Noch am Donnerstag auf dem Altu d'El Gamoniteiru war Miguel Ángel López (Movistar) obenauf: Der Kolumbianer gewann die 18. Vuelta-Etappe und sicherte damit seinen dritten Gesamtrang ab. Das Podium in Santiago de Compostela schien ihm kaum mehr zu nehmen zu sein.
48 Stunden später aber steht López überhaupt nicht mehr in den Ergebnislisten dieser 76. Spanien-Rundfahrt. Doch der Kolumbianer ist nicht schwer gestürzt, sondern hat die Vuelta am Samstagnachmittag völlig frustriert aus freien Stücken aufgegeben.
Während die Spitze des Rennens die Schlusssteigung zum Castro de Herville in der Provinz Mos hinaufkletterte, machte die Meldung die Runde: López habe angehalten, stehe am Straßenrand und diskutiere mit seinem Sportlichen Leiter Patxi Vila. Kurz darauf hieß es, er habe aufgegeben.
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Dann gab es zwar noch Meldungen, er sei doch nochmal aufs Rad gestiegen. Doch als Etappensieger Clement Champoussin (Ag2r – Citroen) im Ziel seinen Erfolg feierte, wurde klar: López ist raus. TV-Kameras hielten fest, wie er mit dem Smartphone telefonierend in den Movistar-Teamwagen einstieg. Irgendwo am Rande einer kurvigen Landstraße in Galizien.

Furioser Kampf ums Podest: Highlights der 20. Etappe

Miguel Ángel López geht zweite Attacke von Adam Yates nicht mit - ein großer Fehler!

Doch was war passiert? Bis 60 Kilometer vor dem Ziel der letzten Vuelta-Mittelgebirgsetappe lief alles nach Plan. López und sein Teamkollege Enric Mas, Gesamtzweiter, saßen in der von Ineos Grenadiers mit Höllentempo angeführten Favoritenfeld und sah souverän aus.
Ineos machte zwar deutlich, dass man mit Egan Bernal oder Adam Yates noch angreifen wolle. Und auch eines Vorstoßes von Jack Haig (Bahrain Victorious), López' ärgstem Verfolger, durfte man sich sicher sein. Doch es gab kein Anzeichen, dass das ein Problem sein könnte.
Als dann rund drei Kilometer vor dem Gipfel des Alto de Mougás (1. Kategorie), der 56 Kilometer vor dem Ziel überquert werden sollte, der Gesamtsechste Adam Yates und der Fünftplatzierte Bernal nacheinander attackierten, änderte sich daran zunächst auch nichts. Die Favoriten konnten alle folgen. Dann aber beschleunigte Yates rund zwei Kilometer vor der Bergwertung nochmal – und es kam zum Taktik-Blackout bei Movistar.
Roglic sprang mit, Mas sprang mit, Haig und sein Helfer Gino Mäder sprang mit – aber López blieb sitzen, und an seinem Hinterrad auch Landsmann Bernal. Doch in der Gruppe um die beiden Kolumbianer war niemand mehr, der Interesse hatte, die gerade entflohenen Kontrahenten zu jagen, und so war es plötzlich an López allein, die Nachführarbeit zu leisten. Während vorne Mäder Vollgas gab und die anderen davonzog, haderte López hinten und verlor Sekunde um Sekunde.

Miguel Ángel López muss alleine Nachführarbeit leisten - ohne Erfolg

Der Abstand wurde in der Abfahrt immer größer, und unten im Tal angekommen wackelte López' Podestplatz gehörig. Haig zog virtuell an ihm vorbei und weil die Situation in dieselbe Richtung weiterlief, brach nun López' Moral, da ihm noch immer niemand helfen wollte.
Seine Gruppe nahm raus und das Podium war endgültig weg. Rasch wuchs die Lücke auf über drei, bald sogar vier Minuten an.
Was danach geschah, zeigten die TV-Bilder nicht mehr. Doch der emotionale López muss ob seiner hoffnungslosen Situation am Boden zerstört gewesen sein.

Auch der Movistar-Sportdirektor kann López nicht zum Weiterfahren überzeugen

So hielt er an und ließ sich schließlich auch von Movistar-Sportdirektor Vila nicht mehr davon überzeugen, dass auch eine Top-Ten-Platzierung bei der Vuelta noch etwas wert sei. López gab frustriert auf – frustriert, wegen einem Moment der taktischen Unachtsamkeit rund 58 Kilometer vor dem Ziel am Alto de Mougás, die ihn sein Vuelta-Podium kostete.
Blieb am Abend nur eine Frage: Hatte López allein den Moment verpennt, oder hatte auch die Teamleitung im entscheidenden Moment eine schlechte Anweisung durchgegeben?
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