Nachdem der Kolumbianer auf der 20. Etappe im Finale die entscheidende Attacke der anderen Klassementfahrer um Primoz Roglic, Enric Mas, Adam Yates, Jack Haig und Gino Mäder verpasst hatte, die Lücke immer größer und die Chance auf das Vuelta-Podium immer kleiner wurde, stieg López schließlich demoralisiert vom Rad. Warum, dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze.
Aus dem Lager von López wird die Schuld ganz klar dem Team und vor allem Teamchef Eusebio Unzué zugesprochen. In einem Interview mit der kolumbianischen Tageszeitung "El Espectator" erklärte Rafael Acevedo, der Trainer und Schwiegervater von López, dass López einen mentalen Zusammenbruch erlitten hätte, nachdem das Podium außer Reichweite geraten war und er zudem von Teamchef Unzué angeschrien worden sei.
Vor allem auf den Teamchef war man nicht gut zu sprechen. Denn Unzué soll López nicht angebrüllt haben, weil dieser den Kontakt zu den anderen Klassementfahrern - abgesehen von Bernal - verloren hatte, sondern weil er aufhören sollte, Nachführarbeit zu leisten.
Vuelta a España
Aufgabe statt Vuelta-Podest: 20. Etappe wird für López zum Desaster
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"Meine Tochter hat ihn über das Telefon eines Betreuers, der im Teamfahrzeug saß, erreicht. Er habe vor Enttäuschung geweint. Wie mir meine Tochter berichtet hat, bekam er - nachdem er den Anschluss nach vorne verpasst hatte - die Direktive, nicht nachzuführen. Eusebio Unzué persönlich sei zu ihm vorgefahren und habe angefangen, ihn anzubrüllen. Das hat bei Miguel das Fass zum Überlaufen gebracht und er stieg aus“, so Acevedo.

Vuelta a España: López verzichtet auf öffentliche Kritik

López selbst gab sich in einem vom Team veröffentlichten Statement diplomatischer und verzichtete völlig auf verbale Attacken gegen seinen Arbeitgeber. Vielmehr entschuldigte sich López bei seinen Teamkollegen. "Wir waren nur noch zu fünft, nur drei davon konnten Helferdienste leisten, und sie haben sich komplett für Mas (Enric Mas, der Zweiter der Gesamtwertung ist) und mich geopfert", wurde López zitiert.
Zur entscheidenden Situation sagte der Kolumbianer, dass es kompliziert gewesen sei, man sei ins Hintertreffen geraten und habe im Moment keine Lösung gefunden.
"Bahrain hat seine Karten clever gespielt und dann war es schwer, selbst eine kleine Lücke zu schließen. Letztlich haben viele Faktoren darauf eingewirkt und dann ist passiert, was passiert ist. Ich habe einen Kampf aufgegeben, der noch nicht vorbei war. Ich möchte mich bei allen Fans, Sponsoren und der Vuelta-Organisation entschuldigen, für das was heute geschehen ist", so López am späten Samstagabend.
Hatte López in der entscheidenden Situation nicht die Beine, um den Besten zu folgen? Wurde er aus teamtaktischen Gründen bei Bernal gehalten? Konnte López dann das Loch nicht mehr schließen oder verbot es ihm das Team? Was genau geschehen ist, wird sich wohl so schnell nicht mehr final rekonstruieren lassen.
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