Tour de France: Jens Voigt exklusiv zum Duell Tadej Pogacar gegen Jonas Vingegaard - "Rivalen werden näherkommen"
VonJan Zesewitz
Publiziert 04/07/2025 um 10:15 GMT+2 Uhr
Die große Vorschau zur Tour de France 2025 mit Jens Voigt: Der Eurosport-Experte erwartet ein neues großes Duell zwischen Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard um den Gesamtsieg - mit einem überlegenen Sieg wie im vergangenen Jahr für den Weltmeister rechnet er aber nicht. Gefahr droht allen Favoriten vor allem während der hektischen ersten Tour-Woche. Die Analyse zum Kampf ums Gelbe Trikot.
Vingegaard exklusiv: "Muss besser als vor zwei Jahren sein"
Quelle: Eurosport
Noch steht es 2:2 im direkten Duell zwischen Pogacar und Vingegaard bei der Tour de France. 2021 und 2024 hatte der Slowene die Nase vorne, dazwischen gewann zweimal der Däne die Frankreich-Rundfahrt. In der fünften Runde erwartet Experte Voigt wieder einen deutlich knapperen Ausgang als im vergangenen Jahr.
"Es wird kein Sieg mit sechs Etappensiegen und zehn Minuten Vorsprung werden", sagte Voigt im exklusiven Interview. Die Gründe: Pogacar konzentrierte sich in dieser Saison sehr auf Eintagesrennen, was sich bei einer dreiwöchigen Rundfahrt bemerkbar machen könnte. Zudem ist die Vorbereitung von Vingegaard und auch Remco Evenepoel unmittelbar vor der Tour weniger beeinträchtigt gewesen.
Im Kampf um die Gesamtwertung sieht Voigt auch "Altmeister" Primoz Roglic und dessen Teamkollegen Florian Lipowitz mit guten Chancen, auch wenn der Kampf gegen die "Super-Teams" UAE Emirates-XRG und Visma-Lease a Bike schwierig werde.
Schon während der ersten Tage könnte das Gesamtklassement Form annehmen - die erste Woche bietet steile Rampen, windanfällige Teilstücke, ein Einzelzeitfahren und Nervosität. "Die Tour-Organisation ASO scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, an jedem Tag eine zusätzliche Herausforderung einzubauen", analysierte Voigt den Tour-Auftakt. Die Favoriten sind gewarnt.
Das exklusive Interview mit Jens Voigt über Favoriten und Strecke der Tour de France 2025:
Alles läuft auf ein weiteres Duell zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar hinaus. Warum wird die Tour 2025 spannender als 2024?
Jens Voigt: Pogacar hat ein anderes Frühjahr absolviert als zuletzt - viele Eintagesrennen, kaum Rundfahrten. Das bedeutet: Er fuhr am Sonntag hart, dann zwei Tage locker, dann wieder Vollgas - und so weiter. Das reißt ein größeres Loch in die Ausdauer, als man als Außenstehender vielleicht denkt. Seine beiden Hauptkonkurrenten sind zwar auch in diesem Jahr gestürzt, aber deutlich früher als im Vorjahr. Ihre Vorbereitung war weniger beeinträchtigt. Darum denke ich, dass sie näher dran sein werden als 2024 - auch wenn Pogacar beim Critérium du Dauphiné wieder gewonnen hat. Es wird kein Triumph mit sechs Etappensiegen und zehn Minuten Vorsprung werden.
Welchem "Außenseiter" trauen Sie am ehesten den Sprung aufs Podium zu?
Voigt: Da habe ich sogar zwei Namen: Florian Lipowitz kann das schaffen – und Ben O’Connor, der als Vizeweltmeister und nach seiner starken Vuelta im Vorjahr sehr gut in Form ist. Und den Altmeister Primoz Roglic darf man auch nie vergessen. Er war beim Giro bis zu seinen Stürzen sehr stark. Wenn er nicht das typische Roglic-Pech hat, ist er auf jeden Fall ein Podiumskandidat.
Wen sehen Sie in Sachen Teamstärke im Vergleich zwischen UAE Emirates-XRG und Visma–Lease a Bike vorne?
Voigt: Es wird ein anderes UAE-Team als beim Giro auftreten – einfach aufgrund der Anwesenheit von Pogacar. Jeder im Team kennt seine Rolle, keiner weicht davon ab und sie geben sich auch nochmal fünf Prozent mehr Mühe, weil sie wissen, dass Pogacar garantiert liefert. Visma hingegen hat vor allem während der ersten flachen, hektischen und mittelschweren Etappen einen Vorteil: Wout van Aert. Er kann so gut wie alles und ist ein idealer Beschützer für Vingegaard. Einen vergleichbaren Fahrer hat UAE nicht – Nils Politt könnte das einigermaßen übernehmen. In den Bergen sehe ich UAE vorne, allein Joao Almeida kann Pogacar bis weit hinauf am letzten Anstieg begleiten. Bei Simon Yates – immerhin Giro-Sieger – muss man abwarten, wie seine Form ist.
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Watch: Stage-by-stage guide as Tour de France 2025 route revealed
Quelle: Eurosport
Über die erste Woche und ihre Gefahren wurde viel gesprochen. Durch den Start im Norden Frankreichs gibt es viele nervöse, windanfällige, auch hügelige Etappen. Wie sehen Sie die ersten zehn Tage – worauf wird es ankommen?
Voigt: Die Tour-Organisation ASO scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, an jedem Tag eine zusätzliche Herausforderung einzubauen. Der erste Tag rund um Lille ist ein klassischer Sprintertag. Schon am zweiten Tag gibt es aber Anstiege kurz vor dem Ziel mit 15 Prozent Steigung. Ich sehe da nicht alle Sprinter im Finale mit dabei. Das bedeutet, dass das Finale umso nervöser wird, weil Fahrertypen wie Wout van Aert, Julian Alaphilippe und Mathieu van der Poel - aber auch Klassementfahrer - dort ihre Chance sehen. Das Finale der dritten Etappe ist dem Wind ausgesetzt – und so geht es weiter. Abgesehen vom Zeitfahren auf der 5. Etappe sind bis einschließlich der 7. Etappe zur Mur de Bretagne sehr viele gefährliche Etappen mit hügeligem Finale dabei - für Klassementfahrer Chance und Risiko zugleich. Unter den ersten zehn Etappen finden sich nur drei klare Massensprints.
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Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard werden sich bei der Tour de France ein weiteres Mal duellieren
Fotocredit: Getty Images
Zum Abschluss: Wie geht die Tour Ihrer Meinung nach aus?
Voigt: Pogacar vor Vingegaard – und Lipowitz überrascht und wird Dritter. Ich hoffe auch, dass Roglic durchkommt, aber vielleicht ist der Deutsche einfach stärker. Er ist selbstbewusst dank der Dauphiné – nicht viele können von sich behaupten, Evenepoel bei einer Rundfahrt geschlagen zu haben. Florian fährt das ganze Jahr über schon so stark, dass das nicht völlig aus der Luft gegriffen wäre. Das würde dann auch das Weiße Trikot für ihn bedeuten. Das Grüne Trikot geht an Jonathan Milan und wer zu den Kandidaten um Bergtrikot zählt, kann man sich frühestens ab der zweiten Woche absehen - da lege ich mich noch nicht fest.
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