Tour de France - Drei Dinge, die auf Etappe 12 auffielen: Visma fährt sich kaputt, Pogacar schlägt zu, Lipowitz glänzt

Tadej Pogacar hat in Hautacam die Tour de France 2025 an sich gerissen und in gewisser Weise wohl auch vorentschieden. Der Slowene demontierte das Visma-Team um Jonas Vingegaard und Matteo Jorgenson regelrecht. Florian Lipowitz näherte sich dem Podium, doch sein Team behauptet weiter zweigleisig zu agieren und Remco Evenepoels Ergebnis war deutlich besser als sein Tag. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Lipowitz begeistert bei Pyrenäen-Showdown

Quelle: Eurosport

Die Überlegenheit, mit der Tadej Pogacar die 12. Etappe der 112. Frankreich-Rundfahrt für sich entschieden hat, erinnerte erschreckend an seine Dominanz aus dem Vorjahr.
Dabei hatte Visma-Lease a Bike den Tag so vielversprechend begonnen.
Der große Held des Tages aus deutscher Sicht war aber Florian Lipowitz, der endgültig mit seinen Beinen klarstellte, wer bei Red Bull-Bora-hansgrohe der Stärkste ist.
Währendessen verlor Remco Evenepoel zwar Zeit, weil er einen richtig schlechten Tag. Am Ende aber blieb er trotzdem auf Gesamtrang drei.
Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen:

1. Visma fährt sich kaputt und Pogacar schlägt zu

Tadej Pogacar hat mit seinem Auftritt hinauf nach Hautacam alle Zweifel ausgeräumt: Trotz seines Sturzes am Vortag war der Slowene bei der ersten Pyrenäen-Bergankunft einmal mehr eine Klasse für sich und unterstrich seine Stellung als großer Top-Favorit auf den vierten Tour-Sieg seiner Karriere eindrucksvoll.
Dabei hatte es am Col du Soulor, dem ersten der drei Pyrenäenpässe des Tages, zunächst so ausgesehen, als würde Visma-Lease a Bike mit geballter Teamstärke zum Großangriff blasen. Das niederländische Team schlug ein Höllentempo an und brachte das Favoritenfeld früh zum Explodieren. Auch die Zahl der Pogacar-Helfer schmolz schnell zusammen und man konnte schon glauben, die Männer in Schwarz-Gelb würden den Slowenen möglicherweise bereits am Soulor isolieren.
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Pogacar widmet Sieg in Hautacam verunglücktem Radsport-Talent

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Dann aber wendete sich das Blatt plötzlich: Matteo Jorgenson bekam Probleme und Giro-Sieger Simon Yates musste den US-Amerikaner zweimal wieder an die Favoritengruppe heranführen. In der Konsequenz verringerte Visma mit Sepp Kuss das angeschlagene Tempo und der eigentliche Plan wurde ganz offensichtlich über Bord geworfen, um Jorgenson im Rennen zu halten, was letztendlich aber ohnehin nicht gelang.
Der US-Amerikaner berichtete von einem schwarzen Tag und verlor schließlich mehr als zehn Minuten, so dass auch die taktische Variante der abwechselnden Angriffe des Visma-Duos auf den verbleibenden neun Etappen keine Rolle mehr spielen wird.
"Wir hatten einen Plan, können aber nicht in die Fahrer reingucken. Wir hörten plötzlich, dass Matteo zurückgefallen war und das war natürlich nicht, was wir wollten", erklärte Sportdirektor Grischa Niermann am Eurosport-Mikrofon. Anstatt UAE kaputt zu fahren, hatte sich Visma offenbar selbst in die Bredouille gebracht.
Pogacars Mannschaft übernahm die Kontrolle und plötzlich war Visma verwundbar, was die Männer in Weiß-Schwarz dann auch eindrucksvoll ausnutzten. "Wir sahen, dass Jorgenson am Limit war. Deswegen sind wir gleich unten voll in den Schlussanstieg reingefahren", sagte der Sportliche Leiter Andrej Hauptmann.
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Pogacar verlängert Narvaez-Vollsprint und hängt Vingegaard ab

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Mit einem brutal harten Antritt von Jhonatan Narvaez etwa zwölf Kilometer vor dem Ziel, den Pogacar anschließend als Spontanaktion und Konsequenz eines Scherzes seinerseits bezeichnete, bereitete man den Angriff von Pogacar vor. Als der Weltmeister dann einen drübersetzte, konnte Vingegaard nicht mehr folgen.
Der Däne musste offensichtlich tiefer gehen, als er wollte und konnte sich davon auf dem Weg hinauf ins Ziel nicht mehr erholen. Im Gegenteil: Weil Vingegaard in den roten Bereich musste, war er danach konstant angeschlagener als Pogacar und weil der Weg noch so weit war, wuchs der Abstand konstant weiter bis auf 2:10 Minuten an - eine heftige Klatsche an einem Tag, der eigentlich für einen eigenen Angriff geplant war.
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Niermann zollt Pogacar Respekt: "Der Beste hat gewonnen"

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"Zum Ende hin hat er wirklich gelitten", sagte Niermann über Vingegaard und hatte erstmal keine Erklärung, ob es sich auch bei seinem Kapitän wie bei Jorgenson um einen schlechten Tag gehandelt habe: "Das weiß ich nicht. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen. Es war sicher nicht sein bester Tag, aber er war trotzdem noch Best of the Rest", meinte Niermann und zog schließlich den Hut: "Wir können UAE nur gratulieren. Sie haben gezeigt, wer der beste Fahrer ist."
Vingegaard selbst sprach im Ziel nicht. Die TV-Teams standen bereit und filmten ihn drei Minuten lang beim Durchatmen und Trinken, dann aber setzte sich der Däne schwer enttäuscht wieder auf seinen Sattel und fuhr von dannen.

2. Lipowitz klärt die Kapitänsfrage - nicht

Zwölf Tage Anlauf hat es gedauert, bis sich die Frage, wer bei Red Bull-Bora-hansgrohe nun eigentlich der Bessere ist, ganz hochoffiziell klären ließ. Auch wenn auf Etappe 2 in Richtung Boulogne-sur-Mer, als Florian Lipowitz in den Hügeln vor dem Ziel auf Primoz Roglic wartete, bereits die ersten Anzeichen da waren und das Einzelzeitfahren von Caen auf Etappe 5 das Bild verdeutlichte, dauerte es bis zur ersten Pyrenäen-Bergankunft in Hautacam, ehe endlich Klarheit herrschte.
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Von der Attacke bis ins Ziel: Lipowitz' fulminanter Hautacam-Auftritt

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Rund sechs Kilometer vor dem Ziel wurde Lipowitz endgültig von der Leine gelassen, und was er von da an zeigte, war unglaublich stark: Lipowitz fuhr auf diesen letzten sechs Kilometern nur noch knapp 25 Sekunden langsamer als Pogacar, rund 45 Sekunden schneller als Vingegaard. Seinen Kapitän Roglic distanzierte er um 1:45 Minuten.
"Es war schon ein großer Leistungsunterschied zu sehen", brachte es Eurosport-Experte Robert Bengsch auf den Punkt und deutete an, dass sich das wohl auch am Freitag im Bergzeitfahren nach Peyragudes weiter bestätigen dürfte: "Da braucht man keine Kapitänsrolle, da müssen alle Vollgas fahren."
Für Roglic, das bestätigte der Slowene am Eurosport-Mikrofon im Ziel, war es vollkommen in Ordnung, dass ihn Lipowitz stehen ließ. "Wenn man die Beine hat, muss man losfahren. Und er hatte die Beine - ein toller Job von ihm", sagte er. "Ich bin wirklich happy und hoffe, dass er das Level halten kann bis zum Ende."
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Roglic über Lipowitz: "Wer die Beine hat, muss losfahren!"

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Sportdirektor Rolf Aldag erklärte in der "ARD", dass der Sportliche Leiter Enrico Gasparotto im Teamwagen aktiv grünes Licht für die Attacke gegeben hatte. Dabei sei es vor allem darum gegangen, Remco Evenepoel im Kampf ums Podium möglichst viel Zeit abzunehmen. Lipowitz kam 1:12 Minuten vor und Roglic 33 Sekunden hinter dem Belgier an. Lipowitz liegt als Gesamtvierter nun noch 49 Sekunden hinter Evenepoel, Roglic als Siebter 2:45 Minuten.
Damit sollte die Hierarchie also doch klar neu sortiert sein, könnte man meinen. Doch Lipowitz selbst blieb da im Zielinterview zurückhaltend und meinte, "es ist noch nicht so weit".
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Experten adeln Lipowitz: "Hat heute gezeigt, was er kann"

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Aldag betonte, dass man am Urplan festhalte: "Lipowitz musste auch heute nicht warten. Ich habe immer gesagt, er fährt an der Seite von Primoz und wir wollen ihm die Zeit geben - worum ich auch jetzt noch bitte", sagte er zu "radsport-news.com". "Es kommen noch extrem viele, harte Tage auf uns zu und es macht keinen Sinn, sich jetzt auf irgendetwas festzulegen. Das würde uns auch ausrechenbar machen. Wir haben jetzt zwei Fahrer recht weit vorne und ich glaube, da sind wir die einzigen. Da wäre es, mit Verlaub, richtig dämlich, sich auf einen festzulegen."

3. Evenepoel mit eindrucksvoller Schadensbegrenzung

Als Remco Evenepoel rund 56 Kilometer vor dem Etappenziel bereits am Col du Soulor in Probleme geriet und die Favoritengruppe ziehen lassen musste, konnte man erwarten, dass der Belgier an diesem Tag alle Hoffnungen auf das Tour-Podium begraben und sich vielleicht sogar aus den Top 10 der Gesamtwertung würde verabschieden müssen. Am Ende der 12. Etappe oben in Hautacam aber stand sein Name doch noch auf Rang drei im Tableau und Evenepoel verteidigte sogar das Weiße Trikot.
Evenepoel kam als Siebter 3:35 Minuten hinter Sieger Pogacar im Ziel an, verlor auf seinen jetzt wohl größten Kontrahenten ums Podium und um Weiß, Lipowitz, aber nur 1:12 Minuten plus vier Sekunden Zeitgutschrift für den Deutschen. Angesichts der Bilder vom Soulor muss man das wohl fast schon als Erfolg werten.
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Experten über Evenepoel: "Es ist nicht alles verloren"

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Der 25-Jährige betrieb Schadensbegrenzung, in dem er die Abfahrt vom Soulor und anschließend auch vom Col des Bordères wie ein Pfeil hinunterschoss und weil er erst von Ilan van Wilder sowie dann vom aus der Spitzengruppe zurückgekommenen Max Schachmann sehr gut gepaced wurde. Und vor allem: Weil er die Nerven behielt, nie überzog und sein eigenes Tempo fuhr.
"Man muss sowas mental erstmal durchstehen. Das ist schon stark", lobte Schachmann seinen Kapitän gegenüber "radsport-news.com" und Evenepoel selbst war zwar einerseits enttäuscht, stellte aber auch fest: "Der Rückstand ist schon immens groß, aber zum Rest geht es eigentlich. Ich bin jedenfalls zufrieden, dass ich weitergekämpft und nicht einfach so alles hingeschmissen habe."
Den Kampf ums Podium wird er im Bergzeitfahren der 13. Etappe am Freitag hinauf nach Peyragudes weiterkämpfen. "Wenn er sich gut erholt, sollte ihm das liegen. Er kann dort sein eigenes Tempo fahren und wir haben heute gesehen, dass er nicht so weit hinter den Besten lag, zumindest von der Gruppe Fahrer, mit denen er wirklich kämpft", meinte Soudals Sportlicher Leiter Tom Steels bei Eurosport.
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Evenepoel erklärt seine Taktik: "Podium in Paris im Kopf"

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"Noch ist er (Lipowitz) hinter mir und das Bergzeitfahren ist für jeden ein Kampf gegen sich selbst. Ich hoffe, dass heute einfach mein schlechter Tag war und werde am Freitag alles geben, um meinen Podestplatz weiter abzusichern", sagte Evenepoel.
Dass man den Belgier nach einem schwarzen Tag nicht abschreiben sollte, weiß jeder, der die Vuelta 2023 verfolgt hat: Da brach der Belgier am Col du Tourmalet auf Etappe 13 völlig ein und musste sich sogar von allen Siegambitionen verabschieden, nur um sich tagsdrauf mit einem Etappensieg bei der nächsten Bergankunft zurückzumelden.
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Tour-Strecke, 13. Etappe: Bergzeitfahren in den Pyrenäen

Quelle: Eurosport


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