Drei Dinge, die auf der 1. Etappe der Tour de France auffielen: Bitter für Red Bull, erstklassig von Alpecin
VonFelix Mattis
Publiziert 05/07/2025 um 22:05 GMT+2 Uhr
Die 1. Etappe der Tour de France rund um Lille hat gehalten, was sie versprochen hatte: Hektik und Chaos. An der Windkante verloren viele Gesamtwertungsfahrer bereits Zeit, darunter auch das Red-Bull-Duo Primoz Roglic und Florian Lipowitz. Doch auch einige Sprinter konnten nicht in den Massensprint eingreifen. Jasper Philipsen und sein Team fuhren ein perfektes Rennen. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Heftige Windkanten-Klatsche für Roglic und Evenepoel
Quelle: Eurosport
Der zehnte Tour-Etappensieg in der Karriere von Jasper Philipsen hat dem Belgier sein erstes Gelbes Trikot beschert. Zu verdanken hatte er das neben seinem eigenen sehr starken Sprint auch der perfekten Vorarbeit seines Teams um Mathieu van der Poel.
Ähnlich stark und hellwach präsentierten sich Tadej Pogacar (UAE-Emirates-XRG) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), die immer vorne fuhren und so bereits Zeit gutmachen konnten.
Zu den Verlierern gehörten dagegen Remco Evenepoel (Soudal-Quick-Step) und Red Bull-Bora-hansgrohe. Andere aber büßten sogar noch mehr Zeit ein.
Drei Dinge, die auf der 1. Etappe auffielen:
1. Bitterer Tag für Red Bull
Die Tour de France hat für Red Bull-Bora-hansgrohe alles andere als ideal begonnen: Primoz Roglic und Florian Lipowitz verloren zum Auftakt 39 Sekunden in der Gesamtwertung, Jordi Meeus kam nicht zum Sprinten, und auch nach einem Defekt von Lipowitz sorgte man für Diskussionsbedarf, als man dem 24-Jährigen keinen Helfer nach hinten schickte und ihn 20 Kilometer lang dem Feld hinterherjagen ließ.
"Für gewöhnlich ist der Konvoi einfach eine bessere Hilfe als ein Teamkollege", meinte Sportchef Rolf Aldag im Ziel am Eurosport-Mikrofon. "Wenn man hinterm Auto im Windschatten fährt, tritt man wahrscheinlich 200 Watt, bei 60 km/h hinter dem siebten Teamkollegen wahrscheinlich 400 Watt."
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Lipowitz ohne Helfer hinter Feld auf der Jagd: "Bin fassungslos"
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Allerdings war Lipowitz lange Zeit gar nicht im Konvoi und im Windschatten eines Autos, da die Jury 'Barrage' gemacht hatte. Während Lipowitz' Defekt, fielen nämlich andere Fahrer aus dem im Wind rasenden Peloton heraus und die sollten den Anschluss allein wieder schaffen. Deshalb konnte auch der Deutsche nicht so schnell wie erhofft wieder nach vorne. "Da braucht man ein bisschen Nerven", so Aldag.
Letztendlich kam Lipowitz 98 Kilometer vor dem Ziel wieder ins Hauptfeld zurück und die Situation ging gut aus – wenn auch mit deutlich größerem Kraftaufwand, als nötig und einer klaren Erkenntnis: Bei Red Bull scheint "alle für Roglic" zu gelten, während der deutsche Youngster im Zweifel im Regen steht.
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Diskussionen um Lipowitz: Aldag erklärt - Degenkolb ordnet ein
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Bitterer wurde es aber 80 Kilometer später, als das Red-Bull-Team mit gesamter Mannschaftsstärke den Windkanten-Split verpasste und die besten 40 Mann davonfahren lassen musste. Jordi Meeus büßte so seine erste Chance auf einen Massensprint ein und Roglic sowie Lipowitz verloren 39 Sekunden in der Gesamtwertung. 'War ja klar – Roglic kann's halt nicht', dürften nun einige Fans murren.
Doch in Lille war man bei den Abgehängten tatsächlich in bester Gesellschaft: Soudal verpasste den Zugabgang mit Evenepoel sowie Tim Merlier genauso, auch Lidl-Trek war mit Jonathan Milan vorne nicht dabei – beides Teams, die solche Situationen normalerweise sehr gut meistern und in Lille unbedingt gewinnen wollten.
"Ich war in der Kurve davor ehrlich gesagt etwas zu faul: Ich hatte ein paar Lidl- und Soudal-Jungs um mich herum und dachte: Okay, das wird in Ordnung gehen", gestand auch Geraint Thomas (Ineos Grenadiers). "Auch nach 19 Profijahren kann man noch dumme Fehler machen."
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Experten über Auftakt: "Wind war das entscheidende Element"
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Aldag deutete an, dass man im Positionskampf vor den windanfälligen Abschnitten wohl nicht um jeden Preis ganz vorne fahren wollte, um keinen Sturz von Roglic zu riskieren: "Wir mussten eine Entscheidung treffen und haben gesagt: Lieber sicher fahren und durchkommen! Wir kennen unsere Historie. Wir kennen die Risiken am Anfang der Tour de France und haben uns dann dafür entschieden, zu sagen, wir wollen auf der sicheren Seite bleiben."
Das ist eine interessante Erklärung, gleichzeitig natürlich aber auch erschreckend, wenn man einen Zeitverlust in Kauf nimmt, weil man zu viel Angst vor den eigenen Schwächen hat.
2. Alpecin macht alles richtig für Philipsen
Jasper Philipsen hat in dieser Saison vor der Tour de France nur zwei Rennen gewonnen: den belgischen Halbklassiker Kuurne-Brüssel-Kuurne Anfang März und eine Etappe der Belgien-Rundfahrt im Juni. Ansonsten unterlag der Belgier mehrmals seinem Landsmann Tim Merlier, dem Italiener Jonathan Milan oder auch dem Franzosen Paul Magnier.
Doch pünktlich zum Auftakt der Tour de France ist der Knoten nun wieder geplatzt und Philipsen spurtete souverän ins Gelbe Trikot – mit zwei Radlängen Vorsprung auf Biniam Girmay. Schlüssel dazu war vor allem die bärenstarke Vorarbeit seines Teams Alpecin-Deceuninck um Mathieu van der Poel, das perfekt positioniert war, als das Peloton 17 Kilometer vor Schluss von Visma-Lease a Bike an der Windkante zerrissen wurde, und danach die Abgehängten auf Distanz hielt.
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Philipsen triumphiert in Lille - Ackermann sprintet viel zu früh
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"Es war eine fantastische Team-Performance – unglaublich", lobte Philipsen seine Mannschaftskameraden nicht nur für den Auftritt im Finale, sondern den ganzen Tag. "Wir waren den ganzen Tag aufmerksam und immer ganz vorne dabei."
Besonders wichtig war aber eben die gute Positionierung im Moment des Windkantenrisses. Mit fünf Mann waren die "Grauen" in der knapp 40-köpfigen ersten Gruppe, während andere für solche Szenarien bestens aufgestellte Mannschaften wie Lidl-Trek um Milan oder Soudal-Quick-Step um Merlier und Evenepoel den Cut verpassten.
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Sprint-Analyse mit Degenkolb: "Alpecin hat nicht die Nerven verloren"
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"Sie konzentrieren sich als Team voll darauf (auf die Etappenjagd mit Philipsen und van der Poel, Anm. d. Red.), und das haben sie heute perfekt umgesetzt", befand Eurosport-Experte Robert Bengsch im Velo Club, sein Expertenkollege John Degenkolb lobte auch die Fahrweise im direkten Sprintfinale:
"Sie haben in der letzten Kurve 1,4 Kilometer vor dem Ziel nicht die Nerven verloren, direkt zu übernehmen – obwohl sie ja noch ein großes Leadout hatten. Sie haben gewartet und nicht zu früh die Körner verschossen. Dann sind sie, als das Tempo etwas rausging, mit voller Kapelle vorbeigezogen und haben ihn dann mit Höchstgeschwindigkeit schon angefahren. Wer soll dann noch vorbeifahren?"
3. Verlierer in vielen Ausmaßen
Die Zeitverluste von Roglic, Lipowitz und Evenepoel stehen nach dem Tour-Auftakt von Lille im Mittelpunkt. Doch das Red-Bull-Duo und der Soudal-Kapitän waren bei weitem nicht die einzigen Verlierer an der Windkante – im Gegenteil: Mit 39 Sekunden Zeitverlust kamen sie wie die meisten anderen Klassementfahrer noch glimpflich davon, wenn man auf die Abstände anderer potentieller Fahrer für die Top 10 schaut:
Einer Rubio (Movistar), Thymen Arensman (Ineos Grenadiers), Eddie Dunbar (Jayco – AlUla), Adam Yates (UAE-Emirates-XRG) und Michael Storer (Tudor) kamen allesamt erst 5:18 nach Philipsen ins Ziel. Michael Woods (Israel-Premier Tech) und Julian Alaphilippe (Tudor) verloren gemeinsam mit dem durch einen Defekt zurückgefallenen Giro-Sieger Simon Yates (Visma-Lease a Bike) bereits 6:31 Minuten und der französische Jungstar Lenny Martinez (Bahrain Victorious) litt bereits im Etappenverlauf immer wieder sehr und kam als Allerletzter mit 9:11 Minuten Verspätung an.
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Windkante zerreißt Feld - Roglic und Evenepoel abgehängt
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Doch am schlimmsten lief die 1. Etappe für Ex-Zeitfahrweltmeister Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) aus Italien und das Schweizer Zeitfahr-Ass Stefan Bissegger (Decathlon-AG2R). Die nämlich mussten vier Tage vor ihrem Highlight, dem Einzelzeitfahren auf Etappe 5, nach Stürzen die Tour bereits aufgeben.
Dagegen scheint der Zeitverlust von Roglic und Co. dann doch mickrig und man darf nochmal an Aldags Worte denken: "Better safe, than sorry!"
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Experten-Vorschau zur 2. Etappe: Wechselt das Gelbe Trikot?
Quelle: Eurosport
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