Tour de France 2026: Torstein Träen mit bewegender Geschichte ins Gelbe Trikot - Norweger wünschte sich einst Krebs

Torstein Träen hat sich mit der Eroberung des Gelben Trikots bei der Tour de France 2026 einen Kindheitstraum erfüllt. Ein Szenario, von dem der Norweger vor vier Jahren noch weit entfernt gewesen ist. Eine positive Dopingprobe stellte sein Leben auf den Kopf, glücklicherweise - wie er selbst sagt - stellte sich der Test jedoch als Krebsdiagnose heraus. Seitdem schreibt Träen Geschichte.

Träen schreibt Geschichte: "Vielleicht realisiere ich es irgendwann"

Quelle: Eurosport

Ein leichtes Lächeln, nüchterne Antworten und keine großen Emotionen. Als Torstein Träen nach der 4. Etappe auf der Tour de France im Gelben Trikot vor den Mikrofonen stand, mochte man beinahe sagen: "Typisch skandinavisch!"
Ein Blick in die Vergangenheit genügte jedoch, um den Norweger von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.
"Eigentlich gibt es nicht viel zu sagen. Was für ein Tag, um am Leben zu sein", erklärte Träen im Interview mit dem norwegischen Fernsehsender "TV2" - und meinte dabei jedes einzelne Wort.
Vor vier Jahren sah sich der 30-Jährige nämlich noch mit der schwierigsten Phase seines Lebens konfrontiert.

Positiver Dopingtest: Träen "wünschte" sich Krebs

Im Mai 2022 befand sich Träen in einem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada, als ein Anruf sein Leben auf den Kopf stellte: Ein Dopingtest hatte positiv auf die verbotene Substanz hCG angeschlagen (Humanes Choriongonadotropin).
Das Hormon bewirkt eine Erhöhung des zirkulierenden Testosterons, das wiederum Muskelaufbau und Regeneration beschleunigt. Doch Träen war sich seiner Unschuld bewusst - was zu einer für Außenstehenden wohl kaum nachvollziehbaren Reaktion führte.
"Sofort denkt man an das schlimmstmögliche Szenario. Wir saßen da und hofften, dass es Krebs ist, weil das aus der Sicht eines Profis tatsächlich der bessere Fall gewesen wäre", erzählte er in einem Interview mit "NRK".
Warum Krebs? Tatsächlich gilt hCG auch als Tumormarker, was schließlich auch bei Träen zugetroffen hatte. Doch die Diagnose ließ zunächst auf sich warten.
"Auf den Bildern und im Ultraschall war zunächst nichts zu erkennen. Also lief man die ganze Zeit herum und wartete. Und dieses Warten hat unglaublich viel Energie gekostet", erinnerte er sich.
Letzten Endes erfüllte sich der "Wunsch" von Träen, beim Norweger wurde schlussendlich Hodenkrebs diagnostiziert. Da sich der Tumor nicht ausgebreitet hatte, benötigte er nur eine Operation und keine weitere Behandlung.

Vuelta, Tour, Geschichtsbücher: Träen auf dem Höhenflug

Lediglich zwei Wochen musste er auf das Radfahren verzichten, anschließend stieg er wieder ins Training ein. Im darauffolgenden August kehrte er in den Rennsport zurück und verzeichnet beim CRO Race (7.) und der Tour de Langkawi (3.) beeindruckende Ergebnisse. Doch damit nicht genug.
In den Jahren 2024 und 2025 stand Träen bei Bahrain Victorious unter Vertrag und schrieb in dieser Zeit Geschichte. Als erst dritter Norweger der 80-jährigen Historie der Vuelta a España streifte er sich das Rote Trikot des Gesamtführenden über - nur um eine Saison später nachzulegen.
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Quelle: Eurosport

Seine Rückkehr zu Uno-X Mobility sowie das Debütjahr der norwegischen Equipe auf der UCI World Tour versüßte er nun mit der Eroberung des Gelben Trikots bei der Tour de France. Natürlich war auch dieser Meilenstein von einer historischen Note geprägt.
Letztmals hatte in Alexander Kristoff ein Norweger Gelb getragen, nachdem der zum Jahresende zurückgetretene Topsprinter 2020 in Nizza die Auftaktetappe gewonnen hatte. Auch Thor Hushovd, heutiger Uno-Teammanager war 2004 und 2011 kurzzeitig ins Führungstrikot geschlüpft.

Ein müder Träen erfüllt sich Kindheitstraum

"Im Moment bin ich etwas müde", meinte Träen, als er auf seinen historischen Coup bei der Tour de France angesprochen wurde. "Das ist ganz klar der Traum eines kleinen Jungen, der in Erfüllung geht."
Wie lange er dieses Märchen auskosten darf, wird sich an den kommenden Tagen herausstellen. Bei der Vuelta im vergangenen Jahr waren ihm zehn Tage im Roten Trikot vergönnt gewesen. Und dieses Mal?
Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Sean Quinn (EF Education-Easy Post) beträgt 28 Sekunden, die großen Favoriten - Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) und Jonas Vingegaard (Team Visma-Lease a Bike) - folgen mit einem Rückstand von 7:53 Minuten. Die Chance auf mehrere Tage in Gelb ist also gegeben.
Sein Teamchef weiß jedenfalls, was auf seinen Schützling zukommt. "Das bedeutet mir sehr viel. Wer die Tour de France angeführt oder eine Etappe gewonnen hat, wird anders in Erinnerung behalten", so Hushovd. "Die Franzosen nehmen einen mit ins Rampenlicht. Ich weiß das nur zu gut."
Allzu weit vorausdenken will Träen selbst aber nicht. "Ich hoffe einfach, dass ich morgen auch noch in Gelb bin", gab er sich gelassen.
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Quelle: Eurosport


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