Tour de France 2021: Politt landet per Solo-SIeg den ersten deutschen Coup

Nils Politt hat in Nimes die 12. Etappe der Tour de France gewonnen. Der Hürther setzte sich nach 159,4 Kilometern als Solist durch und feierte nach Rang zwei bei Paris-Roubaix 2019 den größten Erfolg seiner Karriere. Politt hatte der 13-köpfigen Ausreißergruppe des Tages angehört und zwölf Kilometer vor dem Ziel am letzten Hügel vor Nimes seine letzten beiden Begleiter abgeschüttelt.

Nils Politt (Bora-Hansgrohe) vainqueur à Nimes de la 12e étape du Tour de France

Fotocredit: Getty Images

"Es ist unglaublich. Es ist ein Traum, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen. Ich habe mich in den letzten Tagen schon gut gefühlt und habe heute einfach versucht, mein Bestes zu geben. Dass jetzt ein Etappensieg herauskommt, ist unglaublich", freute sich Politt, der vor zwei Jahren während der Tour de France Vater geworden war.
"Der Radsport ist meine Leidenschaft, und die meiner ganzen Familie. Ich bin so viel weg von zuhause, und das ist jetzt die große Belohnung."
Mit seinem Etappensieg machte Politt auch das Aus von Bora – hansgrohe-Teamkapitän Peter Sagan vergessen, der am Vormittag aufgrund einer Schleimbeutelentzündung am Knie die Tour verlassen hatte.
Der Ausstieg des Slowaken sorgte auch dafür, dass der Rest des Teams mehr Freiheiten für Ausreißversuche bekam – und Politt, der seine fünfte Tour bestreitet, nutzte das prompt. "Wir mussten heute vor dem Start entscheiden, dass Peter die Tour wegen seiner Knieprobleme verlässt. Das hat natürlich auch etwas unsere Taktik geändert", erklärte Politt.
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Politt nutzt die Gunst der Stunde - die Highlights der 12. Etappe

Quelle: Eurosport

31 Sekunden nach ihm wurde der spanische Routinier Imanol Erviti (Movistar) vor dem Australier Harry Sweeny (Lotto Soudal) Zweiter. Der Schweizer Stefan Küng (Groupama – FDJ) kam mit 1:58 Minuten Rückstand auf Rang vier, André Greipel (Israel Start-Up Nation) sprintete 2:06 Minuten nach Politt aus der Verfolgergruppe heraus auf Etappenrang sechs.
Schon zu Etappenbeginn gehörten Greipel und Politt zu den Fahrern, die sofort attackierten und so dafür sorgten, dass sich die Gruppe des Tages bildete, der auch Weltmeister Julian Alaphilippe (Deceuninck – Quick-Step) angehörte.
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Politt im Siegerinterview: "Das ist die große Belohnung"

Quelle: Eurosport

Aus dieser Gruppe heraus attackierte Politt 50 Kilometer vor dem Ziel noch einmal, kam aber zunächst nicht weg. Dann aber löste er sich zehn Kilometer später doch noch mit Sweeny, Erviti und Küng.
"Es war eine ganze Reihe schneller Männer in unserer Gruppe und ich wusste, dass ich das Rennen hart machen musste. Deshalb habe ich recht früh die erste Attacke gesetzt. Dann waren wir zu viert weg und dann hat mein Sportlicher Leiter mir gesagt: Jetzt ist der letzte Anstieg vor dem Ziel, probier' es nochmal! Das habe ich dann gemacht, und dann solo zur Ziellinie zu kommen, das ist unbeschreiblich", schilderte Politt das Finale und seinen siegbringenden Vorstoß zwölf Kilometer vor Schluss.
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Eine Attacke wie aus dem Lehrbuch: Politts Finale in Nimes

Quelle: Eurosport

Das Hauptfeld erreichte das Ziel knapp 16 Minuten nach Politt und Mark Cavendish (Deceuninck - Quick-Step) sprintete dort auf Etappenrang 14, um seine Führung in der Punktewertung ums Grüne Trikot souverän zu verteidigen. Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) erreichte zeitgleich mit dem Briten das Ziel und behielt das Gelbe und das Weiße Trikot, Nairo Quintana (Arkéa - Samsic) behauptete das Bergtrikot.

Der Rennverlauf:

Schon direkt nach dem Start im Rhone-Tal wehte starke Seitenwind ins Feld und zersprengte selbiges in vier große Gruppen. Sofort kam es zu Attacken und es wurde hektisch, aber nach rund 15 Kilometern hatten sich 13 Mann an der Spitze zusammengefunden und im Hauptfeld kehrte Ruhe ein.
Vorne mit dabei: Weltmeister Julian Alaphilippe (Deceuninck – Quick-Step), die Schweizer Stefan Bissegger (EF Education – Nippo) und Stefan Küng (Groupama – FDJ) sowie die beiden Deutschen André Greipel (Israel Start-Up Nation) und Nils Politt (Bora – hansgrohe). Die Spitzenreiter bauten entlang der Schlucht der Ardeche kontinuierlich ihren Vorsprung aus und das Loch wuchs kontinuierlich auf über zehn Minuten an, bis er sich zwischen zwölf und 13 Minuten einpendelte.
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Trainingskumpels: So schön freut sich Greipel über Politts Sieg

Quelle: Eurosport

50 Kilometer vor dem Ziel warf Politt der Gruppe dann aber den Fehdehandschuh vor die Füße, als Alaphilippe gerade nach dem Teamwagen verlangte, und ritt die erste Attacke. Swift sprang mit und nach und nach kamen auch die Anderen wieder nach vorne. Sechs Kilometer später waren die 13 wieder komplett beisammen, doch von nun an kehrte keine Ruhe mehr ein.

Sweeny sorgt für Selektion mit Politt, Küng und Erviti

Als nächstes setzte Harry Sweeny (Lotto Soudal) 40 Kilometer vor dem Ziel den nächsten Angriff und es folgten Imanol Erviti (Movistar) sowie Küng und Politt. Das Quartett fand sich schnell und arbeitete sofort zusammen, während sich die ehemaligen Begleiter noch einen Moment zu lange anschauten.
Bissegger und Alaphilippe versuchten es dann mit der Brechstange, nochmal vorzukommen, hatten aber beide gleich die gesamte Gruppe am Hinterrad und steckten dann wieder auf. So wuchs der Vorsprung des Quartetts in Foissac 37 Kilometer vor dem Ziel auf 25 Sekunden an und es schien, als sei die erste Selektion im Kampf um den Etappensieg gemacht.
In Uzès rollte 27 Kilometer vor dem Ziel Politt als Erster über den Zwischensprint – allerdings ohne zu sprinten, sondern als Teil seiner Führungsarbeit im gut harmonierenden Quartett, das weiterhin nur 30 Sekunden vor seinen ehemaligen Begleitern lag, die sich ebenfalls wieder zusammenrauften, um ihre Chancen auf den Sieg am Leben zu halten. Das Hauptfeld hingegen ließ es weiter ruhig angehen und lag nun bereits 14:30 Minuten zurück.

Sweeny bringt Küng an letztem Hügel zum Platzen

20 Kilometer vor Schluss begann der Vorsprung auf die Verfolgergruppe dann aber doch weiter anzuwachsen, und das Quartett begann kurz darauf den letzten Anstieg des Tages - knapp 150 Höhenmeter auf etwa vier Kilometern - an der Pont Saint-Nicolas am Gard mit einer Minute Vorsprung auf Alaphilippe, Greipel und Co.
Im Anstieg erhöhte dann der auf dem Papier kletterstärkste der vier Spitzenreiter das Tempo: Sweeny – Sieger der U23-Variante der Lombardei-Rundfahrt im vergangenen Jahr. Der Australier riss kurzzeitig eine Lücke, doch Politt und Erviti schlossen schnell wieder auf. Küng aber konnte nicht mehr folgen und musste das Trio ziehen lassen.
Und dann setzte Politt kurz vor der Kuppe, knapp zwölf Kilometer vor dem Ziel, die entscheidende Attacke. Der Hürther ließ ein kleines Sprinterloch, beschleunigte dann voll und schoss an seinen beiden Begleitern vorbei. Die schauten sich einen Moment zu lange an und schon war Politt weg.
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Sagan und Teamarzt Edler schildern die Knieverletzung

Quelle: Eurosport

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