Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Die Jury hat einen harten Job und Visma und Red Bull-Bora überzeugen

Dylan Groenewegen ist auf der 6. Etappe zum dritten Sieger im dritten Massensprint dieser Tour de France geworden. Die Sprinter sind eng beisammen und ihre Fights sehr hart, so dass die Jury alle Hände voll zu tun hat und das nicht nur dort. Auf dem Weg nach Dijon stand außerdem der Wind im Fokus und verschob den Eindruck über die Kräfteverhältnisse der Top-Teams. Drei Dinge, die auffielen.

Groenewegen sprintet in Dijon am schnellsten - die Highlights

Quelle: Eurosport

Nach drei Sprintankünften ist bei der 111. Frankreich-Rundfahrt noch immer nicht klar, wer der Stärkste unter den schnellen Männern ist.
So eng beisammen wie in diesem Jahr sind die Sprinter selten. Entsprechend hart wird auch um die Positionen gekämpft und die UCI-Kommissare bekommen viel zu tun.
Aber nicht nur im Finale in Dijon war es auf der 6. Etappe interessant. Den ganzen Tag über drohte Windkantengefahr und als das Feld zerbrach, zeigte sich, dass die Dominatoren der Berge die Tour vielleicht ganz woanders verlieren könnten.
Drei Dinge, die auf der 6. Etappe auffielen:

1. Die Jury hat einen harten Job

An zwei Tagen in Folge hat die UCI-Jury nun im Massensprint einen Fahrer für irreguläres Sprinten und eine gefährliche Fahrweise bestraft: Auf der 5. Etappe in Saint-Vulbas wurde Phil Bauhaus ans Ende des Feldes zurückgesetzt, auf der 6. in Dijon nun traf es erstmals Jasper Philipsen.
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Philipsen drängt van Aert ab - dafür wird der Sprint-Star distanziert

Quelle: Eurosport

Der vierfache Etappensieger und Gewinner des Grünen Trikots im Vorjahr war schon 2023 mehrmals nah dran an der Bestrafung und es wurden Stimmen laut, man müsse gegen ihn härter durchgreifen. Bei seinem ersten der vier Erfolge im letzten Juli in Bayonne musste er nach dem Ziel minutenlang auf die Bestätigung warten, dass ihn die Jury nicht bestrafte.
Damals wie heute sprintete er an der rechten Bande und ließ dem neben ihm aufkommenden Wout van Aert keinen Platz. Der nahm beide Male raus und gab seinen Sprint auf, um nicht in die Absperrgitter zu krachen.
Am 3. Juli 2023 in Bayonne griff die Jury nicht durch und wurde dafür kritisiert. Die wilden Sprints der folgenden drei Wochen begründeten viele auch mit der fehlenden Bestrafung gegen Philipsen zu Tour-Beginn. Schon tagsdrauf, als es zur Berührung zwischen ihm und Fabio Jakobsen kam und der Niederländer zu Boden ging, war die Kritik an Philipsen erneut laut. Beide Etappen gewann er und es passierte nichts.
Nun am 4. Juli 2024 in Dijon unterlag Philipsen Dylan Groenewegen um wenige Zentimeter - und wurde dann von der Jury für sein Manöver gegen van Aert distanziert. "Ich glaube nicht, dass es ein Manöver ist, für das es (die Strafe, Anm. d. Red.) zu 100 Prozent gerechtfertigt ist. Aber man kann es so oder so sehen", gab Philipsens Teammanager Christoph Roodhooft nach dem Rennen zu, dass die Entscheidung nicht ganz falsch war. Van Aert war da ganz deutlich: "Wenn das nicht hart geahndet wird, denken alle, dass alles erlaubt ist", sagte der Belgier zu Sporza.
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Eisel unterstützt Bauhaus in Jury-Kritik: "Einheitlichkeit fehlt"

Quelle: Eurosport

Das Problem: Die Sprinter wissen inzwischen nicht mehr, woran sie sind. Die Entscheidungen der UCI-Jurys fallen in vergleichbaren Situationen oft sehr unterschiedlich aus. "Wir haben es letztes Jahr schon gesehen: Bei der ASO wird weniger durchgegriffen als bei anderen Rennen. Es braucht einheitliche Entscheidungen", meinte Eurosport-Experte Bernie Eisel am Donnerstag im Velo Club und so sieht man das weithin auch im Peloton.
"Die Distanzierung (von Phil Bauhaus, Anm. d. Red.) gestern war meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt - und wenn, dann hätte man auch bei anderen ansetzen müssen", meinte etwa Bauhaus' Teamkollege Nikias Arndt zu "radsport-news.com". Sein Sportlicher Leiter Roman Kreuziger pflichtete bei: "Wenn da nur Phil bestraft wird, ist das nicht fair. Er hat nur seinen Job gemacht und es gab viele Moves, die nicht okay waren. Für alle sollten die gleichen Regeln gelten."
Bauhaus war am Mittwoch im Positionskampf ums Hinterrad von Philipsen mit Cavendish in Berührung gekommen. Beide drückten kurz mit dem Ellbogen, dann drückte Cavendish noch etwas mehr und setzte sich durch, während gleichzeitig von der anderen Seite Fernando Gaviria kam. Bauhaus wurde eingequetscht, verlor das Gleichgewicht und drückte dadurch den Kolumbianer zur Seite, wofür er dann bestraft wurde.
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Brillante Leistung: Cavendish spielt seine ganze Klasse aus

Quelle: Eurosport

Sein Team legte Einspruch ein, kam damit aber nicht durch - und an dieser wohl zu harten Entscheidung muss die Jury nun ihren Maßstab für die kommenden Etappen anlegen. Damit wird man alle Hände voll zu tun haben. Doch das Problem ist schon länger gewachsen. Die immer wilderen Sprints und Positionskämpfe hat man sich im Radsport in den letzten Jahren durch oft fehlendes Durchgreifen auch selbst herangezüchtet.
Auf der anderen Seite: Man stelle sich vor, was los gewesen wäre, wenn die Jury Cavendish am Mittwoch nach dem großen Jubel über dessen 35. Tour-Etappensieg herbeizitiert und für seine Berührung mit Bauhaus bestraft hätte. Es ist kein einfacher Job, der des Schiedsrichters, und er wird bei immer höherer Leistungsdichte im Sprinterfeld auch immer schwerer.

2. Cavendish unter doppelter Beobachtung

Schon während dem Rennen Ärger mit der Jury hatte der Sieger vom Vortag, Mark Cavendish. Der 39-Jährige diskutierte hinter dem zweigeteilten Peloton im Fahrzeugkonvoi mit einer Motorrad-Kommissarin, während vor ihm das Windkantenrennen in vollem Gang war. Nachdem sich in Montrachet seine Kette verfangen hatte und Cavendish deshalb hatte anhalten müssen, jagte er der Konkurrenz im Windschatten seines Teamfahrzeugs hinterher.
Normalerweise wird das nach Defekten für eine gewisse Zeit toleriert, doch in den Augen der Schiedsrichterin hatte er es wohl übertrieben und sie ermahnte den Briten sowie seine Sportliche Leitung. Cavendish diskutierte mit erhobenem Zeigefinger mit ihr und wurde so sauer, dass er etwas später beim Zurückkehren ans Ende des Feldes auch am roten Fahrzeug des Jury-Präsidenten nochmal Halt machte und sich zum Fenster herunterlehnte, um auch dort seine Meinung kundzutun.
Nach dem Rennen brummte ihm die Jury eine Zeitstrafe von 40 Sekunden sowie den Abzug von zehn Punkten im Kampf ums Grüne Trikot auf. Beides wird ihn nicht wirklich stören, aber was Cavendish im Chaos im Fahrzeugkonvoi tatsächlich störte, war das TV-Motorrad, das ihn im Konvoi filmte.
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Ärger mit der Jury: Cavendish diskutiert nach Defekt

Quelle: Eurosport

Schon am Auftakt-Wochenende, als er abgehängt wurde, gefiel Cavendish nicht, dass man ihn dort hinten zeigte und schickte die Kamera mit Handzeichen weg. Diesmal, gerade ohnehin schon in Rage geredet, blaffte er die Besatzung des TV-Motorrads zwischen seiner Diskussion mit der Kommissarin und jener mit dem Jury-Präsidenten über einen längeren Zeitraum an.  
"Ich war nicht wirklich in Panik", schilderte er die Situation um seinen Defekt nach dem Rennen. "Aber wo ich Panik bekam war, als die TV-Kamera kam. Diese Kameramotorräder fahren dann in der Mitte der Straße und halten den Konvoi auf, die Autos, die von hinten vorbei wollen. TV-Kameras sollen Bilder aufnehmen und nicht das Rennen beeinflussen. Das war jetzt das zweite Mal, dass genau dieses Motorrad das gemacht hat", so Cavendish.
Was er damit meinte: Wenn die Autos im Konvoi hinter dem TV-Motorrad stoppen müssen und die Fahrzeugschlange hinter dem Feld dadurch unterbrochen wird, ist es für die Radprofis schwerer, auf ihrem Weg zurück nach vorne von Auto-Windschatten zu Auto-Windschatten zu springen.

3. Visma und Bora im Wind stärker als UAE

Als das Peloton 80 Kilometer vor dem Ziel nach der engen Ortsdurchfahrt von Puligny-Montrachet auseinanderriss und bei Seitenwind zwei große Hauptfelder entstanden, wurde man nervös im Teamfahrzeug von UAE. Tadej Pogacar hatte sich mit seinem Gelben Trikot zwar bei den Besten gehalten, doch keiner seiner Teamkollegen war noch bei ihm in der rund 60-köpfigen Spitzengruppe.
"In so einer Situation darf er nicht alleine sein", funkten die Sportlichen Leiter an ihre Fahrer. Zwar konnten Nils Politt und Co. die Situation rund zehn Kilometer später reparieren, doch der Wind in den Weinbergen westlich der Saone hinterließ plötzlich einen ganz anderen Eindruck, als die Etappen zuvor, wenn es bergauf ging.
Zwei Tage nach der totalen Dominanz der Männer in Weiß am Col du Galibier, wo UAE das Peloton auseinandernahm und vor allem aufzeigte, wie viel schwächer die Helferriege der Konkurrenz im Gebirge ist, waren plötzlich Visma - Lease a Bike und Red Bull - Bora - hansgrohe die Mannschaften, die imponierten.
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Groenewegen sprintet in Dijon am schnellsten - die Highlights

Quelle: Eurosport

Wout van Aert und Christophe Laporte hatten für das Team von Titelverteidiger Jonas Vingegaard den großen Riss im Feld provoziert. Und auch die Mannen von Primoz Roglic fuhren den ganzen Tag extrem aufmerksam immer ganz vorne im Feld. Auf dem Weg nach Dijon zeigte sich, was Danny van Poppel, Marco Haller, Nico Denz und Co. wert sind.
Auch wenn am Ende nichts Zählbares herauskam, dürfte das Pogacars Konkurrenz Mut vor allem für den Sonntag gemacht haben, wenn es auf die Schotteretappe von Troyes geht, für die Visma und Red Bull ihre Mannschaften eben so aufgestellt haben, wie sie es haben. Das Problem ist nur: Pogacar war eben doch da, und nur wenige können sich vorstellen, dass der Strade-Bianche-Sieger sich rund um Troyes eine Blöße gibt.
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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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