"Ich kann es nicht glauben. Wir dachten es würde ein Sprint werden, dass Deceuninck und Alpecin das Feld zusammenhalten würden. Aber es war unruhig nach dem Start, also wusste ich, dass ich vorn im Feld bleiben musste. Als die erste Gruppe ging, bin ich mitgegangen", fasste Mohoric die Etappe zusammen.
"Am Hügel vor meiner Attacke war ich absolut am Limit, mir sind fast die Beine explodiert. Aber ich wusste, dass das der entscheidende Moment sein würde. Ich habe so stark angegriffen, wie ich konnte. Auch wenn ich dann vielleicht vollends explodiert wäre", so der Slowene nach seinem 25-Kilometer-Solo zum Ziel.
Tageszweiter wurde 58 Sekunden hinter dem Slowenen der Franzose Christophe Laporte (Cofidis) vor Casper Pedersen (Team DSM) aus Dänemark.
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26/06/2021 AM 15:57
Mohoric hatte im Ziel eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 47,9 km/h auf dem Radcomputer. Der 26-Jährige sorgte für den fünften Etappensieg eines Slowenen bei dieser Tour und den dritten seines Teams Bahrain Victorious, dessen Hotel und Teambus vor zwei Tagen in Pau wegen Dopingverdachts von der Polizei durchsucht worden war.

"Sie schauen in dein Handy": Mohoric spricht über Polizei-Razzia im Teamhotel

"Ich habe auf den letzten Kilometern vor allem an die Polizei-Aktion vor zwei Tagen gedacht. Da habe ich mich wie ein Krimineller gefühlt. Sie haben nichts gefunden, weil wir nichts zu verstecken haben", sagte Mohoric im Sieger-Interview nachdem er bei der Zieldurchfahrt bereits den Finger auf den Mund gelegt hatte, als Zeichen für die Kritiker an ihm und seinem Team.
"Es ist zwar wichtig, dass kontrolliert wird, aber ich bin etwas enttäuscht vom System. Es ist nicht toll, wenn die Polizei in dein Zimmer kommt und alle persönlichen Sachen durchsucht, wie Fotos von der Familie und das Handy."

Zeichen an die Kritiker: Mohoric überquert Ziellinie mit Finger auf den Lippen

Nils Politt (Bora – hansgrohe) kam mit 1:08 Minuten Rückstand auf den fünften Platz. Er war der Beste von vier Deutschen in der 20-köpfigen Ausreißergruppe des Tages, die den Sieg unter sich ausmachte. Georg Zimmermann wurde zeitgleich mit Politt Achter, Max Walscheid (Qhubeka – NextHash) und Jonas Rutsch (EF Education – Nippo) fuhren 2:37 Minuten nach Mohoric als Zwölfter und 15. ins Ziel.
Das Hauptfeld hatte es nach einer hektischen Anfangsphase in der zweiten Hälfte der 207 Kilometer langen Etappe locker angehen lassen und erst gut 20 Minuten nach dem Sieger das Ziel erreicht. Dort verteidigten Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) und Mark Cavendish (Deceuninck – Quick-Step) ihre Führungen in der Gesamt-, Nachwuchs- und Berg- sowie Punktewertung quasi kampflos. Auffällig war dabei, dass Cavendishs Team Deceuninck – Quick-Step von Beginn an nicht versuchte, auf eine Sprintankunft in Libourne hinzuarbeiten.

Der Rennverlauf:

Nachdem es schon früh im Rennen erstmals im Hauptfeld krachte, bildete sich schon nach vier Kilometern die erste fünfköpfige Ausreißergruppe um die beiden Deutschen Jonas Rutsch (EF Education – Nippo) und Georg Zimmermann (Intermarché – Wanty – Gobert). Das Quintett fuhr in der Folge rund vier Minuten Vorsprung heraus und nahm im Vorbeigehen den Zwischensprint nach 54 Kilometern mit.
Dort sicherte sich Michael Matthews (BikeExchange) im Hauptfeld neun Punkte und machte dadurch drei Zähler auf das Grüne Trikot von Mark Cavendish (Deceuninck – Quick-Step) gut. Etwa 20 Kilometer später lancierte Nils Politt (Bora – hansgrohe) eine weitere Attacke aus dem Feld und initiierte dadurch eine 15-köpfige Verfolgergruppe, die 100 Kilometer vor Schluss zu Rennhalbzeit zur Spitze aufschloss.
Während die Verfolger die Spitze jagten, war auch im Hauptfeld das Tempo hoch und es schien noch alles offen zu sein – auch in Richtung Sprintankunft. Doch als dann nach dem Zusammenschluss die 20 neuen Spitzenreiter gut zusammenarbeiteten, ging die Lücke wieder weiter auf und es dauerte nur etwa 20 Kilometer, bis die Teams der Sprinter im Hauptfeld die Nachführarbeit aufgaben.

Cavendish und Deceuninck jagen Ausreißer nicht mit

Cavendishs Team hatte sich ohnehin nicht beteiligt, und so hing die meiste Verfolgungsarbeit an Alpecin – Fenix und Israel Start-Up Nation. 80 Kilometer vor dem Ziel war diese Verfolgungsarbeit jedoch vorbei und nun war die Entscheidung gefallen: Die Gruppe des Tages baute kontinuierlich ihren Vorsprung und 40 Kilometer vor Schluss standen bereits mehr als elf Minuten auf der Uhr.
Nun, da klar war, dass die 20 Mann vorne den Sieg unter sich ausmachen würden, war es vorbei mit der Einigkeit der Ausreißer und das gegenseitige Attackieren begann. Besonders aktiv war dabei Rutsch, der es immer wieder probierte, da er mit Michael Valgren noch einen Teamkollegen bei sich hatte.
37 Kilometer vor Schluss sorgte der Odenwälder an einem Hügel dafür, dass die Gruppe explodierte, kam selbst aber nicht ganz weg. Zehn Kilometer später waren dann nur noch 13 Mann an der Spitze beisammen, und am nächsten Hügel forcierte Politt das Tempo, um die Gruppe noch einmal auseinanderzureißen. Rutsch fiel dadurch zurück, dann aber attackierte Mohoric über Politts Vorlage drüber, um sich allein abzusetzen. Der Slowenische Meister setzte zum 25-Kilometer-Solo an und holte rasch eine halbe Minute heraus, weil bei den Verfolgern keiner so wirklich Politt helfen wollte.

Politt versucht es immer wieder vergeblich

An der 20-Kilometer-Marke hatte der Sieger der 7. Etappe nach Le Creusot dann bereits 40 Sekunden auf der Habenseite und drückte mit extrem dickem Gang und niedriger Kadenz weiter unwiderstehlich dem Ziel entgegen. 16 Kilometer vor Schluss versuchte es Politt erneut an einer Welle mit einem Vorstoß, doch die Konkurrenz rückte am Hinterrad mit und sofort fiel das Tempo bei den Verfolgern wieder herunter.
Dasselbe wiederholte sich rund um die Zehn-Kilometer-Marke noch mehrmals und dann steckte der Sieger der 12. Etappe von Nimes kopfschüttelnd auf: Wegfahren ließ ihn niemand, selbst im Wind arbeiten wollte oder konnte aber auch keiner mehr. Dadurch war sechs Kilometer vor dem Ziel dann klar, dass Mohoric gewinnen würde. Der Slowene hatte nun eine Minute Vorsprung.

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Kurz darauf beschleunigte Zimmermann bei den Verfolgern und kam sogar kurz weg, wurde dann aber doch wieder zurückgeholt. Im Finale schafften es dagegen Laporte und Pedersen noch, sich aus der neunköpfigen Verfolgergruppe um Politt und Zimmermann zu lösen und machten Rang zwei unter sich aus, während eine Minute vor ihnen Mohoric die Ziellinie überquert hatte – mit vielsagender Geste:
Der Slowene legte sich den Finger auf den Mund – gerichtet wohl an diejenigen, die die Glaubwürdigkeit seines Teams rund um die Polizei-Razzia vor zwei Tagen im Teamhotel in Pau in Frage stellen.
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