Primoz Roglic stand leise lächelnd im Schatten des mächtigen Kreuzes am Castro de Herville, und die machtlose Konkurrenz verneigte sich vor dem stillen Mentalitätsmonster. Den Frust über das bittere Sturz-Aus bei der Tour de France hat Sloweniens Radstar in Olympia-Gold und die erneut gnadenlose Dominanz bei der Vuelta verwandelt - eine beeindruckende Willensleistung.
"Ich bin sehr zufrieden", sagte Roglic am Samstag im Ziel der letzten schweren Bergetappe der 76. Spanien-Rundfahrt. Er freue sich nun auf die finalen Kilometer zum dritten Vuelta-Triumph in Serie, schob er noch kurz nach - ein großer Redner wird der 31-Jährige also nicht mehr. Muss er aber auch nicht, solange er solche Taten sprechen lässt.
Während der drei Wochen dieser ausnehmend schweren Vuelta hat Roglic im schon angestammten Roten Trikot keine signifikante Schwäche gezeigt. Die Angriffe der prominenten Konkurrenten um Giro-Sieger Egan Bernal parierte er stoisch, attackierte dosiert, aber wirksam.
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Quasi uneinholbare 2:38 Minuten Vorsprung nahm er daher ins abschließende Zeitfahren am späten Sonntagabend mit - seiner Olympiasieger-Disziplin. Die letzten Rivalen hatten da schon längst achselzuckend kapituliert.

Vuelta a España: Roglic peilt 2022 den Tour-Erfolg an

"Ganz ehrlich - ich schaue gar nicht mehr auf Primoz", sagte der drittplatzierte Australier Jack Haig, "er scheint unschlagbar." Der bis zuletzt ärgste Rivale, der Spanier Enric Mas, meinte: "Er hat bewiesen, wie stark er ist. Da kann man letztlich nicht mehr machen, als zu gratulieren."
Mittlerweile ist es auch die physische Stärke, die Roglic über die Konkurrenz erhebt, der Gleichmut im positiven Sinn. Als er am 4. Juli schwer gezeichnet seinen Traum vom Toursieg erneut begraben musste, bejammerte er dies nicht, sagte: "Ich muss jetzt optimistisch sein und eben neue Ziele suchen." Vorwärts immer, stets pragmatisch.
Diese Einstellung zieht sich durch seine Sportlergeschichte, die so bemerkenswert ist, dass man sie nicht oft genug erzählen kann. "Ich wollte der beste Skispringer der Welt werden, der Traum hat sich nicht erfüllt", sagte der einstige Junioren-Weltmeister von der Schanze, "deshalb habe ich umgedacht."
Da ihn der Radsport stets interessiert hatte, borgte er sich ein einfaches Straßenrad vom Nachbarn, wurde schnell besser, kaufte sich ein Rennbike, wurde mit fast 24 noch Profi und als Endzwanziger ein Siegfahrer auf höchstem Niveau. Statt bester Skispringer der Welt ist er nun eben bester Radfahrer.
Oder: Fast der beste. Denn dieser vermaledeite Tour-Titel fehlt noch. 2020 schnappte ihm sein junger Kumpel Tadej Pogacar das Gelbe Trikot im letzten Moment noch weg. 2021 wäre Roglic wohl Pogacars einziger ernsthafter Rivale gewesen. Und 2022? "Da wird er zurückkommen", sagt sein Sportdirektor Merijn Zeeman, "und zeigen wollen, dass er die Nummer eins der Welt ist".
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(SID)

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