Diskussionen um Zeitlimit im Bergzeitfahren der Tour de France: "Plötzlich gibt man ihnen einen Freifahrtschein"
VonFelix Mattis
Publiziert 19/07/2025 um 21:54 GMT+2 Uhr
Das Bergzeitfahren der Tour de France hat im Nachhinein noch für einige Diskussionen gesorgt. Nachdem die Veranstalter die Karenzzeit für den Kampf gegen die Uhr am Col de Peyresourde auf 140% der Siegerzeit hochgeschraubt hatten, anstatt der ursprünglich geplanten 133%, kritisierten einige Fahrer diese Entscheidung, durch die vor allem die Sprinter am Freitag profitiert hatten.
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"Ich bin vorher noch nie ein Zeitfahren mit einem Zeitlimit von 33% gefahren", sagte Victor Campenaerts (Visma-Lease a Bike).
"Es war also schon etwas hoch. Warum hebt man es dann noch weiter an? Das ist immer noch die Tour, das höchste Level im Radsport. Und dann sagen sie einfach: 'Wenn Du nicht in der Lage bist auf Gesamtwertung oder Etappensieg zu fahren, dann unterschreib' einfach die Startliste und Du kannst auch am nächsten Tag weiterfahren."
Auch Campenaerts' Teamkollege Tiesj Benoot stimmte zu: "Es gab keinen Grund dafür, wie wenn es plötzlich 45 Grad gewesen oder ein Gewitter losgebrochen wäre. Ein Sprinter, der das Grüne Trikot gewinnen will, muss sich spezifisch darauf vorbereiten, über die Berge zu kommen, was den Sprintfähigkeiten entgegensteht. Und dann gibt man ihnen plötzlich einen Freifahrtschein am Berg."
Durch die Erhöhung des Zeitlimits lag die Maximalzeit für alle Fahrer am Freitag bei 32:12 Minuten. Das entsprach einem Rückstand von 9:12 Minuten auf Sieger Tadej Pogacar (UAE-Emirates-XRG).
Fünf Mann wären raus aus der Tour
Den letzten Platz mit 8:28 Minuten Rückstand belegte Luka Mezgec (Jayco-AlUla). Vor ihm landeten der bereits zweifache Etappensieger Tim Merlier (Soudal-Quick-Step / + 8:27) sowie Elmar Reinders (Jayco-AlUla / + 8:09), Arnaud Démare (Arkéa-B&B Hotels / + 7:59) und Biniam Girmay (Intermarché-Wanty / + 7:54).
Sie alle wären mit dem ursprünglich im Roadbook festgehaltenen Limit von 133 Prozent, was einem Rückstand von 7:40 Minuten auf Pogacar entsprochen hätte, also aus dem Rennen gewesen. Für den Kampf ums Grüne Trikot hätte das bedeutet, dass der Viert- und Fünftplatzierte der Punktewertung, Girmay und Merlier, nicht mehr dabei wären.
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Allerdings ist bei dieser Betrachtung essentiell, dass die Jury die Erhöhung des Zeitlimits natürlich vor der Etappe bekanntgegeben hatte und nicht erst nachträglich Anpassungen vornahm, um Top-Fahrer wie Merlier oder Girmay im Rennen zu halten. Ob die, wenn nötig, schneller gekonnt hätten, ist nicht ermittelbar, zumindest aber nicht unwahrscheinlich.
Trotzdem kritisierte auch Wout van Aert: "Das Zeitfahren war seit Monaten so geplant, mit dem Zeitlimit bei 33 Prozent. Und plötzlich, zehn Minuten vor dem Start, wurde es auf 40 Prozent angehoben. Das finde ich ziemlich enttäuschend, besonders weil die äußeren Bedingungen sich nicht verändert haben. Das hätte viel früher angekündigt und klargestellt werden sollen."
Zeitlimit in Zeitfahren ohnehin am höchsten
Fakt ist: Ein so großzügig bemessenes Zeitlimit wie am Freitag in Peyragudes ist eine absolute Seltenheit. Beim flachen ersten Einzelzeitfahren in Caen lag das Limit bei 125%, bei den beiden Zeitfahren im vergangenen Jahr jeweils bei 130% und beim Bergzeitfahren 2023 in Combloux, das Jonas Vingegaard gewann, lag die Marke bei 133% der Siegerzeit. Damals scheiterte der Franzose Alexis Renard (Cofidis) um eine Sekunde und war raus aus dem Rennen.
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Allgemein sind Zeitfahrprüfungen die in Sachen Zeitlimit unkritischsten Tage bei dreiwöchigen Rundfahrten. Denn Karenzzeiten jenseits der 20 Prozent gibt es bei Massenstartetappen so gut wie nie. Bei der Tour 2025 kann es nur auf Etappen mit dem Koeffizient 3 - das sind die Etappen 6 nach Vire Normandie, 16 zum Mont Ventoux und 20 nach Pontarlier – zu einem Zeitlimit von 120% kommen – und auch nur dann, wenn der Etappensieger dort einen Schnitt von mehr als 44 km/h fährt.
Grundsätzlich ist die Karenzzeit immer von der Siegerzeit abhängig, und je schneller der Sieger fährt, desto größer wird der Prozentsatz. Nur in Einzelzeitfahren gibt es stets einen von vorneherein feststehenden Prozentwert.
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