Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Für Tadej Pogacar zählt jede Stunde und Doppelspitzen zahlen sich aus

Während vor dem ersten Massensprint der 111. Tour de France alle von Jasper Philipsen, Mads Pedersen und Dylan Groenewegen sprachen, hat sich Biniam Girmay die 3. Etappe gesichert. Der Eritreer schrieb afrikanische Radsport-Geschichte und belohnte sein Team für einen mutigen Plan. Tadej Pogacar verlor derweil Gelb, dürfte darüber aber nicht unglücklich sein. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Girmay schreibt Geschichte - Pogacar verliert Gelb

Quelle: Eurosport

Stundenlang rollte das Peloton zwischen Piacenza und Turin gemächlich durch die Poebene. Das dritte Teilstück der 111. Frankreich-Rundfahrt zeigte einmal mehr, dass lange, flache Überführungsetappen im modernen Radsport ausgedient haben.
Doch vor allem warf die anstehende Hochgebirgsetappe am Dienstag bereits ihre Schatten voraus, und Tadej Pogacar gab auch deshalb gar nicht ungern sein Gelbes Trikot an Richard Carapaz weiter.
Der große Held des Montags war aber natürlich Etappensieger Biniam Girmay. Der nämlich schrieb einerseits afrikanische Radsport-Geschichte, belohnte andererseits aber auch sein Team für dessen Mut, bei der Tour auf eine Sprint-Doppelspitze zu setzen.
Drei Dinge, die auf der 3. Etappe auffielen:

1.) Sprint-Doppelspitze zahlt sich aus

Biniam Girmay hat in Turin Geschichte geschrieben. Der 24-jährige Eritreer hat als erster Vertreter seines Landes und auch erster Mann aus einem afrikanischen Land, das nicht Südafrika heißt, eine Etappe bei der Tour de France gewonnen. Klar, dass das nach der 3. Etappe für riesige Emotionen sorgte.
Der Radsport hat in Eritrea einen hohen Stellenwert und Girmay ist ein Volksheld. Egal, wo der U23-Vize-Weltmeister von 2021 antritt, die eritreische Gemeinschaft vor Ort kommt an die Strecke, um "Bini" lautstark und farbenfroh zu feiern – und nicht nur ihn. Bereits als Daniel Teklehaimanot vor neun Jahren in Le Havre das Bergtrikot eroberte und es für vier Tage trug, sorgte das für einen Hype.
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Girmay-Sieg in der Analyse: "Ein Impuls für ganz Afrika"

Quelle: Eurosport

Doch Girmay ist ganz klar der größte Radsport-Star, den Eritrea bisher hatte. Schon in seinem ersten Profijahr gewann er den belgischen Frühjahrsklassiker Gent-Wevelgem und zwei Monate später eine Etappe beim Giro d'Italia. Am Tag darauf aber trat er nicht mehr an, weil er sich auf dem Podium den Korken des Sieger-Proseccos ins Auge geschossen hatte. Schon seit der U23-Silbermedaille 2021 in Leuven gilt Girmay als eines der größten Talente der Radsport-Welt – vor allem für Sprints nach schweren Tagen.
Ein solcher schwerer Tag aber war die 3. Etappe von Piacenza nach Turin mit anfänglichem Bummeltempo gar nicht. Dass Girmay am Ende im völlig flachen Massensprint trotzdem triumphierte, war auch das Produkt einer doppelten Sprint-Planung bei seinem Team Intermarché-Wanyt. Denn die belgische Mannschaft von Sportdirektor Aike Visbeek setzt bei dieser Tour auf gleich zwei schnelle Männer. Für die ganz flachen Tage ist eigentlich eher Gerben Thijssen der Mann.
Eine Sprint-Doppelspitze, das ist etwas, was die meisten Teams grundsätzlich vermeiden, um sich nicht selbst im Weg zu stehen. Beispielsweise ließ Lidl-Trek Giro-Überflieger Jonathan Milan daheim, um sich in den Sprints voll auf Mads Pedersen zu konzentrieren – auch wenn der Italiener bei flachen Ankünften als schneller gilt.
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Girmay unschlagbar! Erster Tour-Etappensieg für Eritreer

Quelle: Eurosport

Visbeek und Co. aber gingen das Risiko, dass es intern zu Kompetenzgerangel kommt, ein und wurden in Turin nun mit dem ersten Tour-Etappensieg der Teamgeschichte belohnt.
"Es ist noch etwas schwer zu glauben, denn ich bin seit 2021 im Team und wir versuchen schon lange, eine Etappe zu gewinnen. Wir sind alle sehr glücklich", freute sich der deutsche Intermarché-Profi Georg Zimmermann darüber am Eurosport-Mikrofon im Ziel.
Im chaotischen Finale von Turin, als durch einen Sturz 2,5 Kilometer vor Schluss die meisten Sprintzüge 'entgleisten' und nur wenige noch direkt bei ihren Anfahrern waren, war die Doppelspitze nun Gold wert. "Normalerweise wäre der Plan gewesen, Gerben Thijssen in den Sprint zu führen", erklärte Girmay. "Aber wenn es schwierig werden würde, sollte ich es probieren. Im letzten Kilometer habe ich dann Gerben verloren und es selbst versucht - einfach unglaublich!“

2.) Für Pogacar zählt jede gesparte Stunde

Neben Girmay hat auch Richard Carapaz in Turin Geschichte geschrieben, als er als erster Ecuadorianer das Maillot Jaune überstreifte. Beim Giro-Sieger von 2019 und Tour-Dritten von 2021 war das aber weniger sensationell – und in gewisser Weise wohl auch das Produkt eines Plans von Tadej Pogacar.
Der Slowene nämlich soll schon am Sonntag im Ziel in Bologna zu Remco Evenepoel gesagt haben, dass er das Gelbe Trikot eigentlich gar nicht unbedingt haben wollte – auch wenn er das öffentlich aus Respekt vor dem Maillot Jaune natürlich nicht bestätigte: Im Ziel der 2. Etappe ließ Pogacar ausrollen, war versucht eine Lücke vor sich aufgehen zu lassen, um eine Sekunde herzuschenken und so die Gesamtführung bewusst zu verpassen. Doch die Jury wertete ihn in derselben Sekunde wie Jonas Vingegaard, Evenepoel und eben auch Carapaz, dem dann Gelb übergestreift wurde.
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Pogacar gibt Gelbes Trikot an Carapaz ab - aber warum?

Quelle: Eurosport

Vor der 3. Etappe war klar: Wenn er weit genug hinten in Turin ins Ziel rollt, kann er auch ohne Zeitverlust aufgrund der Addition der Etappenplatzierungen Gelb wieder abgeben. Und genau das geschah: Carapaz wollte das Trikot unbedingt und sein Team fuhr für ihn sogar den Sprint an, während Pogacar ausrollen ließ.
Die Frage war: Warum? Denn auf der 4. Etappe über den Col du Galibier rechnen die Experten ohnehin schon wieder mit einem Angriff des Slowenen und daher damit, dass er sich Gelb gleich wieder zurückholen wird. Und auch harte Arbeit an der Spitze des Feldes wird Pogacar seinem Team am Dienstag auf dem Weg über Sestriere und Montgenèvre hin zum Galibier kaum ersparen – egal ob Gelb oder nicht.
Denn der Plan von UAE muss sein, das Rennen so hart wie möglich zu machen, um dann am 2.642 Meter hohen Alpenriesen Vingegaard und Co. auf den Zahn zu fühlen. "Für Tadej macht es keinen Unterschied", meinte auch Eurosport-Experte Bernie Eisel im Velo Club.
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Ausblick auf die Galibier-Etappe: "Pogacar muss Vingegaard angreifen"

Quelle: Eurosport

Trotzdem gab es für Pogacar einen guten Grund, die Gesamtführung vor dem ersten Alpen-Tag abzugeben: die Regenerations-Zeit. So nämlich sparte sich Pogacar in Turin den Gang zum Podium, zur Pressekonferenz und zu den zahlreichen TV-Kameras in der Mixed Zone sowie zur Dopingkontrolle. Die ganze Prozedur, die das Gelbe Trikot täglich durchlaufen muss, dauert jeden Tag mindestens 45 Minuten, meist eher mehr.

3.) Lange Flachetappen machen keinen Sinn (mehr)

Es gab Zeiten im Radsport, als auf langen Überführungsetappen kleine Teams bei der Tour de France ihre Fahrer in Ausreißergruppen schickten, obwohl sie genau wussten, dass sie kaum eine Chance hatten, durchzukommen. "Fernseh-Attacken" nannte man das und es ging einzig darum, den Sponsoren auf den bunten Trikots TV-Präsenz zu geben. Inzwischen ist aber 2024: Die Marketing-Abteilungen haben neue Wege gefunden, ihre Partner in ein gutes Licht zu rücken und sind nicht mehr ausschließlich aufs TV-Bild angewiesen.
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Tour kurios: Scherzattacke bei Bummeltempo und dann das große Warten

Quelle: Eurosport

Dazu kommt, dass es "kleine Teams" bei der Tour kaum noch gibt. Das Niveau des gesamten Pelotons ist gestiegen, die Leistungsdichte enger denn je. Jeder, der am Start steht, hat konkrete Ziele oder Aufgaben – und die "Fernseh-Attacke" gehört da kaum mehr dazu. Entsprechend unattraktiv werden Überführungsetappen, deren Ausgang wie am Montag mit einem unvermeidbaren Massensprint vorprogrammiert sind.
Klar: Auch Flachetappen mit Sprintankünften haben ihren Reiz und die schnellen Männer sollen ihre Bühne haben. Auf dem Weg von Piacenza nach Turin aber musste man sich die Frage stellen, wieso ein solches Teilstück dann auch noch mit 230 Kilometern der längste Tag der gesamten drei Wochen sein muss.

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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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