Tour de France: Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard vor neuem Duell? Dritter Sieganwärter kommt ins Spiel

Das Duell zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar bei der Tour de France wird die Fans nicht nur auch bei seiner Neuauflage 2024 elektrisieren - es dürfte sogar zu einem Dreikampf werden. Denn mit Remco Evenepoel kommt zur 111. Ausgabe das nächste Wunderkind als "weiterer Spieler in den Ring", so Jens Voigt. Einen neuen Angriff auf Etappensiege könnte dabei derweil Mark Cavendish starten.

Emotionale Worte bei Ehrung: Vingegaard erhält die Krönung

Quelle: Eurosport

Die Tour de France 2023 hat die Fans mit packenden Duellen begeistert und war eine Jagd nach jeder Sekunde: Wann immer sich die Chance bot, gingen Pogacar und Vingegaard in die Offensive und sorgten dafür, dass jeder Anstieg zur Bühne für ihren Zweikampf werden konnte.
Gerade das Schlusswochenende der 110. Frankreich-Rundfahrt bewies dies noch einmal, mit dem letzten Schlagabtausch in den Anstiegen der Vogesen bis auf die Zielgerade am Markstein sowie Pogacars Attacke noch auf den Champs-Elysées. Nach 3406 Kilometern von Bilbao nach Paris könnte die Vorfreude auf die Revanche nicht größer sein.
Drei Dinge, die auffielen:

1.) Neues Duell um Gelb wird zum Dreikampf

So spannend wie 2023 war seit Jahrzehnten keine Tour über die ersten zwei Rennwochen hinweg - und auch mit dem Endergebnis haben Vingegaard und Pogacar Geschichte geschrieben. Noch nie belegten die selben zwei Fahrer drei Jahre hintereinander die ersten beiden Plätze - es steht nun 2:1 für den Dänen und auf das vierte Duell können sich die Radfans schon jetzt freuen. Es könnte noch länger auf Messers Schneide stehen, denn ohne seinen Sturz im April wäre der Slowene ein noch gefährlicherer Rivale gewesen: Vingegaard wird nicht vergessen haben, wie noch im März die Rollenverteilung bei Paris - Nizza war, wo er klar unterlegen nur Dritter wurde.
Seine diesmal extreme Überlegenheit im Kampf gegen die Uhr sollte Vingegaard nicht als gesetzt einpreisen, meint Eurosport-Experte Jens Voigt: "Ich glaube nicht, dass er noch einmal ein solches Zeitfahren zeigen kann - da kam einfach für ihn alles perfekt zusammen", schätzt er dessen furchterregend starken Auftritt auf der 16. Etappe rückblickend ein. Für Bernhard Eisel kommt dabei als weiterer Faktor das Material ins Spiel, wo Pogacar in dieser Disziplin massiv unterlegen gewesen sei. "Jumbo hatte da einen riesigen Vorteil, bei Colnago wird viel daran gearbeitet werden", prognostiziert der Österreicher.
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Würdiger Sieger: "Vingegaard war immer der Herr im Ring"

Quelle: Eurosport

Ein ganz neuer, noch spannenderer Faktor für den Juli 2024 dürfte aber sein, dass ein noch stärkerer Zeitfahrer als die beiden aktuellen Tour-Dominatoren ins Rennen ums Gelbe Trikot eingreifen und es zu einem Dreikampf machen dürfte. "Mit Remco Evenepoel kommt ein weiterer Spieler in den Ring - er kann das Podium ergänzen, in welcher Position auch immer", so Voigt. Dem stimmt Eisel vorbehaltlos zu: "Er hat definitiv die Chancen, ums Podest mitzumischen", lobt er den jungen Belgier, der im Mai den Giro d'Italia auf Siegkurs liegend mit einer Corona-Erkrankung aufgeben musste.
Die Bühne für 2024 ist schon zu Teilen aufgestellt und bietet einen prächtigen Start und das schwerste Finale, das die Rundfahrt wohl je hatte. Der Auftakt in Florenz bietet zwei Auftaktetappen mit sieben bzw. sechs Bergwertungen, die für jede Menge Rennaction sorgen dürften - sie stehen dem Start im Baskenland 2023 nicht nach. Das Finale, das wegen der Olympischen Sommerspiele nicht in Paris, sondern in Nizza sein wird, ist extrem schwer. Eine Bergankunft am vorletzten Tag und ein schweres Zeitfahren über 35 Kilometer zum Abschluss machen es zum vielleicht härtesten Schlusswochenende überhaupt.
Dass es 2024 mehr als nur ein Duell ums maillot jaune geben könnte, hält Eisel auch aus anderen Gründen für möglich: "Alle Mannschaften wollen jedes Jahr noch professioneller werden, um diese beiden über andere Taktiken noch mehr in Bedrängnis zu bringen – wie Bora auf der 5. Etappe mit Jai Hindley", betont er.
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Hindley düpiert die Konkurrenz - Vingegaard hängt Pogacar ab

Quelle: Eurosport

Die Vuelta a Espana wird uns einen Vorgeschmack geben (ab 26. August live bei Eurosport), wenn dort Vingegaard und Evenepoel aufeinandertreffen und sich dabei auch mit den beiden Topfahrern des Giro, Primoz Roglic und Geraint Thomas, sowie Pogacars UAE-Kronprinz Juan Ayuso messen.
Voigts Fazit daher, nach Vingegaards zweitem Tour-Sieg mit etlichen Minuten Vorsprung: "Auch für ihn sind weitere Siege nicht garantiert." Dass er am 29. Juni in Florenz am Start sein und den Hattrick in Angriff nehmen will, hat Vingegaard schon bestätigt. Und auch Pogacar wird sich erst dann seinen anderen Zielen wie Giro und Vuelta zuwenden, wenn er die Scharte bei der Tour ausgewetzt hat, machte seine Mannschaft deutlich.

2.) Sprint-König lässt Konkurrenz hoffen

Vier Etappensiege, haushohe Dominanz in der Punktewertung und zum Abschluss jene Etappe, die er schon 2022 gewonnen hatte, ohne dass er (im Unterschied zu diesem Jahr) damals in Paris Mathieu van der Poel als Anfahrer gehabt hätte: Alles schien auf den Champs-Elysées auf einen weiteren Erfolg von Jasper Philipsen hinauszulaufen. Doch am Ende jubelte mit Jordi Meeus ein Außenseiter aus der Sprinterriege nach dem knappsten Finale dieser Tour.
Neben den beiden Belgiern waren aber auch Dylan Groenewegen und Mads Pedersen ganz nah an diesem Sieg dran und erinnerten sich und alle anderen Sprinter daran, dass der Träger des Grünen Trikots nicht so unschlagbar ist, wie es manchen im Laufe dieser Tour schien. Denn schon auf der 4. Etappe war es zwischen ihm und Caleb Ewan ganz eng gewesen und auf der 7. Etappe hätte man in Bordeaux gerne gesehen, wie es ohne Mark Cavendishs technische Probleme ausgegangen wäre.
Dazu kommt, dass gerade in den ersten Sprints dieser Tour das Auftreten von Philipsen und seiner Alpecin-Garde mit internationaler Härte noch vornehm umschrieben gewesen wäre. der Abschluss dieser Tour macht deshalb allen anderen Sprintern Hoffnung, auch Phil Bauhaus (der in dieser Tour mehrfach nah dran war) und Pascal Ackermann (der 2024 für ein neues Team endlich sein Debüt bei der Tour geben dürfte). Und nicht zuletzt Paris-Rekordsieger Cavendish könnte seine Karrierepläne nach den Eindrücken dieser Schlussetappe weiter genau überdenken: Noch immer lockt der alleinige Tour-Rekord und noch immer scheint kein Rivale unschlagbar: Was Meeus kann, kann ich auch, dürfte sich der Gewinner der Giro-Schlussetappe durchaus gedacht haben.
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Kommt Cavendish zurück? Darauf wird es ankommen

Quelle: Eurosport

3.) Superstars mit Siegflaute

Wout Van Aert, Julian Alaphilppe, Mathieu van der Poel - zum Start dieser Tour in Bilbao schien die Frage nur zu sein, wer der Superstars mehr Etappen gewinnen oder länger im Gelben Trikot fahren würde. Denn schon der Auftakt im Baskenland schien ihnen auf en Leib geschneidert - doch nach 21 Etappen hat keiner aus dem Trio einen Tagessieg oder Sondertrikot bejubeln können.
Am Einsatz lag es dabei keinesfalls, addiert haben die drei sicher mehr als die Hälfte dieser Tour in Fluchtgruppen verbracht, allerdings nie mit der nötigen Fortune oder der nötigen Form. Für Alaphilippe wäre mit seinen Beinen der Tour 2019 oder seiner WM-Titel 2020 und 2021 diese Tour zu einem Triumphzug geworden, doch so war er oft einer der ersten Fahrer, der aus Spitzengruppen zurückfiel und für den ein 10. Platz das höchste der Gefühle war.
Van Aert strotzte wie immer vor Kraft, doch seine Taktik erschloss sich manchmal offenbar nicht einmal der eigenen Mannschaft ganz. Als Teamplayer war er aber dennoch elementar für Vingegaards Erfolg, bis er zur Geburt seines zweiten Kindes die Tour verließ.
Auch van der Poel gehören indirekt wahrscheinlich die Hälfte von Philipsens Siegen, die er mit vollem Einsatz - auch am Rande des Erlaubten - vorbereitete. Für den Niederländer selbst aber blieb wenig direkt Zählbares, kein einziger Top-Ten-Platz steht letztlich zu Buche. Allerdings sorgte er für einen der berührendsten Momente dieser Tour, als er am Start der 9. Etappe in der Heimat seines Großvaters Raymond Poulidor die Fans mit seinen Tränen bewegte.
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Emotionaler Start in den Tag: Tour und van der Poel ehren Opa Poulidor

Quelle: Eurosport

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Ekstase nach Etappensieg: Bora feiert entfesselt in Paris

Quelle: Eurosport

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