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Jens Voigt checkt die Etappen der Tour de France 2026: Spektakel in Alpen und Vogesen - Teil 2
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Update 01/07/2026 um 18:26 GMT+2 Uhr
Die Tour de France 2026 wird in ihrer zweiten Hälfte den Fahrern um Florian Lipowitz, Tadej Pogacar & Co. alles abverlagen. Neben den Topstars und ihrem Kampf um das Gelbe Trikot und das Podium werden sich auch die besten Sprinter und mutige Ausreißer Szene setzen. Eurosport-Experte Jens Voigt analysiert im zweiten Teil seiner Vorschau die Etappen 12 bis 21, darunter den Doppelpack in Alpe d'Huez.
Zweimal Alpe d'Huez: Die Tour-Strecke 2026 von Barcelona nach Paris
Quelle: Eurosport
Nach dem Auftakt in Spanien, den Bergetappen in Pyrenäen und Zentralmassiv fällt die Entscheidung bei der Tour de France auf den schweren Teilstücken in Vogesen und Alpen. Am Ende wartet schließlich auch in Paris noch eine Kletterpartie am Schlusstag.
Wo wird die Entscheidung in der Gesamtwertung fallen, wann haben Ausreißer und Sprinter ihre Chancen? Voigt blickt mit der Erfahrung von 17 Tour-Teilnahmen und dem Insider-Blick als Begleiter der Rundfahrt auf dem Motorrad im Peloton auf die Strecke und ihre Herausforderungen (live im TV bei Eurosport und im Stream bei HBO Max).
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12. Etappe: Circuit Nevers Magny-Cours - Chalon-sur-Saône, 179 km / 1800 Hm
Das wird wohl ein klarer Fall für die Sprinter. Flach und keine größeren topografischen Schwierigkeiten. Und weil es am nächsten Tag in die Vogesen geht, werden es sich die schnellen Männer nicht nehmen lassen, einen Massensprint zu organisieren. Der Start sollte uns tolle Bilder liefern - auf dem Formel-1-Kurs von Magny Cours beginnt diese Etappe. Die Zielanfahrt wird für die Sprinterteams eine Herausforderung, im Prinzip sind die letzten Kilometer ein riesiges Z, was wechselnde Windbedingungen garantiert.
13. Etappe: Dole - Belfort, 206 km / 2400 Hm
Die einzige Etappe mit einer Länge von über 200 km dieser Tour. Eigentlich ein Tag für Ausreißer, aber durch den schwersten Anstieg des Tages, den Ballon d'Alsace, könnte es auch für die Klassementfahrer interessant werden - hier eine Vorhersage zu treffen ist knifflig. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Ballon d'Alsace der erste Berg der Tour de France war, den die Fahrer einst 1905 bezwingen mussten. Stellen Sie sich die Ausrüstung und Technik der damaligen Fahrräder und Begleitautos vor - das war absolutes Heldentum damals.
14. Etappe: Mulhouse - Le Markstein Fellering, 155 km / 3800 Hm
Allein die reinen Zahlen reichen zur Beschreibung der Herausforderungen dieser Etappe. 3800 Höhenmeter auf 155 km verteilt auf vier Bergwertungen, davon drei der 1. Kategorie. Zum Schluss wartet der Col du Haag mit 11,2 km und 7,3 % Durchschnittssteigung. Auch wenn es nach der Bergwertung dort auf einem Plateau die letzten sechs Kilometer ins Ziel geht, werden die Steigungen dafür sorgen, dass hier alle Fahrer einzeln oder in kleinen Gruppen ankommen werden. Also ideal für die Zuschauer und Fans - und eine der spannendsten und wichtigsten Etappen dieser Tour.
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Tadej Pogacar (r.) vor Lenny Martinez (mitt) und Florian Lipowitz bei der Tour de Romandie
Fotocredit: Getty Images
15. Etappe: Champagnole - Plateau de Solaison, 184 Km / 3950 Hm
Diese Bergankunft ist eine ganz wichtige Etappe für die Favoriten: Ein Start gemacht für Ausreißer, aber die Teams von Pogacar, Lipowitz & Co. werden sich diese Etappe nicht entgehen lassen. Die Schwierigkeiten beginnen mit dem Col de la Croisette - nur knappe fünf Kilometer lang, aber mit einer durchschnittlichen Steigung von über 11 % ein Berg für die reinen Kletterer. Eine genauso steile und schnelle Abfahrt danach sowie eine üble Gegenwelle werden dafür sorgen, dass kein abgehängter Fahrer wieder zurückkommt. Im Finale wartet dann der Schlussanstieg zum Plateau de Solaison - im Rahmen der Tour de France ein neuer Berg, aber bereits 2022 war dieser Anstieg Teil der Strecke der Dauphiné mit Jonas Vingegaard als Etappensieger. Der Zielstrich liegt auf 1508 m Höhe und um dahin zu kommen, müssen die Fahrer 11,3 km mit etwas über 9 % durchschnittlicher Steigung klettern. Ganz klar ein Tag, an dem Gesamtklassement gemacht wird - bevor der zweite Ruhetag ansteht.
16. Etappe: Evian-les-les Bains - Thonon-les-Bains, 26,1 km / 500 Hm
Ein Einzelzeitfahren am Genfer See könnte so schön flach und einfach sein. Aber es geht eigentlich vom Start an bergauf, fast 10 km mit etwas über 4 % Steigung zur Côte de Larringes, erst dann wird es etwas für die Spezialisten: Eine schöne Abfahrt und dann flach am Genfer See entlang zum Ziel in Thonon-les -Bains. Trotz des Anstieges am Anfang sehe ich große Chancen für Filippo Ganna, dieser Kurs sollte ihm liegen und auch Remco Evenpoel wird hier groß auftrumpfen. Hier wird es keine Überraschungen geben, alle Fahrer wissen um die Wichtigkeit dieses einzigen Einzelzeitfahrens in dieser Tour. Und für alle Helfer, Sprinter und Ausreißer-Spezialisten ist es wie ein willkommener weiterer Ruhetag: Sie werden im Tempomat die Strecke absolvieren und so viele Kräfte sparen wie es nur irgend geht.
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Remco Evenepoel bei den Europameisterschaften im Zeitfahren
Fotocredit: Getty Images
17. Etappe: Chambéry - Voiron, 175 km / 2200 Hm
Auf dieser Etappe wird erstmal eine große Runde mit vier kleineren Anstiegen um Chambéry gefahren und es gibt zwei mögliche Szenarien in meinen Augen: Die erste Option ist, dass eine 20 Fahrer starke Gruppe durchkommt und mit großem Vorsprung reinrollt. Das zweite und für mich wahrscheinlichere Szenario ist, dass die Sprintermannschaften eine Art Zweckgemeinschaft bilden, die Etappe kontrollieren und es zu einem Sprint des fast gesamten Pelotons kommt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass diese Etappe eventuell sogar der letzte große Sprint in dieser Tour sein wird, weil dann nur noch Alpenetappen kommen plus die Abschlussetappe in Paris - und die ist ja neuerdings auch nicht mehr flach und sprinterfreundlich. Deshalb tippe ich auf einen Sprint in Voiron.
18. Etappe: Voiron - Orcières-Merlette, 185 Km / 3900 Hm
Der Zielort gestern ist heute der Startort - ein kleines, aber für die Fahrer willkommenes Detail, weil es keinen Transfer im Teambus gibt. Knappen 25 km zum Einrollen und folgt mit der Côte d'Engines (1. Kategorie) der erste Anstieg des Tages - 11,4 km mit 5,4 % Durchschnittssteigung bedeuten ideales Terrain für die Fahrer, die in die Gruppe wollen. Diese Etappe wird zu 100 % von einer Ausreißergruppe dominiert werden. Klar, die Stars werden sich untereinander attackieren im Kampf ums Podium und die Top Ten, aber der Etappensieg geht an die Spitzengruppe. Der Schlussanstieg hinauf nach Orcières-Merlette ist etwas über 7 km lang bei 6,7 % Steigung - da wird der große Kampf ums Gelbe Trikot auf die nächsten zwei Tage verschoben. Das bedeutet eine Riesenchance für Fahrer, deren Klassementhoffnungen schon vom Winde verweht wurden, sich mit einem Etappensieg zu trösten - also ein ganz wichtiger Tag für alle "Verzweifelten".
19. Etappe: Gap - Alpe d'Huez, 128 Kilometer / 3500 Hm
Teil eins des Alpendramas mit der spektakulären Idee, an zwei Tagen hintereinander in Alpe d'Huez das Etappenziel zu haben. Auf dieser Etappe gibt es einen schmerzhaften Bergaufstart zum Col Bayard und in meiner Glaskugel sehe ich hier mindestens 100 Fahrer bereits abgehängt: Meine Vorhersage ist, dass es ein Tag für die Topfahrer der Gesamtwertung wird. Warum? Die Etappe ist kurz, in der Mitte gibt es ein langes Flachstück, auf dem die Teams gut und kontrolliert Tempo fahren können, und Alpe d'Huez ist einer der prestigeträchtigsten Etappensiege, den wollen die Stars sich nicht nehmen lassen. Also, liebe Ausreißer, probiert es gar nicht, heute ist der Tag für die großen Namen und den großen Kampf ums Podium.
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Tour-Legende Alpe d'Huez: Stars, Stürze und Fan-Spektakel an 21 Kurven
Quelle: Eurosport
20. Etappe: Le Bourg d'Oisans - Alpe d'Huez, 171 km / 5450 Hm
So viele Superlative für diese Etappe: Das Dach der Tour mit dem Galibier. Die meisten Höhenmeter dieser Tour. Über 66 km an Bergwertungen. Der letzte große Kampf ums Podium. Und danach ein Endlos-Transfer nach Paris zur Abschlussetappe. Allerdings befürchte ich, dass alle im Rennen verbliebenen Fahrer stehend k.o. sein werden und deshalb könnte auf dieser Etappe weniger passieren als wir hoffen - einfach weil alle am Ende sind: Die wollen vielleicht noch attackieren, können aber nicht mehr. Gleich der erste Berg des Tages ist der Col de la Croix de Fer und der übersetzte Name "Eisernes Kreuz" ist Programm: Viele Fahrer werden ein Kreuz schlagen, wenn sie dort nach lediglich 34 gefahrenen Kilometern ankommen. Es folgen Col du Télégraphe und der Galibier, mit 2642 m der höchste Punkt dieser Tour. Richtig interessant wird es dann im kleinen Örtchen Mizoen. Dort beginnt der Col de Sarenne, der bisher nur einmal und zwar bergab in der Tour befahren wurde. Das war 2013, es ging zweimal nach Alpe d'Huez hinauf und ich war in der Spitzengruppe. Es sind schmale und raue Straßen auf dem Col de Sarenne, nach der Bergwertung wird noch eine kurze Querverbindung gefahren und dann geht es auf der wohlbekannten Strecke hinauf ins Ziel, allerdings nur die letzten 3 Kehren des altbekannten Anstieges nach Alpe d'Huez. Eine superschwere Etappe mit wenig Zeit, sich auszuruhen oder zu taktieren. Es kann super spannend oder super enttäuschend werden.

Tour de France 2026 - Profil der 20. Etappe
Fotocredit: ASO
21. Etappe: Thoiry - Paris Champs-Elysées, 133 km / 1000 Hm
Zwei Seelen wohnen in meiner Brust, wenn es um diese Etappe geht: Ich mag Traditionen, seit Jahrzehnten war der Abschluss eigentlich fast immer eine Sprinteretappe, lasst es doch einfach so. Sind Sprinter denn Sportler zweiter Klasse, dass man ihnen diesen Tag nimmt mit Aussagen wie "Immer bloß Sprint, ist ja langweilig"? Die Sprinter haben sich auch durchgequält durch diese Tour, um endlich in Paris zu sein. Andererseits war es wunderschön und spektakulär im letzten Jahr mit dem Anstieg im Montmartre, ganz großes Kino! Es wird diesmal wieder keinen Sprint geben, der letzte Anstieg ist immer noch zu nah am Ziel und die Sprinter werden abgehängt sein. Eine offensive zweite Rennhälfte erwartet uns und vielleicht ein weiteres Kapitel im Duell Mathieu van der Poel gegen Tadej Pogacar!
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Experten-Talk: Klartext zum Duo Lipowitz und Evenepoel bei der Tour
Quelle: Eurosport
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