Eurosport
Tour de France: Nur noch Nebenrollen für deutsche Radprofis in Frankreich - "Wir bezahlen die Zeche"
Von
Publiziert 26/06/2023 um 17:29 GMT+2 Uhr
Auch wenn die deutschen Meisterschaften mit Sieger Emanuel Buchmann ein anderes Bild vermittelten, so sind die großen Zeiten des deutschen Radsports vorbei. 1997 gewann Jan Ullrich die Tour de France und seitdem wartet Deutschland auf seinen Nachfolger. Der deutsche Radsport steckt in der Krise. Bei der Tour sind deutsche Fahrer kaum noch gefragt, das Aufgebot ist so klein wie lange nicht mehr.
Emanuel Buchmann, Clément Champoussin
Fotocredit: Getty Images
Jan Ullrich machte sich höchstpersönlich ein Bild. Entspannt plauderte der Tour-de-France-Sieger von 1997 bei den deutschen Straßenrad-Meisterschaften mit seinem früheren Weggefährten Erik Zabel, dann jubelte er dem neuen Champion Emanuel Buchmann zu.
Rund um die Titelkämpfe im Schwarzwald herrschte Festtagsstimmung, doch die Realität sieht anders aus.
Die großen Zeiten des deutschen Radsports sind vorbei. Zwar bewies Buchmann im Straßenrennen nach einem 75 km langen Solo auf dem anspruchsvollen Meisterschaftskurs zwischen Donaueschingen und Bad Dürrheim eindrucksvoll seine Klasse.
Aber das deutsche Meisterjersey wird er nicht gegen das Gelbe Trikot bei der bevorstehenden Tour eintauschen können. 26 Jahre nach Ullrichs Triumph wartet Deutschland weiter auf seinen Nachfolger.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/06/22/3731270.jpg)
Emanuel Buchmann (Team BORA-Hansgrohe)
Fotocredit: Getty Images
Buchmann soll Hindley durch die Berge führen
Bei der am Samstag startenden Tour ist Buchmann, der 2019 als Vierter noch am Podium gekratzt hatte, nur noch als Edelhelfer gefragt. Kapitän Jai Hindley durch die Berge führen, so lautet die Ansage.
"Das ist die oberste Priorität", sagte Buchmann, der aus Sicht seines Sportlichen Leiters Rolf Aldag im Hochgebirge "der absolute Schlüssel" sei.
Den weiteren Startern aus Deutschland ergeht es ähnlich. Buchmanns Teamkollege Nils Politt, John Degenkolb (Team DSM) sowie Georg Zimmermann (Intermarche-Circus-Wanty), Simon Geschke (Cofidis), Phil Bauhaus und Nikias Arndt (beide Bahrain-Victorious) übernehmen vor allem Helferrollen, sind im Kampf um Etappensiege nur Außenseiter.
Das deutsche Aufgebot ist ohnehin so klein wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Ein Grund dafür ist laut Bora-hansgrohe-Teamchef Ralph Denk die dunkle Vergangenheit.
Zwar löste Ullrich mit seinem Erfolg einen Boom in Deutschland aus, das folgende Doping-Dilemma Anfang der 2000er Jahren schreckte viele potenzielle Talente aber wieder ab. "Jetzt bezahlen wir die Zeche", sagte Denk dem "SID".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/09/28/3461573.jpg)
Jan Ullrich und Lance Armstrong bei der Tour de France 2005
Fotocredit: Getty Images
Deutscher Radsport hat ein Nachwuchsproblem
"Viel weniger Leute haben sich inspirieren lassen, aufs Rad zu steigen", so Denk. Mit dem "dopingverseuchten Sport" habe "keiner etwas zu tun haben" wollen.
Auf der anderen Seite machte der 49-Jährige zu wenige Radrennen im Nachwuchsbereich und infrastrukturelle Probleme aus. Es sei "eine Summe aus allem".
Tony Martin sieht das ähnlich. "Ich mache mir schon Gedanken, dass es im deutschen Nachwuchs mangelt", sagte der frühere Zeitfahr-Experte im "SID"-Interview und forderte: "Wir brauchen deutsche Erfolge."
Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Lennard Kämna. Bei Bora-hansgrohe probierte sich der 26-Jährige zuletzt beim Giro d'Italia nicht unerfolgreich als Klassementfahrer, ob er den weiten Weg aber weitergeht, ist unklar.
Bei der Tour de France legt Kämna aber eine Pause ein. Mit einer Rückkehr ist erst im kommenden Jahr zu rechnen.
Das könnte dich ebenfalls interessieren: Bernal nach schwerem Unfall wieder bei Tour dabei - Starkes Team für Pogacar
(SID)
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/06/26/3733247-75954868-2560-1440.png)
Highlights: Wirbel um Spitzengruppe - Buchmann eine Klasse für sich
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung