Tour de France: Drei Dinge, die auffielen mit Felix Gall , Simon Geschke und Thibaut Pinot auf der Königsetappe

Die Königsetappe der Tour de France krönte Felix Gall zum triumphalen Sieger auf über 2000 Meter Höhe, während sie für Simon Geschke zum Leidensweg wurde. Die Kletterpartie über vier Alpenpässe und das Dach der Frankreich-Rundfahrt besiegelte den Tour-Sieg von Jonas Vingegaard, dessen Vorsprung im Gelben Trikot sich vervierfachte, weil Rivale Tadej Pogacar einbrach. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Pogacar leidet - Vingegaard sorgt für Vorentscheidung

Quelle: Eurosport

Wer den großen Gegenschlag von Tadej Pogacar nach seiner Niederlage im Zeitfahren erwartet hatte, dessen Erwartungen wurden auf der Königsetappe schnell gedämpft. Der vom Slowenen ersehnte Regen war zu Etappenstart schon weitergezogen, wenig später stoppte ein Sturz den Herausforderer.
Zum Hauptdarsteller wurden daher Felix Gall, der das perfekte Teamwork seiner Mannschaft mit einem Coup in Courchevel krönte, und Vingegaard, den auch ein erneuter Motorrad-Zwischenfall auf dem Weg zum nächsten Tour-Triumph nicht stoppen konnte.
Drei Dinge, die auffielen:

1.) Gall krönt sich auf Königsetappe

Ein Teamchef, dem die Tränen kommen, ein Sieger, dem die Stimme vor Emotion stockt, ein Kapitän, der vor ehrlicher Freude das Interview crasht - es war kein Erfolg wie jeder andere, den Felix Gall in Courchevel einfuhr.
Bei seiner Tour-Premiere die Königsetappe zu gewinnen, nachdem man mitten in der Rundfahrt die Leader-Rolle vom eigentlichen Anführer Ben O'Connor übernommen und von diesem mit größtem Einsatz auf dieser Alpen-Achterbahn unterstützt worden war: Dem Österreicher fielen wie seinem ag2r-Boss Vincent Lavenu sichtlich Steine im HC-Kaliber vom Herzen.
Der 25-Jährige räumte dabei nicht nur den Tagessieg ab, sondern sicherte sich auch den Sonderpreis am Col de la Loze, mit 2304 Metern der höchsten Bergwertung dieser Tour, und wurde als "Kämpferischster Fahrer" geehrt. Dazu der Sprung auf Platz acht in der Gesamtwertung und den zweiten Rang im Kletter-Klassement mit nun besten Chancen auf das Bergtrikot - an manchen Tagen kommt alles zusammen.
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"Goßartiges Solo": Gall siegt am höchsten Punkt der Tour

Quelle: Eurosport

Gall und sein Team wurden damit auch für ihre umgestellte Planung belohnt. Einerseits der Wechsel der Kapitänsrolle von O'Connor (Tour-Vierter 2021) zum Debütanten, andererseits die Programmumstellung beim Osttiroler: Eigentlich war er für den Giro d'Italia vorgesehen, doch seine Form im Frühjahr überzeugte derart, dass er in den Tour-Kader befördert wurde.
"Das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada vor der Tour de Suisse hat sehr gut funktioniert für ihn, was man an den Ergebnissen und seinem hohen Niveau im Anschluss gesehen hat", erklärte sein Trainer Stephen Barrett exklusiv gegenüber Eurosport.de den Leistungssprung: In der Schweiz gewann Gall als Solist die Bergankunft in Leukerbad vor Superstar Remco Evenepoel.
Jetzt ließ er sein Meisterstück auf der größten Bühne des Radsports folgen.
"Dieser Sieg ist für Euch, für dieses Team. Ich bin jetzt seit anderthalb Jahren in dieser Mannschaft - und das war meine beste Entscheidung", schloss Gall abends im Teamhotel mit dem Champagnerglas in der Hand bei seiner Ansprache in fließendem Französisch den Traumtag ab.
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Jubel und Emotionen: Gall nach Sieg tief bewegt

Quelle: Eurosport

2.) Geschke durchlebt Albtraum

Während Gall im siebten Radsporthimmel schwebte und auf dem Podium seine Ehrungen genoss, quälte sich Simon Geschke noch am Anstieg durch die Hölle. Der 37-Jährige kämpfte am schwersten Berg der Tour gegen die Karenzzeit - erst knapp 45 Minuten nach Gall kam er auf dem Flugplatz über die Ziellinie, den Besenwagen direkt hinter sich.
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Simon Geschke vorm Besenwagen auf der 17. Etappe der Tour de France 2023

Fotocredit: Getty Images

Der Routinier, der im Vorjahr die Fans mit seinem Fight ums Bergtrikot begeistert hatte, litt diesmal am Anstieg wie kaum je zuvor und stand knapp vor dem Aus.
"Ich hatte schon Albträume, die schöner waren. Eine ganz schlechte Etappe rausgesucht für einen schlechten Tag", schilderte Geschke später sein Martyrium gegenüber "cyclingmagazine". Dabei war der Cofidis-Profi ratlos, was der Auslöser der Schwäche gewesen sein könnte. "Keine Ahnung, was los war, musste mich auf dem Weg ins Hotel übergeben und hatte bis eben Schüttelfrost. Hoffe, dass ich morgen starten kann", ergänzte er.
Geschke, , bestreitet in diesem Jahr seine elfte Frankreich-Rundfahrt. Bisher hat er stets Paris erreicht - wir drücken ihm die Daumen, dass die Serie hält.
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Geschkes Kampfgeist belohnt: Sieg im Kampf gegen Zeitlimit

Quelle: Eurosport

3.) Wut über Chaos am Col

Anderer Berg, ähnliches Szenario: Wieder werden die Stars der Tour von stockenden Fahrzeugen ausgebremst, müssen diesmal sogar anhalten und nicht "nur" die Attacke abbrechen wie noch am Joux Plane vor wenigen Tagen.
Die Mischung aus enger Straße, Fanmassen und (zu) vielen Motorrädern und Autos sorgte am Col de la Loze für chaotische Szenen. Jonas Vinegaard im Gelben Trikot musste sich seinen Weg durch den Stau bahnen - nicht auszudenken, wenn das Rennen um den Gesamtsieg da noch der Sekundenkampf wie vor wenigen Tagen gewesen wäre.
"Das ist unmöglich", schimpfte sein Sportlicher Leiter Grischa Niermann, "da standen Autos, Motorräder und wir mussten den Leuten über die Füße fahren."
Stocksauer war auch Thibaut Pinot, der hinter einer Autokolonne im Anstieg feststeckte und stoppen musste. "Ich habe da eine halbe Minute verloren. Das war schockierend und einfach eine Schande. Die Motorräder sind fast auf mich gekippt, die Autos durften bei fünfzehn Sekunden Abstand zwischen die Fahrer - ich kann das nicht verstehen."
Die Tour braucht dringend ein Konzept, um solche Zwischenfälle zu vermeiden - inzwischen sind sieben Jahre seit vergangen, ohne dass sich im Kern etwas geändert hätte.
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Tour de France 2023 : Stage 17 - Tadej Pogacar interview at finish

Quelle: Eurosport

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