Tour de France: Tadej Pogacar vs. Jonas Vingegaard auch Duell der Superteams UAE Emirates-XRG und Visma-Lease a Bike
VonJan Zesewitz
Update 05/07/2025 um 10:24 GMT+2 Uhr
Das Duell der Superstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard bei dieser Tour de France wird auch zu einem Duell ihrer Teams UAE Emirates-XRG und Visma-Lease a Bike. Beide Mannschaften sind auch abseits ihrer Kapitäne absolut topbesetzt und werden voraussichtlich versuchen, dem Rennen ihre jeweilige Dominanz aufzuzwingen. Ein Blick auf die je sieben Fahrer, die die Stars zum Sieg bringen sollen.
Vingegaard exklusiv: "Muss besser als vor zwei Jahren sein"
Quelle: Eurosport
Die beiden besten Rundfahrer der bisherigen Saison treffen aufeinander - der eine trägt das Trikot des UAE-Teams und gewann drei einwöchige Etappenrennen in beeindruckender Manier. Der andere ist Visma-Fahrer und der Sieger der bisher einzigen Grand Tour des Jahres, dem Giro d'Italia.
Die Rede ist von Joao Almeida und Simon Yates und beide sind in ihrer jeweiligen Equipe als Helfer eingeplant. Dies zeigt zwei Dinge: Vingegaard und Pogacar schweben in der Radsport-Szene derzeit weit über dem Rest der Weltelite; und die beiden Topteams spielen auch hinsichtlich des restlichen Personals in einer eigenen Liga.
Das ist nicht erst seit diesem Jahr oder der anstehenden Tour de France so: Seit 2020 gewannen die beiden Teams elf von 16 Grand Tours, nur Ineos Grenadiers (Tao Geoghegan Hart und Egan Bernal beim Giro 2020 und 21), Red Bull-Bora-hansgrohe (Jai Hindley beim Giro 2022 und Primoz Roglic bei der Vuelta 2024) und Soudal-Quickstep (Remco Evenepoel bei der Vuelta 2022) konnten die Dominanz zwischenzeitlich durchbrechen.
Bemerkenswert: Pogacar ist für alle vier der UAE-Siege verantwortlich, bei Visma verteilen sich die sieben Siege auf vier Fahrer (Vingegaard, Roglic, Yates und Sepp Kuss). So wartet das niederländische Team bei der Tour mit nicht weniger als drei Grand-Tour-Siegern auf. Ein Vorteil muss das nicht sein - betrachtet man die sieben wichtigsten einwöchigen Rundfahrten in diesem Jahr, gewann UAE davon fünf und Visma nur eine. Ein Kader-Vergleich im Detail.
Die Bodyguards und Tempomacher
In den Aufgeboten praktisch aller Teams bei einer Grand Tour finden sich Fahrer, die Erfahrung mitbringen, die mit Nervosität im Feld umgehen können, die Tempohärte mitbringen. Es ist ihre Aufgabe, den Kapitän aus dem Stress herauszuhalten, das gilt insbesondere in der hektischen ersten Woche.
Selten sind das Fahrer von einem Format, wie es für diese beiden Teams am Start in Lille steht: Nils Politt hat seinen Wert für Pogacar schon bei der Tour im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt, mit Tim Wellens steht der frischgebackene belgische Meister an seiner Seite.
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Pogacar-Rivale Vingegaard in Frankreich gefeiert
Quelle: Eurosport
Beide wären selbst ernstzunehmende Etappenjäger, aber auch die Gegenseite hat starke "Tempobolzer": Debütant Edoardo Affini und Victor Campenaerts zählen zu den besten Zeitfahrern der Welt, der Belgier hat seinerseits schon Etappen bei Giro und Tour gewonnen. Bei beiden kann sich Vingegaard so sicher fühlen, wie es in einem Tour-Peloton nur möglich ist.
Hinzu kommt, dass sich die Visma-Fahrer gerade in der ersten Woche in ihrem "natürlichen" Klassiker-Habitat befinden. "Ich könnte mir vorstellen, dass Visma im Norden Frankreichs einen Vorteil ausspielt", sagte der neue Eurosport-Experte Romain Bardet: "Bei einem Finale bergauf hat Pogacar zwar mehr Punch als Vingegaard, aber vorher kann es windig werden und sie haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ihren Kapitän sicher an der Spitze halten können. Sie werden versuchen, jede Gelegenheit wahrzunehmen um das UAE-Team zu testen."
Die Wildcard: Wout van Aert
Wout van Aert auf eine Rolle zu reduzieren, würde dem Belgier nicht gerecht. Er ist der Königsmacher, wie er bei einigen Grand Tours schon unter Beweis gestellt hat. Beim Giro in diesem Jahr kämpfte er sich vor den Favoriten über den steilen Colle delle Finestre und brachte Simon Yates im Anschluss mit einem Kraftakt bis kurz vor das Ziel in Sestriere. Der Lohn: Der Giro-Sieg für Yates und Visma.
Ähnlich erinnerungswürdig waren seine Einsätze für Vingegaard bei der Tour 2022 und 23, als er bis zum absoluten Stillstand für seinen Kapitän arbeitete.
Van Aert passt in kein Raster - 2021 gewann er am Mont Ventoux, im Zeitfahren und den Sprint auf den Champs-Élysées. Er ist das Ass im Ärmel der niederländischen Equipe: Er kann Vingegaard im Flachen schützen und selbst um Etappensiege kämpfen und "nebenbei" in den Bergen in Topform nur von einer handvoll anderer Helfer in Schwierigkeiten gebracht werden.
"Er kann so gut wie alles und ist ein idealer Beschützer für Vingegaard. Einen vergleichbaren Fahrer hat UAE nicht", sagte Eurosport-Experte Jens Voigt im exklusiven Interview.
Die Leutnants: Siegfahrer in der Helferrolle
"Es wird ein anderes UAE-Team als beim Giro auftreten – einfach aufgrund der Anwesenheit von Pogacar", sagte Voigt über die Equipe des Titelverteidigers. "Jeder im Team kennt seine Rolle, keiner weicht davon ab und sie geben sich auch nochmal fünf Prozent mehr Mühe, weil sie wissen, dass Pogacar garantiert liefert."
Das sind schlechte Nachrichten für alle Konkurrenten, die beim Giro vom "Machtkampf" zwischen Juan Ayuso und Isaac del Toro zwischenzeitlich profitieren konnten. Joao Almeida gewann in diesem Jahr die Baskenland-Rundfahrt, die Tour de Romandie und die Tour de Suisse. In jedem anderen Team würde der Portugiese berechtigte Führungsansprüche stellen - andere Teams verfügen allerdings auch nicht über einen Tadej Pogacar.
Der Slowene bekommt mit Almeida einen der besten Rundfahrer der Welt als Helfer an seine Seite - mit Adam Yates sogar noch einen weiteren Weltklasse-Bergfahrer. Wenn die beiden auch noch fünf Prozent mehr geben, dann könnte das Podium nur aus UAE-Fahrern bestehen.
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Pogacar fordert mehr Konstanz bei Gelben Karten
Quelle: Perform
Aber Visma kann dieses Aufgebot fast gleichwertig kontern: Matteo Jorgenson gewann im Frühjahr Paris-Nizza und war auch bei der Dauphiné-Rundfahrt stark - sogar stärker als Pogacar im Zeitfahren. Und dann ist da noch Adams Bruder Simon, der mit dem Rosa Trikot im Gepäck nach Lille reist. "Man muss abwarten, wie seine Form nach dem Giro ist", sagte Voigt: "Aber natürlich ist es viel einfacher, als Helfer die zweite Grand Tour zu bestreiten, wenn man nicht jeden Tag 100 Prozent geben muss."
Yates kann sich auf die Bergetappen konzentrieren und sich in der stressigen ersten Woche heraushalten. Das gilt auch für Sepp Kuss. Der US-Amerikaner muss sich im Hochgebirge vor niemandem verstecken - dass er als Vuelta-Sieger erst an dritter Stelle der Helferriege genannt wird, zeigt die Stärke der niederländischen Mannschaft.
Stärke und Raffinesse: Taktikspiele
Fahrer wie Marc Soler, Pavel Sivakov und Jhonatan Narváez auf UAE-Seite und Tiesj Benoot auf Visma-Seite würden in keinem anderen Team nur einen Nebensatz verdienen, sondern deutlich prominentere Rollen einnehmen. Alle vier wären in der Lage, Etappensiege einzufahren oder sogar um eine gute Position in der Gesamtwertung zu kämpfen.
Bei aller individueller Klasse wird auch die Teamtaktik bei dieser Frankreich-Rundfahrt eine entscheidende Rolle spielen. Visma zeigte zuletzt beim Giro, wie ein raffinierter Plan zum Erfolg führen kann.
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Pogacar träumt bei Tour von Meilenstein: 100. Sieg "wäre unglaublich"
Quelle: Eurosport
"Wir haben den "Masterplan" von Visma in der Vergangenheit gesehen, zuletzt beim Giro, selbst wenn es nicht um Vingegaard ging", sagte Bardet. "Wie sie den Giro erobert haben war einfach, meiner Meinung nach, die DNA von Visma, in der Lage zu sein, diese Strategie durchzuziehen und das Rennen auf den Kopf zu stellen. Ich denke sie haben eine Chance und sie werden sich einen oder zwei Tage heraussuchen, von denen sie denken, dass sie Pogacar brechen können und viel Zeit gewinnen können."
Almeida könnte im Grand-Tour-Powerranking unabhängig von Teamfarben wohl den dritten Platz belegen. DIe Stärke der anderen Fahrer wie Adam Yates, Politt, Wellens, Soler und Co. ist unbestritten und das Team wird an einem Strang ziehen - auf dem Papier ist Visma dennoch einen Tick stärker. Das entscheidende Pendel in Richtung der niederländischen Equipe könnte Van Aert sein.
Es gibt nur ein Problem für Visma: Nach allen Helfern steht bei UAE am Ende der Schlange Tadej Pogacar, der neue "Kannibale".
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