Für Onley-Fans: Schottische Tour-de-France-Überraschung mit Zahlenstriptease ein Musterbeispiel in Sachen Transparenz
VonJan Zesewitz
Update 29/07/2025 um 12:56 GMT+2 Uhr
Im Schatten des Duells um den Gesamtsieg bei der Tour de France der beiden Superstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard war der Kampf zwischen Florian Lipowitz und Oscar Onley um den verbliebenen Podiumsspot in der Gesamtwertung eine der spannendsten Geschichten der Tour. Der 22-jährige Schotte ist Hoffnungsträger seines Landes - und ein Musterbeispiel in Sachen Transparenz.
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Quelle: Eurosport
"Ich schätze, das ist ein wirklich großer Moment in meiner Karriere", sagte Onley über seinen vierten Platz in der Gesamtwertung der Tour. Der junge Mann ist kein Freund von Übertreibungen. Drei Wochen lang kletterte er mit den stärksten Fahrern der Welt und war nie weit weg von ihrem Level.
Er wurde Dritter an der steilen Mur de Bretagne - hinter Pogacar und Vingegaard, Vierter am Col de la Loze, Fünfter in Hautacam und im Hochgebirgs-Finale nach La Plagne, als Lipowitz den letzten Angriff des Schotten auf das Tour-Podium abwehren konnte.
"Ich habe nie über die Top Five bei der Tour nachgedacht, es jetzt im ersten echten Versuch zu schaffen, ist schon was", sagte Onley in Paris. Mit 22 Jahren und einem solchen Ergebnis in der Tasche ist es nachvollziehbar, nach Höherem zu streben: "Ich realisiere es noch nicht, aber alle Gespräche mit anderen Fahrern zeigen mir, dass wir in Zukunft ein aufregendes Projekt aufzubauen haben. Es hat definitiv einen Traum entfacht, denke ich."
Diesen Traum vom Grand-Tour-Erfolg hat jetzt eine ganze Nation. Ein Schotte konnte bisher schaffen, was Onley 2025 gelang. Robert Millar, heute Philippa York, wurde 1984 Vierter, gewann eine Etappe und das Bergtrikot der Tour. Für den Nachfolger hatte sie vor der Rundfahrt nur einen Tipp übrig: "Hol dir bloß keinen Sonnenbrand."
Ein steiler Aufstieg
Onley ist seit 2023 Profi bei Picnic-PostNL. Sein Weg durch die Junioren-Ränge verhieß nicht den Werdegang eines künftigen Klassement-Fahrers bei Grand Tours. "Ich war in Ordnung", sagte er über seine Leistung in den Nachwuchsklassen, "recht konstant, aber ich habe nie ein großes Rennen gewonnen."
Im Nachwuchs-Team von DSM, wie das Team damals hieß, durfte er schon 2022 Profi-Luft schnuppern - beim Cro Race, der Kroatien-Rundfahrt. Bei beiden Bergankünften wurde er Zweiter und brachte keinen Geringeren als den Tour-Sieger aus jenem Jahr, Jonas Vingegaard, ans Limit.
Das Klettertalent wurde erkannt und Onley wurde dauerhaft zu den Profis befördert. Seine erste Grand-Tour-Erfahrung bei der Vuelta endete schon nach Etappe zwei mit einem Schlüsselbeinbruch. Im folgenden halben Jahr zog er sich die gleiche Verletzung noch zweimal zu, zuletzt im April beim Amstel Gold Race.
Trotzdem kämpfte sich Onley zurück, wurde Achter bei der Tour de Suisse und verdiente sich eine erste Tour-Teilnahme, die er als 39. beendete und Erfahrung in Fluchtgruppen sammelte.
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Experten adeln Lipowitz: "Leistungsstärke hat entschieden"
Quelle: Eurosport
Ambitionen, Transparenz und "OnleyFans"
2025 kam er in der Weltspitze an und zeigte sein Rundfahrten-Talent das ganze Jahr über: Fünfter bei der UAE-Tour, Neunter im Baskenland, Dritter bei der Tour de Suisse - und dann Vierter beim größten Radrennen der Welt.
Als Schotte war ihm während der drei Wochen in Frankreich die frenetische Unterstützung seiner begeisterungsfähigen Landsleute sicher. "Normalerweise steht bei jeder Etappe ein schottischer Fan am Start oder am Ziel", sagte auch York. "Das ist ein schöner Aspekt für Oscar, was ihm ein bisschen das Gefühl geben könnte, etwas Besonderes zu sein. Außerdem wird er dank der sozialen Medien viel mehr Unterstützung haben als in früheren Zeiten."
Die ehemalige Tour-Teilnehmerin konnte vor dem Start noch nicht ahnen, wie recht sie damit hatte. Das Fan-Lager des 22-Jährigen nannte sich findig "OnleyFans" und war an den Anstiegen der Alpen und Pyrenäen lautstark und zahlreich vertreten.
Onley ist tatsächlich auf Social Media aktiv - unter anderem auf der Trainingsplattform Strava, wo Profis wie Hobbyathleten ihre Fahrten hochladen können. Der Schotte nimmt die Transparenz sehr ernst und zeigt sich - als einziger Fahrer - wirklich "gläsern". Alle seine Daten wie Herzfrequenz und Leistung sind offen zu sehen.
Fans und Interessierte können seine Leistungsdaten mit Freude auseinander nehmen, seine Performance bei verschiedenen Etappen und Rennen miteinander vergleichen - bei anderen Fahrern kann man das "nur" anhand der reinen Fahrzeiten.
Diese sind von diversen äußeren Faktoren abhängig - Wind, Wetter, Teamtaktiken etc. - wie stark jemand in die Pedale tritt, ist dagegen ein wahrer Hinweis auf Stärke und Leistungsvermögen. Neben einer Tour-Hoffnung für Schottland kann Onley noch mehr: Er bringt ein bisschen Vertrauen in den Radsport.
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