Florian Lipowitz bietet Tadej Pogacar bei der Tour de Romandie die Stirn - Jens Voigt schwärmt: "Florian war unglaublich stark"
Update 05/05/2026 um 10:32 GMT+2 Uhr
Es hat nicht allzu viel gefehlt für das Meisterstück von Florian Lipowitz bei der Tour de Romandie. Sechs Tage lang trieb der Deutsche Tadej Pogacar auf anspruchsvollen Etappen vor sich her und verlor - die Zeitbonifikationen herausgerechnet - nur 20 Sekunden auf den Superstar. Lipowitz ist auf einen guten Weg, die Welt des Radsports neu zu ordnen - findet auch Eurosport-Experte Jens Voigt.
Lipowitz zieht Frühjahrs-Bilanz: "Stärker als letztes Jahr"
Quelle: Eurosport
42 Sekunden lag Florian Lipowitz am Ende in der Gesamtwertung der Romandie-Tour hinter Tadej Pogacar, mehr als die Hälfte seines Vorsprungs heimste der Slowene durch Zeitgutschriften für seine vier Etappensiege ein.
"20 Sekunden - das ist ja ein Wimpernschlag", sagte Jens Voigt im exklusiven Gespräch mit Eurosport. "Pogacar hat zwar überragende vier von sechs Etappen gewonnen. Er ist der Baum, der den Wald verdeckt. Trotzdem war er nicht ganz so dominant und leistungsmäßig nicht in seiner eigenen Liga, wie man das von anderen Rennen kennt", so Voigt.
Das hatte laut dem Experten zwei Gründe. Zum einen sieht er Pogacar (noch) nicht in der Bestform. "Er ist nicht da, wo er sein wollte. Vielleicht befindet er sich gerade in einer Umwandlungsphase, was sein Körpergewicht angeht. Von 67 Kilogramm bei den Eintagesrennen im Frühjahr im Übergang zu den 64 Kilogramm. Das ist Pogacars Idealgewicht für die Tour de France."
Andererseits hatte er in Lipowitz einen Gegner, der ihm sehr viel abverlangt hat. "Florian war unglaublich stark. Aus der Sicht von Pogacar ist er gefährlich nah dran. Florian zeigt keine Anzeichen von Müdigkeit, Ausgebranntsein oder Motivationsproblemen", erklärt Voigt.
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Highlights der Schlussetappe: Lipowitz attackiert Pogacar mehrfach
Quelle: Eurosport
Lipowitz klare Nummer eins bei Red Bull
Zudem habe sich erneut bestätigt, wer die Nummer eins im Team von Red Bull-bora-Hansgrohe ist. "Was wunderbar auffällt, ist, dass Lipowitz - egal ob er mit seinen Co-Kapitänen Primoz Roglic oder Remco Evenepoel fährt - immer das bessere Ende für sich hat. Das ist kein Einzelfall, kein Zufall, sondern Programm. Egal, wo er am Start steht: Florian ist der zuverlässigere und bessere Klassementfahrer bei Red Bull. Das war er bei allen Rundfahrten im letzten Jahr so und wird sich meiner Meinung auch bei der Tour fortsetzen."
Die Tour de Romandie in der Westschweiz - vielleicht war das die Ouvertüre für die größte Bühne des Radsports im Juli in Frankreich. Lipowitz hat sechs Tage beharrlich versucht, den großen Dominator ins Straucheln zu bringen. Auf der Etappe nach Leysin präsentierte er sich ungewohnt aggressiv.
Laut Voigt fehlen dem 25-Jährigen nur noch kleine Schritte auf dem Weg zur absoluten Weltspitze. "Florian hat zwei Mini-Mankos: das Zeitfahren und die Spritzigkeit. Er ist der klassische Bergfahrer, der sein Tempo durchfährt und die meisten da nicht mithalten können. Was ihm noch fehlt, ist die diese Explosivität am Berg. Die Fähigkeit der Tempoverschärfung mit kurzen Erholungsphasen, um dann erneut zu attackieren. Das können Pogacar und Jonas Vingegaard im Moment noch besser als er."
Kleiner Ritterschlag für Lipowitz von Pogacar
Zudem fiel bei der Romandie auf, dass Lipowitz im Kampf um Etappensiege etwas ungestüm agiert auf den letzten 600 bis 1000 Metern. Voigt: "Da fehlt ihm das letzte Quäntchen Entschlossenheit. Er fährt meist von vorne und kann dann auf den letzten 500 Metern nicht mehr zulegen. Er muss da noch kaltschnäuziger werden und sich Tipps von den erfahrenen Leuten in seinem Team holen, wie man so ein Rennen gewinnt."
Nichtsdestotrotz hat sich Lipowitz gehörigen Respekt verschafft - auch bei Pogacar, der Lipowitz' Angriff auf der Schlussetappe als "ziemlich beeindruckend" empfand. Ein klitzekleiner Ritterschlag.
Die beiden werden sich in den nächsten Wochen möglicherweise noch häufiger begegnen. Pogacar und Lipowitz beabsichtigen, die gleichen Tourpässe in den Alpen abzufahren. Auf Lipowitz' Plan stehen zudem ein paar Tage Höhentrainingslager in der Sierra Nevada und die Slowenien-Rundfahrt vom 17. bis 21. Juni, bevor am 4. Juli in Barcelona das Event startet, worauf alles abzielt: die 113. Tour de France (alle 21 Etappen live bei Eurosport und im Stream bei HBO Max).
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"Er war wirklich eindrucksvoll": Pogacar über Duell mit Lipowitz
Quelle: Eurosport
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