Vuelta - Gesamtführender Enric Mas verblüfft mit neuer Stärke auf dem Weg zum Triumph: "Zeitfahren lügt nicht"
Eurosport bei GoogleAusgerechnet in seiner ungeliebten Disziplin Zeitfahren hat Enric Mas den größten Schritt Richtung Vuelta-Sieg gemacht. Der Spanier überraschte auf der 18. Etappe mit einem starken Auftritt im Kampf gegen die Uhr und konnte seinen Rückstand gegen Herausforderer Primoz Roglic in unerwartet engen Grenzen halten. Noch stehen schwere Bergankünfte aus, aber Mas hat nun alle Trümpfe in seinen Händen.
Highlights: Roglic macht Zeit gut - Küng feiert Tagessieg
Quelle: Eurosport
Dabei waren Marschroute und Erwartungshaltung beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe vor den 32,1 Kilometern nach Jerez de la Frontera klar: Dieses flache Hochgeschwindigkeitszeitfahren stellte eine Steilvorlage für Olympiasieger Roglic dar. Technik-Mastermind Dan Bigham prognostizierte am Eurosport-Mikrofon einen möglichen Zeitgewinn von anderthalb Minuten.
Auch der Sportliche Leiter des Slowenen, Sven Vanthourenhout, hatte einen ähnlichen Abstand zwischen den beiden Rivalen erwartet. Doch am Ende des Fernduells musste der Belgier anerkennen, dass der Vuelta-Spitzenreiter sein Rotes Trikot unerwartet souverän verteidigen konnte: Nur 33 Sekunden seines Vorsprungs gab er ab.
"Unter normalen Umständen hätte ich mit einer bis anderthalb Minuten Abstand gerechnet. Aber Mas fährt in einer super Form - und so ein Zeitfahren lügt nicht", gestand er ein.
Auf die Umstände ging dann auch Roglic selbst in seiner Einschätzung ein. Er sei "definitiv super happy" mit seinem Auftritt, schließlich habe er wegen seines Unfalls vor der Vuelta "null Stunden auf dem Zeitfahrrad" trainieren können.
Mas im Finale schneller als Roglic
Besonders auffällig in der Analyse: Auf den letzten zehn Kilometern von der zweiten Zwischenzeit bis ins Ziel drehte Mas richtig auf. Er zauberte die fünftbeste Zeit in diesem Sektor auf die Straße, war nur zwei Sekunden langsamer als Etappensieger Stefan Küng in diesem Segment, aber drei Sekunden schneller als Roglic.
Das deckte sich auch mit dessen Selbsteinschätzung: "Beim Start fühlte ich mich gut, Richtung Ziel wurde ich dann immer müder", erklärte der Slowene nach dem Kraftakt.
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Roglic zieht Bilanz nach Zeitfahren: "Bin super happy"
Quelle: Eurosport
Movistar-Kapitän Mas hingegen hatte mit einem solchen Abstand gerechnet: "Das ist der Zeitrückstand, den wir im Kopf hatten - ich bin zufrieden. Es fühlt sich wirklich gut an ehrlich gesagt!"
Für fast alle Experten jedoch kam der Rückstand von lediglich etwas mehr als einer Sekunde pro Zeitfahrkilometer sehr überraschend, selbst wenn man Roglics beeinträchtigte Vorbereitung einpreist.
Denn die Statistik zeichnete davor ein extrem eindeutiges Bild: 22 Zeitfahren hatten Roglic und Mas bislang gegeneinander bestritten, immer lag der Slowene vorn - und dies meist deutlich.
Wenn man die 14 Duelle über eine Distanz von mehr als 15 Kilometer betrachtet, war der Unterschied besonders eklatant: Mindestens zwei Sekunden pro Kilometer, meist aber noch deutlich mehr, konnte Roglic stets im Vergleich zu Mas herausfahren.
Einzige, höchst schmerzhafte Ausnahme: Das Abschlusszeitfahren der Tour de France 2020, als Roglic die Rundfahrt an der Planche des Belles Filles noch an Tadej Pogacar verlor und Mas dabei nur 49 Sekunden abnahm.
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Enric Mas vom Team Movistar bei der Vuelta 2026 im Roten Trikot
Fotocredit: Getty Images
Gall und Roglic geben sich nicht geschlagen
So aber ist Mas mehr denn je in der Favoritenrolle für den Gesamtsieg, im Klassement hat er 1:37 Minuten Vorsprung auf Roglic und über drei Minuten gegenüber dem Österreicher Felix Gall (Décathlon CMA CGM).
Zwar liegen noch 10.000 Höhenmeter zwischen dem Mallorquiner und der obersten Stufe des Podiums in Granada am Sonntag, und Mas gibt sich weiter vorsichtig: "Auch jetzt ist der Vorsprung nicht groß, es kommen noch zwei wirklich schwere Tage, dazu die Schlussetappe. Wir müssen also wirklich konzentriert bleiben und hart arbeiten."
Doch die Kletterprüfungen am Freitag und Samstag kommen dem 31-Jährigen entgegen: Kein Gegner hat ihm in dieser Spanien-Rundfahrt nach dem Aus von Tadej Pogacar Zeit an den Anstiegen abnehmen können - der dreimalige Vuelta-Zweite ist der beste Bergfahrer im Feld.
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Vuelta-Strecke, 20. Etappe: 5000 Höhenmeter auf Königsetappe
Quelle: Eurosport
Auch Roglic sind die Kräfteverhältnisse klar, doch geschlagen will sich der Rekordsieger der Rundfahrt noch nicht geben: "Es stehen noch zwei sehr harte Etappen an, auf denen alles passieren kann. Ich werde jetzt nicht alles riskieren - aber ja, wir werden versuchen, die Vuelta zu gewinnen. Mal sehen, ob wir dazu in der Lage sind", kündigte er an.
Auch Gall zeigte sich weiter zuversichtlich: "Es ist noch viel möglich", befand der Giro-Zweite. Mit seiner starken Helferriege könnte er insbesondere auf der Königsetappe am Samstag über vier schwere Berge nochmals versuchen, das Blatt zu wenden.
Bei der Burgos-Rundfahrt im August war es dem Tiroler noch gelungen, Mas in Schach zu halten und das Rennen zu gewinnen. Nun aber bräuchte er dafür einen ähnlichen Gala-Auftritt wie der Spanier an seinem Zeitfahr-Zaubertag.
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Start in Stierkampfarena: Vuelta-Zeitfahren vor besonderer Kulisse
Quelle: Eurosport
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