Vuelta: Enric Mas, Primoz Roglic und Felix Gall schreiben mit Podium Geschichte - Premieren und Rekorde in Spanien

Eurosport bei Google

Das Podium der Vuelta a España 2026 hatte in dieser Konstellation vor dem Start in Monaco wohl niemand erwartet. Seit der 8. Etappe fehlte der alles überstrahlende Topfavorit Tadej Pogacar, der bis zu seinem schweren Sturz dieser Rolle auch gerecht wurde. Doch Enric Mas, Primoz Roglic und Felix Gall schrieben allesamt bei dieser Spanien-Rundfahrt Geschichte und sorgten für Premieren und Rekorde.

Highlights: Showdown um Vuelta-Gesamtsieg auf 1868 Metern

Quelle: Eurosport

Ein Stein veränderte alles. Es war eine Flachetappe an der Costa Blanca rund um Valencia. Pogacar hatte nach einer Woche drei Etappensiege gefeiert und lag in der Gesamtwertung 3:50 Minuten vor Mas. Der Slowene hatte wie erwartet alles im Griff, dann änderte sich auf einen Schlag die gesamte Dynamik der Rundfahrt.
Pogacar zog sich bei seinem Sturz eine Gehirnerschütterung, einen Schlüsseleinbruch und eine Fraktur des obersten Halswirbels zu. Der "Erbe" des Roten Trikots war Mas, der in der Folge eindrucksvoll in die großen Fußstapfen trat und das Leadertrikot würdevoll trug - auch wenn er sich im Ziel der 8. Etappe noch weigerte, das Jersey erstmals in seiner Kariere überzuziehen.
In Rot gewann er die 9. Etappe und verwaltete in der Folge seinen Vorsprung auf Roglic und Gall, ohne dabei in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten.
Nicht nur der Mallorquiner erfüllte sich in Granada einen langersehnten Traum - auch die beiden Männer neben ihm schrieben bei dieser Vuelta Geschichte und können das Podium als großen Karriereerfolg verbuchen - auch der 36-jährige Roglic, der auf der Jagd nach seinem fünften Gesamtsieg in Spanien war.
picture

Vuelta 2026: Das Podium in Granada mit Primoz Roglic, Enric Mas und Felix Gall

Fotocredit: Getty Images

Mas: Der ewige Vuelta-Zweite steht ganz oben

Die Tour de France kennt einige "Ewige Zweite" - Raymond Poulidor steht sinnbildlich für diesen Titel. Dreimal wurde er bei seiner Heimrundfahrt Zweiter, fünfmal Dritter, kein einziges Mal trug er das Gelbe Trikot. Jan Ullrich bekam diesen Stempel nach fünf zweiten Plätzen in Frankreich, darunter dreimal allein im Duell mit Lance Armstrong.
Joop Zoetemelk - und hier endet der Exkurs in einer Parallele - wurde sechsmal Zweiter in Paris, aber einmal konnte er die Grande Boucle gewinnen. 1980 übernahm er das Gelbe Trikot vom damaligen Dominator Bernard Hinault, der am Fuße der Pyrenäen mit heftigen Kniebeschwerden in einer Nacht- und Nebelaktion die Rundfahrt verließ. Der Niederländer ließ in den folgenden zehn Tagen nichts anbrennen und gewann.
Auch Mas ist endlich ganz oben angekommen. 2018 wurde er hinter Simon Yates zum ersten Mal Zweiter bei seiner Heimrundfahrt, es folgten zweite Plätze 2021 (hinter Roglic) und 2022 (hinter Remco Evenepoel) und ein dritter Platz 2024. Nun profitierte der Movistar-Kapitän von der Aufgabe des größten Fahrers der aktuellen Generation - und verdiente sich den Sieg in der Folge.
picture

Vuelta 2026: Primoz Roglic, Enric Mas und Felix Gall kämpften ums Rote Trikot

Fotocredit: Getty Images

Nervenstark und konstant wie es ihm nicht jeder zugetraut hätte präsentierte sich Mas, sein Team verhielt sich dazu sehr clever. Die Mannschaft war nicht die dominante Kraft im Feld, aber sie löste ihre Aufgabe souverän und konnte auch das Aus von Cian Uijtdebroeks verschmerzen.
Wie Mas am Gravel-Anstieg auf der 6. Etappe plötzlich die Lücke zu Pogacar schloss und dann noch vor ihm die Bonussekunden an der Bergwertung holte, zeigte seine Klasse. Bei den folgenden Bergprüfungen konnte ihn später kein Rivale mehr gefährden, Mas war stets Herr des Geschehens. Selbst Gall wollte nach der Königsetappe nicht davon sprechen, dass er Mas dort wirklich abgehängt habe - "vielleicht wollte er sich da nicht mehr so sehr in den Schmerz fahren", war stattdessen seine Vermutung.
picture

Die spanische Hymne erklingt bei der Heimrundfahrt für Mas

Quelle: Eurosport

Roglic: Trotz Tiefschlag ein bisschen Historie

Für Roglic war das sechste Podium seiner Vuelta-Laufbahn ein ganz besonderes. Im Unterschied zu Mas stand er fast immer oben in der Mitte bei der abschließenden Siegerehrung - außer 2023, als er beim Sieg von Sepp Kuss bei einem reinen Visma-Podium Dritter wurde. "Dieser zweite Platz ist ein Sieg für uns", sagte Roglic nun in Granada. "Das konnte ich mir beim Start kaum vorstellen. Aber es ging in Monaco (seiner Wahlheimat, Anm. d. Red) los und ich wollte dabei sein. Ich habe es einfach Tag für Tag genommen und geschaut, wohin es uns führt."
Das Podium ist angesichts seiner massiv beeinträchtigten Vorbereitung kaum hoch genug einzuschätzen. Wie Roglic mit seiner ganzen Erfahrung und auch ohne massive Teamunterstützung in den schweren Anstiegen durchgebissen hat, war für viele Fans wie Fachleute eine Überraschung.
Und auch wenn der letzte große Angriff im Gebirge auf Mas ausblieb, hat der Slowene aus dieser Grand Tour wohl das Maximum herausgeholt. "Wir hatten immer im Kopf, dass Primoz zehn Tage verloren hat", sagte der Teammanager Sven Vanthourenhout mit Blick auf die Vorbereitung nach seinem Unfall mit einem Auto im Höhentrainingslager.
picture

Roglic: "Der zweite Platz ist ein Sieg für uns"

Quelle: Eurosport

Mit 36 Jahren sein nun insgesamt neuntes Grand-Tour-Podium perfekt zu machen, verdient enormen Respekt. Vom "Heimstart" in Monaco bis zum Ziel in Granada bewies Roglic Konstanz - was möglich gewesen wäre, wenn er mit entsprechendem Training seine Zeitfahrstärke hätte ausspielen können, bleibt offen.
Auch wenn er den Rekord nicht gebrochen hat, so hat er eine "Lücke" zu Roberto Heras geschlossen. Der Spanier, ebenfalls vierfacher Gesamtsieger, hatte nach Vuelta-Podien bislang vor ihm gelegen - und herrscht auch in dieser Statistik Gleichstand.

Gall: Zwei Grand-Tour-Podien in einem Jahr

Zwei Podien bei Grand Tours in einem Jahr hat noch niemals ein Österreicher geschafft, bislang standen da die dritten Tour-Plätze von Adolf Christian (1957) und der aberkannte von Bernhard Kohl (2008) in den Geschichtsbüchern. Nun legte Gall nach Rang zwei beim Giro mit Platz drei bei der Vuelta nach - historisch und herausragend.
Auf der Königsetappe zeigte Gall am Schlusswochenende nochmals, dass er an langen Bergen vielleicht sogar der stärkste Kletterer im Feld war - und ohne die Ausfälle von Gregor Mühlberger, Jordan Labrosse und Matthew Riccitello wäre sicher noch mehr möglich gewesen: Das Décathlon-Team war der Konkurrenz im direkten Duell in den Anstiegen überlegen, sogar schon, als das UAE-Team noch mit Pogacar in voller Mannschaftsstärke dabei war.
"Ich wollte mit einer starken Performance abschließen", sagte Gall im Eurosport-Interview nach der Schlussetappe in Granada. "Ich konnte zeigen, dass ich in der dritten Woche zu den Besten gehöre, dass ich in großen Momenten wie diesen gute Leistungen zeige. Das gibt mir viel Selbstvertrauen für die Zukunft.
picture

Gall: "Ziel war ein Grand-Tour-Podium und jetzt sind es zwei"

Quelle: Eurosport

Gall zeigte in den Bergen Konstanz auf höchstem Niveau - wie schon im Mai beim Giro d'Italia. Damals war nur ein überragender Jonas Vingegaard stärker als der Österreicher, aber auch der dritte Platz in Spanien ist kaum geringer einzuschätzen.
Zum einen bestätigte Gall damit, dass er verlässlich zur Riege der Top-Kletterer und Klassementfahrer zählt und zum anderen, dass er auch vor einem wahrscheinlichen Abschied von der französischen Equipe keine Motivationsprobleme hatte. Während Wunderkind Paul Seixas sein erstes Podium bei der Tour noch verpasste, fuhr Gall für den Rennstall zwei Podestplätze ein - der junge Franzose und das ganze Team werden ihn 2027 schmerzlich vermissen.
picture

Vuelta-Highlights: Stars, Stürze und Seriensieger

Quelle: Eurosport


Mehr als 2 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung