Der Slowene erreichte den Zielstrich der Frankreich-Rundfahrt in der französischen Hauptstadt sicher im Hauptfeld und durfte so im Gelben Trikot feiern.
Die Geschichte des Tages aber war der Sieg durch Van Aert, der mit seinem fulminanten Sprint von Paris verhinderte, dass sich Mark Cavendish (Deceuninck – Quick-Step) seinen 35. Tour-Etappensieg und damit den alleinigen Rekord sicherte.
So bleiben Cavendish und Van Aerts Landsmann Eddy Merckx mit 34 Tour-Tageserfolgen gleichauf. Schon nach Cavendishs 33. Tagessieg in Valence hatte Van Aert gescherzt, dass er nun seinem Landsmann helfen müsse - in Paris machte der Belgier das wahr.
Tour de France
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"Ich kann das gar nicht glauben. Diese Rundfahrt war so unglaublich und gleichzeitig eine Achterbahnfahrt. Es mit einem solchen Wochenende abzuschließen war weit über meinen Erwartungen", freute sich Van Aert über seinen Sieg in Paris, der ihn gleichzeitig etwas in Stress brachte: Denn durch Sieger-Interviews und die Podium-Zeremonie wurde die Zeit bis zu seinem Flug am Abend in Richtung Tokio zu den Olympischen Spielen verkürzt.

Der Sprint auf den Champs-Élysées: Cav eingebaut, Van Aert überragend

"Ich habe mich selbst in Probleme gebracht. Ich muss später noch einen Flug erwischen - und die Interviews werden einige Zeit dauern. Aber so ein Sieg ist das natürlich mehr als wert", lachte der Belgier, der seinen im Winter geborenen Sohn Georges mit aufs Podium nahm.
"Ich danke meinem tollen Team und vor allem Mike Teunissen. Wir hatten größere Chancen durch die neue Ankunft. Ich vertraute Mike voll und er hat mich perfekt abgeliefert. Hut ab", so Van Aert außerdem. Die Ankunft in Paris wurde in diesem Jahr rund 150 Meter weiter nach hinten verlegt, so dass es von der letzten Kurve am Place de la Concorde weiter bis zum Zielstrich war.
Für Cavendish liefen die Sprint-Vorbereitungen auf den letzten drei Kilometern nicht perfekt und er ließ sich auf der Zielgeraden noch etwas einbauen, bevor er hinter Van Aert und Jasper Philipsen (Alpecin – Fenix) als Dritter den Zielstrich überquerte und enttäuscht auf den Lenker hämmerte.
Trotzdem durfte der Brite aufs Podium in Paris, um sich dort als Gewinner der Punktewertung im Grünen Trikot feiern zu lassen – neben Gesamtsieger Pogacar, der neben dem Gelben auch das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers und das Gepunktete Trikot für die Bergwertung mitnahm.

Der Rennverlauf:

Die ersten 50 Kilometer der Schlussetappe verliefen, wie traditionell üblich, ruhig. Es kam zu Foto-Shootings an der Spitze des Feldes, der sonst gern genommene Sieger-Champagner blieb beim UAE Team Emirates aber aus.
Als es dann nach Paris hineinging, übernahmen die Teamkollegen des Tour-Siegers die Führung und zogen das Tempo etwas an. Nebeneinander führten sie das Rennen dann über die erste Zielpassage auf den Champs-Élysées, bevor dann Jonas Rutsch (EF Education – Nippo) den Angriffsreigen eröffnete.
Auf der ersten von acht Schlussrunden bildete sich dann mit Stefan Bissegger (EF Education – Nippo), Casper Pedersen (DSM) und Harry Sweeny (Lotto Soudal) ein erstes Trio. Nach der zweiten Zielpassage sprang dann Patrick Konrad (Bora – hansgrohe) zu Spitze vor, wo sich dagegen Pedersen bald wieder verabschieden musste.

Bora, EF und Lotto bilden zwei Ausreißer-Trios

Das Trio kam mit einer knappen halben Minute Vorsprung zum Zwischensprint eingangs der dritten Runde, wo Cavendish als Vierter noch drei Punkte mehr holte als Michael Matthews (BikeExchange), sein ärgster Verfolger im Kampf um Grün.
In der vierten Runde lösten dann Ide Schelling (Bora – hansgrohe), Brent van Moer (Lotto Soudal) und Michael Valgren (EF Education – Nippo) ihre drei Teamkollegen an der Spitze des Rennens ab und bildeten nun das neue Ausreißer-Trio, das sich bei stets zwischen 20 und 30 Sekunden Vorsprung bis eingangs der Schlussrunde vorne hielt. Dann aber beschleunigte das Hauptfeld in der direkten Sprintvorbereitung auf den letzten zehn Kilometern nochmal so stark, dass die Ausreißer 6,3 Kilometer vor Schluss gestellt wurden.

Cavendishs Mannen verlieren die Kontrolle

Danach sah es zunächst so aus, als habe Deceuninck – Quick-Step an der Spitze des Pelotons alles unter Kontrolle. Dann aber wurden Cavendishs Mannen vor der Einfahrt in den Tunnel hinter dem Louvre durch Cofidis und BikeExchange überholt und Cavendish fand sich mit Anfahrer Michael Morkov weit hinten wieder.
Der Däne brachte seinen Chef dann zwar bis zum Place de la Concorde wieder in eine gute Position nach vorne, dort aber verließ Cavendish sein Hinterrad und sortierte sich hinter Van Aert ein – eigentlich eine gute Ausgangsposition, doch als es auf den Champs-Élysées dann um den Sieg ging, war Cavendish rechts etwas eingebaut und konnte daher erst zu spät Vollgas geben. Allerdings zog Van Aert auch mit beeindruckendem Tempo auf dem dieses Jahr 150 Meter längeren Weg zum Zielstrich vom Hinterrad seines Anfahrers Mike Teunissen durch und gewann schließlich souverän.
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