "Das gibt Selbstvertrauen für die Zukunft", sagte Vingegaard.

Pogacar-Jäger Vingegaard

Der 24-Jährige rückte beim Team Jumbo-Visma in vorderste Front, nachdem der eigentliche Pogacar-Herausforderer Primoz Roglic (31) früh aus der Tour ausgestiegen war. Es könnte eine vorgezogene Wachablösung gewesen sein: Nicht unwahrscheinlich, dass Vingegaard im kommenden Jahr, wenn die Tour in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen startet, als Kapitän mit um Gelb kämpfen darf. "Er kann sehr bald die Tour gewinnen", sagte sogar Pogacar.
Das gilt auch für weitere Fahrer aus der jungen Radsport-Generation, ein Trend ist erkennbar: Bis auf Vuelta-Doppelsieger Roglic waren die Sieger der jüngsten sieben großen Rundfahrten maximal 25 Jahre alt.
Und so werden im kommenden Jahr weitere Herausforderer für Pogacar hinzukommen. Mit Sicherheit etwa das belgische Supertalent Remco Evenepoel (21) oder wieder der frühere Tour-Sieger und aktuelle Giro-Champion Egan Bernal (24). Eventuell der Portugiese Joao Almeida (22) oder erneut "Oldie" Richard Carapaz (28), der in diesem Jahr Dritter wurde.
Tadej Pogacar, dem Gejagten einer neuen Generation, ist das alles ganz recht. Für ihn ist Radsport ein Spiel. Eines, in dem er derzeit unschlagbar scheint.
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