Tour de France - Drei Dinge, die auf Etappe 8 auffielen: Milan überragt, van Aert und Ackermann melden Ansprüche an

Mit einem überlegenen Sprintsieg in Laval hat sich Jonathan Milan auf der 8. Etappe der Tour de France seinen ersten Tageserfolg bei seiner ersten Frankreich-Rundfahrt gesichert - und zwar sehr beeindruckend. Hinter ihm meldete sich Wout van Aert wie aus dem Nichts in der Riege der Tour-Sprinter an und auch Pascal Ackermann ist weiter bei der Musik. Drei Dinge, die in Laval auffielen.

Highlights: Milan lässt den Knoten platzen - Ackermann stark

Quelle: Eurosport

Während bei Alpecin-Deceuninck nach dem Aus von Jasper Philipsen noch nach der perfekten Umstellungs-Variante für die weiteren Flachetappen gesucht wird und Tim Merlier nach einem Defekt nicht mehr ins Sprintfinale von Laval eingreifen konnte, hat Milan auf ansteigender Zielgerade geglänzt.
Der 24-jährige Tour-Debütant sicherte sich in seinem zweiten Massensprint seinen ersten Tour-Etappensieg und beendete damit auch eine italienische Durststrecke.
Gleichzeitig meldete sich auch Wout van Aert als Etappenzweiter zurück und konnte strahlen. Pascal Ackermann wurde Vierter und träumt weiter vom Etappensieg.
Drei Dinge, die auf der 8. Etappe auffielen:

1. Milan siegt trotz Groves-Manöver

Der Knoten ist geplatzt, wenn es denn überhaupt schon ein Knoten war. Im zweiten Tour-de-France-Massensprint seiner Karriere hat Tour-Debütant Jonathan Milan seinen ersten Etappensieg gefeiert – nachdem er auch beim ersten Versuch auf Etappe 3 nur um wenige Zentimeter von Tim Merlier (Soudal-Quick-Step). geschlagen worden war.
"Das tut enorm gut! Wir haben gespürt, dass der Druck immer größer wurde. Jonathan war heute sehr konzentriert, aber das gibt noch keine Garantie", sagte Teamkollege Jasper Stuyven nach dem Sieg in Laval dem belgischen Sender "Sporza" und sein Sportlicher Leiter Steven de Jongh war beeindruckt: "Als er losfuhr, konnte man schon sehen, dass er einen Supertag hat."
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Milan holt sich den Zwischensprint in Vitré vor Merlier

Quelle: Eurosport

Das konnte man tatsächlich sehen. Milan war im ansteigenden Sprintfinale klar der Stärkste und siegte letztlich souverän. Dabei profitierte er sicherlich ein wenig davon, dass Merlier nach einem Defekt 12,5 Kilometer vor Schluss zwar schnell zurück im Feld war, im Finale aber trotzdem keine Rolle mehr spielte. Trotzdem aber war der Auftritt des Italieners gegen die anwesende Konkurrenz eben sehr überlegen und bergauf wäre wohl auch fraglich gewesen, ob der Belgier ihm da wirklich hätte Paroli bieten können.
Vor allem war das beeindruckend, weil es für Milan 1,5 Kilometer vor dem Ziel im letzten Kreisverkehr durch Kaden Groves behindert wurde, als der Australier riskant innen reinstach und sowohl Milan als auch Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) beinahe abgeräumt hätte. Alle drei mussten rausnehmen, doch Milan steuerte die Szene gut aus und war schnell wieder auf Kurs.
Anschließend behauptete er sich im Positionskampf stark, wartete auf den richtigen Moment und lancierte dann einen unwiderstehlichen Sprint zum Sieg – dem ersten eines Italieners bei der Tour de France seit Vincenzo Nibali in Val Thorens 2019.
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Milan feiert Premierensieg - Van Aert geschlagen

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"Ich habe noch gar nicht richtig realisiert, was wir geschafft haben. Wir kamen hierher mit Erwartungen und Träumen, aber irgendetwas vorherzusagen und es dann nach Hause zu bringen, das sind zwei verschiedene paar Schuhe", freute sich Milan im Sieger-Interview.
Durch eine lupenreine Vorstellung, weil er auch den Zwischensprint zu Rennhalbzeit bereits gewonnen hatte, strich der 24-Jährige in Laval ganze 70 Punkte fürs Grüne Trikot ein und setzte sich souverän wieder an die Spitze der Punktewertung.
Allerdings gab es dabei noch einen kleinen Dämpfer: Die Jury zog Milan nach der Etappe zehn Punkte ab, weil er einen anderen Fahrer behindert haben soll. Auf welche Szene sie sich dabei genau bezog, war aber unklar. Paradoxerweise blieb Groves dagegen von einer Strafe verschont.
Mit trotzdem 26 Punkten Vorsprung auf Pogacar ist Milan nun in der Pole Position für Grün – der Weg ist aber noch weit, und eine Bestätigung der Leistung am Sonntag in Chateauroux wäre sehr wichtig. Die Ankunft dort dürfte dem 1,96-Meter-Hünen jedenfalls noch besser liegen, als jene in Laval.

2. Van Aert meldet sich zurück

Und plötzlich ist er da! Wout van Aert ist noch recht verhalten in die Tour gestartet. Nachdem er die Belgischen Meisterschaften am Wochenende vor dem Grand Départ krank absagen musste, brauchte der 30-Jährige einige Tage, bis er sich richtig wohlfühlte im Tour-Peloton. Die ersten Etappen, die ihm mit ihrem schweren Klassikerfinale besonders hätten liegen sollen, konnte er kaum mitbestimmen.
Auch wenn er auf Etappe 4 in Rouen zumindest schon eine gute Rolle für Jonas Vingegaard spielte und am Ende Elfter wurde, so blieb zunächst der Eindruck, dass der Belgier in den Etappen-Anfangsphasen vergeblich versuchte, in eine Gruppe zu kommen. In Laval nun aber tauchte er im Finale ganz vorne auf, positionierte sich auf den leicht ansteigenden zwei Schlusskilometern gut und spurtete im Windschatten von Sieger Milan auf den zweiten Platz – deutlich vor allen anderen.
"Ich bin ziemlich zufrieden", sagte er anschließend am Mannschaftsbus in einem recht ausgelassenen Interview mit diversen belgischen Medien wie "Sporza" und "VTM". "Gegen Milan war nicht viel zu machen – wie ich schon vor der Tour gesagt habe. Ich bin an sein Hinterrad, kam aber nicht vorbei. Es war ein schwieriger Sprint mit der Bergaufpassage und deshalb wollte ich auch unbedingt mitsprinten."
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Sprint-Analyse zu Milans Sieg: "Das kannst Du nicht lernen"

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Vor der Etappe noch hatte van Aert den Belgiern erzählt, er werde sich im Finale heraushalten. Nun aber grinste er schelmisch: "Ich hatte schon vorher entschieden, dass ich sprinten würde. Das nächste Mal kündige ich es auf Twitter an", lachte er. "Meine Beine waren gestern schon gut und heute auch."
Auf Etappe 7 hatte van Aert bis zum Fuß der steilen Mur-de-Bretagne beim Positionieren von Vingegaard geholfen und hatte dann erst nach getaner Arbeit auf den letzten zwei Kilometern lockergelassen. Es scheint, als sei er nun richtig angekommen, in dieser Tour und man darf wohl sicher sein, dass der Mann, der am Ende des Giro d'Italia eine Schlüsselrolle für den Gesamtsieg von Simon Yates spielte, auch bei dieser Tour noch wichtige Dienste für Vingegaaard verrichten wird.
Und für sich selbst? "Es ist auch schön, mal ein Ergebnis zu erzielen", sagte er mit Blick auf den zweiten Platz und wollte aber nicht verraten, ob er am Sonntag in Chateauroux auch im flachen Massensprint mit reinhalten werde. "Ich denke darüber nach und vielleicht poste ich es dann auf Twitter. Ich weiß nur nicht, ob ich mein Passwort noch weiß…"

3. Ackermann ist dabei, aber ein Tick fehlt

Pascal Ackermann hat mit seinem vierten Platz sein fünftes Top-4-Ergebnis bei einer Frankreich-Rundfahrt eingefahren. Zum ersehnten Etappensieg aber fehlt dem 31-Jährigen in den Massensprints doch noch ein Stück. Erstens, weil für ihn vor den Sprints bislang nicht alles rund lief und er in der Anfahrt jeweils schon Kraft lassen musste. Und zweitens zeigte sich in Laval beim Antritt von Milan, dem nur van Aert im direkten Windschatten noch halbwegs folgen konnte, dass mindestens der Italiener und wohl auch der nach einem Defekt diesmal im Sprint nicht anwesende Tim Merlier einfach die Schnellsten sind.  
"Ich mag Pascal und kenne ihn schon sehr, sehr lange. Aber wenn jetzt nichts Spektakuläres passiert, traue ich ihm keinen Sieg zu", meinte Eurosport-Experte Robert Bengsch im Velo Club nach der Etappe, fügte aber auch an: "Noch nicht! Ich glaube er wird besser werden im Verlauf der Tour."
Die Hoffnung dürfte sein, dass Ackermann die Bergetappen in den Pyrenäen besser verkraftet, als die vermeintlich schnellsten Männer im Peloton, Milan und Merlier – und dass er sie dann vielleicht auf einer Etappe wie in Carcassonne, Valence oder Pontarlier bezwingen kann, auch wenn sie jetzt noch mehr Sprint-Power haben.
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Ackermann Vierter in Laval: "Wenn alles passt, haben wir gute Karten"

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Ackermann selbst scheint da aber schon seit Tour-Beginn optimistischer. Er hat schon mehrmals betont, dass für ihn bei dieser Frankreich-Rundfahrt nur ein Sieg zählt. Schon auf Etappe 1 in Lille beeindruckte er mit Mut, als er einen sehr langen Sprint anzog, letztlich dann aber keine Kraft mehr hatte und chancenlos gegen Sieger Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) und Co. blieb.
In Laval nun war sein Timing besser, dafür aber klappte die Sprint-Vorbereitung wie zuvor in Lille erneut nicht reibungslos, wie er Eurosport-Reporter Jens Voigt vor Ort erzählte: "Ich bin von extrem weit hinten gekommen, weil ich Jake (Stewart, sein Anfahrer – Anm. d. Red.) in dem 180-Grad-Kreisel (3 km vor Ziel) verloren habe. Dann wollte ich bergab mit Schwung kommen, aber da war kein Platz wegen der anderen Kreisel. Deshalb habe ich ihm gesagt, er soll selbst fahren, weil ich so weit hinten war, dass ich dachte, es gibt eigentlich keine Chance mehr für mich."
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Degenkolb schätzt Tour-Chancen von Bauhaus und Ackermann ein

Quelle: Eurosport

Irgendwie kam Ackermann aber doch nochmal nach vorne und fand seinen Leadout-Mann wieder. "Leider hat er mich in dem Moment nicht gesehen. Ich hab' noch gerufen, aber da war er schon am Losfahren. Dann hat er nochmal gezögert, weil er nicht wusste, dass ich schon am Hinterrad bin. Sonst wäre es glaube ich ein perfekter Tag geworden heute", meinte Ackermann, der am Sonntag in Chateauroux bei einem völlig flachen Finale seine nächste Chance sieht.
Bengsch hingegen ist da skeptischer. "Sie haben sich verloren im Finale und es hat auch Kraft gekostet, wieder da hinzukommen – das war wirklich perfekt. Das schaffen nicht viele, in so eine Position wiederzukommen", lobte er den gebürtigen Pfälzer. "Aber, da müssen wir ehrlich sein: Im Eins-zu-Eins gegen Jonathan Milan hat er keine Chance - und wenn Tim Merlier da ist, dann leider auch nicht."
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"Cavendish City": Ausblick und Rückblick auf Chateauroux

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